Avatar von derdickemax

mehr als 1000 Beiträge seit 16.03.2004

Gibt es linken bzw. rechten Vegetarismus?

Nowaks extrem religiöses Credo ist: "Alles was
links ist, ist gut (gottgefällig), alles was rechts ist,
ist schlecht (vom Teufel) - also auszutreiben."

Es ähnelt dem Bürgerkriegsdenken des 16. und
17. Jahrhunderts, wo jeweils alles katholische bzw. evangelische als "vom Teufel" und Inkarnation
des "Anti-Christ" galt (was dann die millionenfachen
Massenmorde des 30-jährigen Krieges legitimierte).

Man möchte daran erinnern: Hitler war ein paranoider,
verbrecherischer Diktator und Massenmörder - und
er war rechts.
Stalin war ein paranoider, verbrecherischer Diktator
und Massenmörder - und er war links.
Ist deshalb jeder Linke gleichzusetzen mit Stalin
(so dachten viele Konservative in den 50ern und
60ern)? Ist deshalb jeder Rechte gleichzusetzen
mit Hitler (so denken viele heute)?

Als besonderes Merkmal der Teufelsverderbtheit der
Rechten gilt ihre Religionskritik am Islam. Dass zur
Linken durch ihre Geschichte (Voltaire, Feuerbach,
Marx) extreme Religionskritik gegen den Katholizismus gehörte - schon vergessen?

"JA ABER", kreischt da der Linksspießer, "die rechte
Islamkritik ist doch versteckter Hass gegen orientalische
Menschen!"
Das ignoriert völlig den Fakt, dass Pierre Vogel oder
Sven Lau keineswegs Orientalen sind, die profilier-
testen Islamkritiker dagegen selber Orientalen.

Und jetzt gehen die teufelverflucht bösen Rechten
auch noch her, kippen einfach den Antisemitismus
und machen Höflichkeitsbesuche in Israel. (Nachdem
übrigens Stalin in der Frühzeit Israels der beste
Verbündete und Unterstützer war.)

So ein Schwenk ist für altgläubige Betonlinke ein Grund
zum Verzweifeln. Es ähnelt der Verzweiflung strenger
Protestanten, als sie anerkennen mussten, dass aus-
gerechnet der vom gottverfluchten römischen Papst im
Katholizismus eingeführte gregorianische Kalender
exakter war.

Es geht nicht um geographische Orientierungen (links
oder rechts), die Sachfragen übergestülpt werden,
sondern es geht um Sachfragen und Argumente.

Kernkraft war ursprünglich ein linkes Thema (das erste
Atomkraftwerk Obrinsk stand ab 1957 in der Sowjetunion),
Eugenik war im Regierungsprogramm der schwedischen
Sozialdemokratie und der UdSSR bevor die Nazis sie
machten.

Selbst Vegetarismus und Umweltschutz, die aus der
antimodernen (und damit damals rechten) Naturromantik
des 19. Jahrhunderts stammten, wurden im Zuge der
Monte-Verita-Bewegung eher links, dann ganz schwung-
voll integriert ins Nazidenken (Rechtsschwenk der
Lebensreformkolonie Eden, Bio-Landwirtschaft auf
NS-Ordensburgen und heute bei extrem rechten
Splittergruppen und Reichsbürgern), wandelte sich
dann mit der Hippie-Bewegung wieder nach links.

Fazit: statt absterbende Ideologieschablonen aufzu-
wärmen besser auf Sachfragen im offenen Diskurs
sachliche Antworten finden. Die inquisitorischen
Schubladen "links" oder "rechts" sollte man den
alten Männern der römischen Glaubenskongre-
gation überlassen.

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