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  • Bananiel Dieseltrieb

601 Beiträge seit 12.11.2016

Frage an Herrn Wolff:

gibt's für antiamerikanische Legendenbildung, wohlfeile Populismen, radikale Vereinfachungen, Täter-Opfer-Umkehr und tendenziöse Geschichtsverdrehung eigentlich zusätzliches Kilometergeld von der TP-Redaktion? Oder Gummibärlis von Onkel Vladi?

Mit vernünftiger Kritik an der US-Politik hat ihr Text eher wenig zu tun.
Sondern er bedient hauptsächlich typisch deutsche anti-US-Ressentiments, wie zum Beispiel solche hier:

1)
"die Maßnahmen werden nicht ausreichen, um den finalen Kollaps seines Landes abzuwenden"

Das ist natürlich in der Formulierung polemischer Unsinn, und entspricht lediglich dem Wunschdenken aller möglichen US-"Kritiker", denen im Wolff-schen Artikel populistisch nach dem Mund geredet werden soll. Vielleicht um ein paar zusätzliche Werbeklicks generieren zu können. Als "meinung" wäre der Text kein Problem, aber ein solches Label taucht im Artikelkopf leider nicht auf.
Es dürfte vielmehr so sein: eher bricht "alles" zusammen. Einen "wunschgemäss" isolierten und "ach-so-selbstverschuldeten" Zusammenbruch der USA wird es nicht geben. Dazu sind die Länder und Volkswirtschaften der Welt einfach viel zu sehr ineinander verflochten und daher voneinander abhängig. Mal ganz abgesehen davon, dass die USA strukturell und politisch wirklich in einer echten Bredouille stecken. Die deutsche Wirtschaft hat aber genau davon die ganzen letzten Jahrzehnte über ziemlich profitiert ("Hurra, wir sind Exportweltmeister!").

2)
"Der Grund: Ein Krieg würde der US-Bevölkerung gewaltige Opfer abverlangen und seiner Anhängerschaft deutlich vor Augen führen, wie die 99 Prozent einmal mehr belastet würden, während das eine Prozent der Ultrareichen sich noch hemmungsloser am Kriegsgeschehen bereichert."

Na, da haben wir sie ja: die pseudolinke Phrasendreschmaschine. Eingebettet in ein paar wohlfeile Versatzstücke an internationalen Tagespresse-Meinungen, garniert mit ein paar Zahlen-Binsen, die eigentlich jeder auch täglich selbst bei Reuters und auf diversen Wirtschafts-Websites nachlesen kann. Toll!

3)
"Die US-Bevölkerung und vor allem sein eigenes Wahlvolk auf einen Krieg einstimmen"

"Wahlvolk" - die Wahl dieses populistischen Begriffs entspricht der in Deutschland üblichen Projektion eigener Vorstellungen auf US-amerikanische (und anderweitige) Verhältnisse.
Ja, in den USA gibt es zwar viele, viele Wähler, und die mögen je nach Partei zwar manchmal ausufernd und laut ihre patriotischen Wahlfeierlichkeiten abhalten, aber von dumpfbackig-populistischen Einstellungen im Sinne europäischer Selbstfindungsphrasen wie zum beispiel "wir-sind-das-(Wahl)volk" kann in den USA nun wirklich nicht die Rede sein. Die Leute in den USA sind als Personen und lokale/regionale Wählergruppen teilweise deutlich informierter, als es die allermeisten deutschen Wähler sind. Dazu muss man eigentlich immer nur mal wieder in die amerikanischen Wahlkampfforen schauen. "Gefühlt" wird in Deutschland allerdings das genaue Gegenteil. Ich sag nur: "sechzehn Jahre Kohl, 8 Jahre mit dem Paria Schröder, elf Jahre Merkel". Eigentlich solltet ihr Deutschen euch mal gehörig schämen, immer noch keine Legislaturbeschränkung für Kanzler eingeführt zu haben: maximal zwei mal Kanzler sein zu dürfen, wäre völlig ausreichend.
Aber hey, es ist doch so viel einfacher, sich auf einen mithin etwas "Verrückten" wie Trump einzuschiessen. Zu Hause in Deutschland ist ja angeblich alles in Butter. Lächerlich!

4)
"Sie dienen aber dazu, die wenig informierte Mehrheit der US-Bevölkerung gegen das Ausland aufzubringen"

LOLOLOL!
Die US-Bürger sind zu einem nicht geringen Teil politisch viel, viel informierter, als es die Deutschen gemeinhin sind. US-Wähler denken nur manchmal anders, und auch oft sehr selbstzentriert - zugegeben - und genau das mag man in Deutschland nicht so gerne, nicht wahr? Böse, böse Konkurrenz! Aber Hauptsache, die deutschen Alternativwähler machen sich selbst runter, und nennen sich lieber "Vasallen von USrael". Wie war das noch gleich mit "Opferrolle" und so?

5)
"und verteufelte Deutschland unter Einsatz aller Medien als 'Hort des Bösen' "

Revisionismusversuch für Arme? Spassfrage: gab eigentlich es im 20. Jahrhundert ein führendes, westliches Land, das im kriegerischen Sinne noch perverser, bösartiger, rücksichtsloser und asozialer als die Deutschen agierte? Aber nein, das gab es nun wirklich nicht. Hauptsache, die Verantwortung für das Losbrechen zweier Weltkriege wird toujours auf andere Staaten geschoben. Opferrolle deluxe!

Oder doch so lieber so?
"Der blut-und-bodenständige Deutsche mag die Amis nicht, denn er findet, sie seien schuld daran, dass 'man' in Deutschland leider den Krieg verloren hat."

Das war's auch schon.
Schönen Platz an der Sonne noch, Herr Wolff.

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