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  • Olek276

5 Beiträge seit 22.05.2006

Definitionsversuch

Warum sich auf nur zwei Achsen beschränken?

Das Links/Rechts-Schema stammt aus der französischen Revolution, als der Dritte Stand sich gegen den Adel durchsetzte. Als dann infolge der Industrialisierung eine Arbeiterbewegung entstand, wurde für deren Platzierung in den Parlamenten das Schema übernommen. Beiden gemein ist wohl das folgende:

Links ist der Versuch, bestehende Privilegien und soziale Ungleichheiten abzubauen,
Rechts ist der Versuch, beides zu rechtfertigen ("Leistungsgesellschaft, unternehmerisches Risiko") und beizubehalten.

Ihren ideologischen Überbau erhalten beide Strömungen durch den Gegensatz Sozialismus/Kapitalismus, welche die Antwort auf die Frage darstellen, wem die Produktionsmittel (Fabriken, Ländereien, Rohstoffe) und die mit ihnen erwirtschafteten Erlöse zustehen: dem Sozialismus zufolge sind sie zu verstaatlichen ("vergesellschaften"), während der Kapitalismus sie privatisiert (z.B. Aktiengesellschaften) sehen will.

Das ist aber nicht die einzige mögliche Achse!
Unabhängig davon, wie viele Bereiche einer Gesellschaft eher sozialisiert/kapitalisiert sind, kann er als liberaler Grundrechtsstaat oder aber autoritärer Überwachungsstaat organisiert sein. Die Achse liberal/autoritär ist also eine ganz eigene und beliebig mit dem links/rechts-Schema kombinierbar, auch wenn historisch einige Kombinationen häufiger auftraten als andere.

Dies gilt auch für Nationalismus/Multinationalismus: zwar ist der marxsche Kommunismus internationalistisch angelegt ("Proletarier aller Länder"), doch gab es immer auch nationalistische Interpretationen (NSDAP mit Röhm und Strasser, bis diese im sogenannten "Röhm-Putsch" durch Hitler entmachtet wurden, der sich auf die alten Eliten aus Adel und Großbürgertum stützte, und somit auf Militär, Hochfinanz und Schwerindustrie [ab hier hätte sich die Partei ehrlicherweise als NationalKapitalistische Deutsche KleinbürgerPartei bezeichnen müssen]).
Nun kann der Kapitalismus mit Nationalismus nicht sehr viel anfangen. Billige Arbeitskräfte in Form von Flüchtlingen kommen ihm sehr entgegen. Die wirtschaftlichen Abhängigkeiten der Entwicklungsländer sind ebenso Bestandteil seines Geschäftsmodells, wie die bewaffneten Konflikte, die seine Waffen und Munition benötigen. Diese aber sind wesentliche Ursachen für die Auslösung der Flüchtlingsströme. Diese Ursachen abzustellen, ist nicht in seinem Sinn. Eine Linke, die multinationalistisch agiert, verkennt, dass noch alle Errungenschaften der Arbeiterbewegung nationalstaatlich implementiert wurden (8-Stunden-Tag), und dass diese Errungenschaften in multinationalen Verträgen eher verwässert werden (EU, etc.).

Wirtschaftlich wird mit dem Sozialismus regelmäßig die Planwirtschaft verbunden, welche im Gegensatz zur kapitalistischen Marktwirtschaft steht. Diese aber wird derzeit durchaus bedroht, aber durch den Versuch einiger Großkonzerne, innerhalb dieser eine Monopol-/Oligopolstellung zu erreichen. Die freie Marktwirtschaft wird also weniger von links, als vielmehr von rechts bedroht.

Die Selbstverständlichkeit, mit der der Autor Kapitalismuskritik mit Antisemitismus framed, macht mich dabei ziemlich fassungslos.

Das Posting wurde vom Benutzer editiert (13.01.2021 10:57).

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