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  • medienkritiker

69 Beiträge seit 30.01.2016

Querfront

Zunächst einmal: Wer "Querfront" sagt, dem geht es nicht um die
Sache, sondern um Gruppenzugehörigkeit. Dementsprechend nehme ich
grundsätzlich niemanden ernst, der den Vorwurf einer "Querfront"
tatsächlich als Argument für irgendwas ansieht.

Bei den Beispielen im Artikel finde ich allerdings die
"Querfront"-Vorwürfe nicht so recht in den Medien. Es scheint sich
eher um die typische mediale Personalisierung zu handeln, die
wiederum eine Folge der Boulevardisierung der Medien ist: Inhalte
sind egal, es geht nur um Menschen.

Wenn man Daniele Ganser vorwirft, dass er bei Ivor Sasek zu Besuch
war, dann geht es nicht um Ganser oder Sasek oder deren Standpunkte,
sondern ausschließlich um das Diskreditieren einer Un-Person, ohne
auf dessen Argumente einzugehen. Mag sein, dass jemand in dem
Zusammenhang "Querfront" sagt, aber das wäre dann bestenfalls ein
Zufallstreffer.

Dieselben Mechanismen gibt es regelmäßig überall. Erinnert sich
jemand an die Nazi-Jagd bei den Priaten? Mit wem Herr Kachelmann im
Bett war? Was alles woanders passiert ist, während in der gleichen
Woche PEGIDA demonstriert hat? Gleiches Schema.

Es geht nicht um das Aufdecken von (vermeintlichen) Verbindungen
zwischen Gruppen mit (vermeintlich) unterschiedlichen Meinungen,
sondern es geht einzig um soziale Ächtung von Menschen, deren
Standpunkten man argumentativ nichts entgegensetzen kann - oder will.

Eine "Querfront" zu identifizieren dürfte viele der heute tätigen
Journalisten ohnehin überfordern.

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