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  • Eymontop

mehr als 1000 Beiträge seit 06.06.2016

Re: Jeder kann definieren wie er will

Man nimmt eigentlich auch niemanden etwas weg, wenn man den Mindestlohn nicht erhöht, man gibt ihn nur weniger. In der öffentlichen Diskussion in diesem Land herrscht ja inzwischen eine Konfusion, die kaum mehr erträglich ist. Da spricht man von Steuergeschenken, so als ob es eine Geschenk wäre, wenn ich jemanden weniger wegnehme.

Scheint dir nur so, weil du konfus denkst bzw. das Problem nur von einer Seite aus betrachtest. Wenn andere (Mittelständler z.B.) die Steuern bezahlen müssen, die du erlassen bekommst, hast du bares Geld geschenkt bekommen, weil du dadurch einen Wettbewerbs-Vorteil vor dem hast, der keine Lobby hat. Dadurch hast du höhere Einnahmen (die du wiederum nicht versteuern musst! = wiederum mehr Aktiva gegenüber dem Andern, der den Zahl-Esel für dich machen muss). Und das ist sogar ein gewaltiges Geschenk!

Mindestlohnerhöhungen haben zwei gegenläufige volkswirtschaftliche Effekte: Sie machen die Lohnkosten teuerer, aber sie lassen auch mehr Menschen ans Konsum teilnehmen.
Welcher Effekt überwiegt?
Die Frage will ich offen lassen. Dennoch habe ich den Verdacht, dass Deutschland als Exportnation vielleicht die Frage anders stellen sollte.

Wieso "offen lassen?" Zweifellos hättest du bei dauerhaft höheren Löhnen mehr Einnahmen.

Die Export-Orientierung ist hier sehr kurzsichtig gedacht (Kurz: Binnenwirtschaft - egal, hauptsache der Export flutscht) funktioniert nur so lange, wie andere (was leider geschieht) nicht genauso kurzsichtig kalkulieren. Wenn den Anderen Volkswirtschaften, der Binnenkonsum auch so egal ist, hast du auf lange Sicht auch im Export immer mehr Einnahme - Ausfälle, weil die Leut in anderen Ländern eben auch nix in der Tasche haben.

Dann gibts nur noch einen Ausweg: Den Staat und damit den Steuerzahler bescheissen (und deine Lobbyisten dafür sorgen lassen, das du damit davon kommst - das ist genau das, was derzeit geschieht).

Wem dann der Export wegbricht (das was derzeit auch geschieht), der sieht mit seiner im Stich gelassenen Binnenwirtschaft, weil die Leute wegen H4 und Niedriglöhnen kein Geld in der Tasche haben, sehr sehr alt aus.

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