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  • rocketeer_87

376 Beiträge seit 15.09.2015

Das Kapital bahnt sich seinen Weg

Wolff schleicht bei seinen (treffenden) Analysen um die eigentliche Kernaussage herum, wie die Katze um den heißen Brei:

Das kapitalistische Wirtschaftssystem und seine immer stärker zu Tage tretenden Zersetzungsprozesse ermöglichten doch erst die Wahl eines Trumps oder die aufstrebenden Rechtspopulisten in Europa. Wolff hat absolut Recht, wenn er die aktuelle Situation mit der der Weimarer Republik vergleicht, nur mit einem signifikanten Unterschied:

Der Prä-Faschismus macht sich jetzt nicht nur in Europa breit, sondern weltweit. Was ja auch logisch ist, ist der Kapitalismus doch mittlerweile global "domistiziert" worden. Die USA (insbesondere seit der Wirtschaftskrise von '08) gleichen doch frappierend dem damals dahinsiechenden Deutschland. Hohe Arbeitslosenzahlen, geringe Sozialestandards und insgesamt ein niedriger Wohlstand trieben die Gesellschaft - und somit die Wähler - ins politische Extrem: Entweder die (National-) Kommunisten oder die Rechtsnationalen - die Versprechungen waren im Grunde ähnlich. Am Ende gewannen die NAZI's, weil sie gekonnt Marketing und Inszenierung einerseits und die wichtige Wahlversprechungen in Aussicht stellten - und hielten.

Hitler's "Wirtschaftsaufschwung" wurde doch all in all von zwei Säulen getragen:

(1) Aufbau den inländischen Infrastruktur (A-Bahnen etc.)
(2) Massive Militarisierung und Kriegswirtschaft

Finanziert wurde der Spaß u.a. durch US-amerikanische Kredite, wobei es durchaus bestimmte Interessensgruppen (Kriegsgewinnler) auf allen Seiten der beteiligenden Nationen gab, für die der Krieg idealerweise niemals geendet hätte. Hitler betrieb also eine ganz typische keynsianistische Verschuldungspolitik ("deficit spending"). Da der größte Teil seiner Investitionen in Form von Militärmaschinerie realisiert wurde, MUSSTE er einen Krieg vom Zaun brechen:

Einerseits musste die aufgebauten Kapazitäten abreagiert werden (wenn die Lager voll sind, muss nicht produziert werden, die Wirtschaft erlahmt, Arbeitsplätze gehen verloren usw.). Des Weiteren konnte durch den Krieg auch die Staatsverschuldung abgetragen werden. Entweder, indem man die Kriegsbeute zum Schuldendienst nutzte, oder in dem man gleich den Gläubiger "vernichtete". Hitler's Phantasmen über das "Internationale Finanzjudentum" wurde ja nur als Grund vorgeschoben. Der "Jude" treibt den "Deuschen (Staat)" ins wirt-finanzielle Chaos, gibt es die Juden nicht mehr, gibt es kein schwachses Deutschland mehr. Alle wirt.-polit. Probleme wurden also letztlich dem "Juden" angelastet. Die einzige Möglichkeit, die Probleme zu lösen bestand also in der Endlösung der Judenfrage, dem Holocaust.

Trump macht ja jetzt im Prinzip das Gleiche: Mal sind es die Mexikaner, mal die Deutschen, mal die NATO oder sonstwer. Er hat die US-Militärausgaben (die bereits im internationalen Vergleich den absoluten Spitzenplatz belegen) um weitere 10% (!) aufgestockt, spielt international mit den Muskeln (Nord-Korea, Syrien, Jemen usw.), kann aber der betriebswirtschaftlichen Ratio des Kapitals nicht entkommen: Er wird einfach keine Millionen von Arbeitsplätzen schaffen können, das gibt weder die Nachfrage auf dem Weltmarkt noch das inländische Lohngefälle her. Die "Industrie 4.0" und die Digitalisierung der Dinge und Dienste ("Internet of Things and Services") werden noch schneller noch mehr Arbeitsplätze abbauen als jemals zuvor. Die Industrie wird das gleiche Schicksal erleiden wie seinerzeit die Landwirtschaft: eine totale Rationalisierung des Produktivitätsfaktors Mensch zu Gunsten der Profitmaximierung.

Wozu bauen wir Maschinen? Richtig - damit sie uns die Arbeit abnehmen. Was tun wir aber, wenn wir kaum noch "sinnvolle" Tätigkeiten "abzuarbeiten" hätten? Müssen wir als Nächstes den Mond "umpflügen" oder noch ein paar Pyramiden bauen, damit ja jeder auch schuften darf und kann?

Trump wird alleine schon deshalb an der Macht bleiben, weil er "Elite pur" ist, weil er für Wall Street und Establishment von unglaublichen Wert ist und die Reichen noch reicher machen wird. Und da gebe ich Wolff absolut Recht:

Trump wird sich jetzt ein Feindbild aussuchen müssen. Im Zuge der sich immer stärker und schneller abzeichnenden systemimmanenten Konflikte wird der Wettbewerb zwischen allen Systembeteiligten auch immer schärfer und brutaler zu Tage treten. Da die "Arbeit" die elementare Basis für das kap. Wirtschaften einerseits ist, andererseits jede betriebswirtschaftliche Ration aber versucht, eben diesen einzigen "wertschaffenden" Faktor aus der Gleichung zu kürzen ("Personalkostenreduktion"), scheint das System langsam aber sicher an einen finalen Endpunkt angekommen zu sein. Der Krisenprozess nimmt immer schneller an Fahrt auf, es gleich, wie alles im kap. Wirtschaften, einer exponentiellen Entwicklung.

Trump ist also nur eine logische Konsequenz dieses Prozesses. Die AfD wäre im Übrigen schon längst über 20%, würde sie sich weniger "altbacken" verkaufen, ihre Deutschtümelei unterbinden und sich etwas mehr von Adi's Konjunktur-Panzer-Politik abschauen. Eine nächste Wirtschaftskrise im Format von 2008 wird unser Weltsystem und wohlmöglich auch unsere Weltgesellschaft nicht überstehen.

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