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  • freudhammer

664 Beiträge seit 14.12.2014

Unfreiheit durch Zinslast

Ich habe in jungen Jahren einmal für ein gebrauchtes Auto Geld von einer Bank geliehen und musste ein halbes Jahr monatlich die Hälfte meines Lohns der Bank geben. Ich hatte das Gefühl bestohlen zu werden und niemals habe ich Lohnarbeit als bedrückender empfunden. Es war mir eine Lehre und ich habe mir nie mehr Geld geliehen. Den Satz aus der Bankwerbung „Lebe jetzt, zahl später“ wurde mir zum Inbegriff von Werbeverführung und „Leibeigenschaft“. Ich habe mir auf jeden Fall ab dieser Zeit immer erst einen für eine Anschaffung nötigen Betrag zusammengespart oder die gewünschte Sache mit einer Improvisation zu schaffen versucht. Beispiel: die ersehnte teuere Kamera. Ein Freund erinnerte mich an mein zeichnerisches Talent und Zustände mit Worten zu beschreiben. Ich überdrehte genervt die Augen, doch er hatte Recht. Es entstanden so Werke, die mit einer Kamera und der Sklavenarbeit dafür nie entstanden wären. Dann erkannte ich die Schönheit und den Gebrauchswert billiger Sachen und erlebte immer den Genuss, etwas Erwünschtes nach eigener Planung mit den Händen und kleinem Geld zu schaffen.
Es kam bald soweit, dass ich die nur Kaufenden bemitleidete, sie waren wie Kinder.

Und hier sind wir auch schon bei der Freiheit und ihrem Gegenteil, der Zinsknechtschaft. Wie ich schon wiederholt las, setzen sich heute hierzulande etwa 40 Prozent des Preises einer Ware aus Zinsen zusammen. Alles könnte also ohne diese „Zinsballast“ beinah zum halben Preis erworben werden. Oder 40 Prozent weniger, kürzer gearbeitet werden, was ja für die meisten von uns paradiesische Verhältnisse bedeuten würden. Und wer heimst diesen Zinsgewinn ein? Natürlich die Banken, denn Sparer bekommen ja heute keine Zinsen mehr für Erspartes.

Wenn ich dann beinah täglich lese, wie die Politik der Bevölkerung durch immer mehr Schulden immer weiter die Zinslast steigert, und damit ein irrwitziges Wachstum mit allen ökologischen und sozialen Folgen erforderlich macht, die Völker der Knute der Banken ausliefert, dann möchte man den Staatsanwalt rufen, aber leider wird der von den Schuldenmachern ja ernannt…

Zuschüsse, von wo immer auch her, ist das Zauberwort aller Politiker. Auf Zuschüsse zu verzichten würde einem Selbstmord eines Politikers gleichkommen. Egal ob man die Zuschüsse braucht oder nicht, sie müssen fließen, woher auch immer, und die unsinnigsten Projekte werden damit umgesetzt. Und die Verschuldung steigt immer weiter und damit die Unfreiheit und Zinssklaverei.

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