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  • Irwisch

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Etikettierung

>> Diejenigen, bei denen dieser Schaden zu
>> weit getrieben wurde und denen es nicht
>> gelingt, ihr Streben nach Geltung und
>> Bedeutung innerhalb legaler
>> gesellschaftlicher Möglichkeiten zu
>> verwirklichen, erhalten das Etikett
>> "Krimineller" oder "Neurotiker"

> Ich sehe das an dieser Stelle anders.
> Kriminelles Verhalten ist nichts anderes
> als der Konkurrenzwettkampf mit anderen
> Mitteln. Sie ist zwar offiziell geächtet,
> trifft aber i.d.R. nur die dümmsten und
> angreifbarsten Individuen und ist daher
> ein wesentlicher Wettbewerbsbestandteil
> der Gesellschaft. Kriminalität ist somit
> kein abnormes Verhalten, sondern
> Bestandteil oder besser gesagt Stütze
> der Gesellschaft.

Ist zwar nicht falsch, was du hier darstellst, geht aber leicht
vorbei an dem, was ich meinte. Selbstverständlich gilt ein
Krimineller erst dann als solcher, wenn er überführt wurde. In der
Tat werden meist nur jene erwischt, die sich allzu blöde dabei
anstellen. Die Aufklärungsrate liegt glaub ich noch immer bei ca. 10
Prozent (bei Mord etwas höher). Es gilt also nur der Überführte als
kriminell bzw. abnorm.

> Die Ächtung hingegen hat hier die
> Funktion der gesellschaftlichen
> Kontrolle der Minderbemittelten.

Klar, was denn sonst? In der Hierarchie Höherstehende wirst du in den
Gefängnissen kaum finden. Hat aber mit meiner obigen Aussage, auf die
du dich beziehst, nichts zu tun. Diese von mir dargestellte
Etikettierung findet statt. Dem gewöhnlichen Etikettierer sind unsere
diesbezüglichen Gedankengänge und Assoziationen nicht geläufig. Oder
anders ausgedrückt: ich habe nicht beschrieben, was Kriminalität ist,
sondern wozu dieses Etikett verwendet wird.

> Nun könnte man dieses als Widerspruch
> auslegen, ist es aber nur soweit, wie
> man gesellschaftliche Widersprüche nicht
> als Bestandteil der gesellschaftlichen
> Ordnung zu akzeptieren in der Lage ist.

Erkennen? Ja! Akzeptieren? Nein.

Irwisch

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