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  • Keorangar

mehr als 1000 Beiträge seit 24.06.2011

Nicht nur Philosophen und Rassismus

Vorab: seit wann ist Luther ein Philosoph? Der war Mönch, bestenfalls
Theologe, also jemand, der Irrealitäten in Politik und Meinung
ummünzte.

Das Bild, dass uns von den Philosophen, Klassikern, Produzenten von
"Weltliteratur" seit Generationen vermittel wird, sollte man wirklich
einmal kritisch untersuchen, egal, ob es sich um die deutschen oder
Schriftgelehrten anderer Nationen handelt. 

Außer Rassismus wird man da bei Philosophen, Dichtern und Denkern
noch sehr viele andere Kuriosiäten entdecken. Die geistigen "Riesen"
entpuppen sich bei genauerem Hinsehen oft als Zwerge. Besonders
offensichtlich wird das vielleicht bei politischen Schriften. Die
meisten der deutschen Klassiker und Aufklärer, die über Freiheit
schwadronierten, standen im Dienste von Adligen. Nicht anders die
Franzosen, mit etwas anderen Konstellationen bei jenen, die
auswanderten oder ins Ausland flüchteten. Freilich hatten sie unter
den damaligen Verhältnissen kaum andere Optionen, andererseits taten
die meisten Aufklärer nichts anderes, als die Theologen: sie
zimmerten eifrig an "Wahrheiten".

Die Werke der Klassiker sind voller Stereotypen. Da tummeln sich nur
nur so die Guten und Bösen in den Theaterstücken und Romane, die man
für das "gebildete" Volk schrieb, ganz so wie im Märchen die Hexen
und Zauberer auf der einen, die Prinzen und Helden auf der anderen
Seite. 

Goethe und Schiller? Geschichtsrevisionisten, die ihren Wallenstein,
Tell oder Götz ganz an die politischen Aktualitäten und Wünsche
anpassten. Nicht anders die Dramen von Moliere oder Shakespeare. 

Hätte Goethe im 20. Jahrhundert gelebt, wer weiss, je nach seinen
Lebensumständen wäre vielleicht aus ihm der Autor von "In
Sturmgewittern" oder "Der Arzt von Stalingrad" geworden, vielleicht
hätte er auch "Die Blechtrommel" geschlagen. Gedichte von Fontane
würden erstklassige Vorlagen für billige Action Filme liefern. Die
Reiseberichte einiger Klassiker könnte man heute in sozialen
Netzwerken posten (Hier war das Essen zu schlecht, da habe ich zu
lange auf die Postkutsche gewartet.)

Philosophen und Klassiker fand ich schon immer nur unter einem
Gesichtspunkt interessant: als Sekundärquelle zur jeweiligen
Zeitgeschichte, aber nicht als Vorbild für "Tugend, Bildung,
Aufklärung, Humanismus" oder andere Werte, die unsere Lehrer und
Hochschulprofessoren so gerne mit ihnen assoziieren.


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