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272 Beiträge seit 19.11.2015

Re: Freiheit, Gleichheit, Vielfalt (Korrektur und Ergänzung)

Korrektur: IKG heißt das Ding richtig, "Institut für 
interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung" (hatte mich wohl
vertippt oder Uni Bielefeld im Kopf, das Projekt "ZuGleich" bleibt
dennoch gleich spannend).

Ergänzung (Zick/Preuß, S.21): "Für das Projekt ZuGleich wurde das
Konzept der Etabliertenvorrechte erstmals erweitert und als 
allgemeine Grundhaltung im Umgang mit ‚den Neuen‘ im vertrauten
Umfeld verstanden, frei von jeglicher Assoziation mit MigrantInnen.
(...) Es stellt sich nunmehr die Frage, inwiefern sich damit bereits
eine basale Mentalität identifizieren lässt, die trotz ihrer enormen
Bezugsbreite maßgeblich für die Herausbildung Gruppenbezogener
Menschenfeindlichkeit ist. (...) Dass beinahe 9 von 10 befragten
Personen die gesetzlich verankerte Gleichheit und damit auch das
Recht, Gesetze für die eigene Person in Anspruch zu nehmen,
befürworten und zugleich mehr als jede/r Vierte auf den Vorrang der
‚Alten‘ pocht, zeigt deutlich, wie inkonsistent und möglicherweise
auch engstirnig die deutsche Mehrheitsgesellschaft gestimmt ist."

Ignoriert man den ideologischen, klassischer Rasseforschung 
entlehnten Stil, so bleibt das Konstrukt "Etabliertenvorrechte" als
vermeintlich "basale Mentalität" jedes autochthonen Deutschen
interessant.

Vermutung: Die scheinbar widersprüchlichen Antworten der Probanden
sind in sich konsistent, doch die Forscher fragten und interpretieren
falsch. Der Verweis auf "gesetzlich verankerte Gleichheit" legt nahe,
dass man dachte, Einstellungen zu messen, die irgendwas mit
Menschenwürde zu tun hätten, doch tatsächlich erfragte man
individuelle Haltungen zur Ehre. Der Unterschied: Menschenwürde wird
mit der Geburt geschenkt, Ehre muss man sich verdienen! Besonders
informelle Hierarchien, etwa im Job, folgen gesellschaftlichen
Ehrbegriffen, während die Menschenwürde natürlich für alle gleich
bleibt.

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