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mehr als 1000 Beiträge seit 22.03.2005

Gewaltbereitschaft = kompensierte Unsicherheit

displayer schrieb am 29. März 2005 22:47

> Die Anwendung des "Macht"-Paradigmas von
> Nietzsche, Adler, u.a. auf alle möglichen
> Gewaltformen von der Vergewaltigung bis
> hin zum Faschismus vernachlässigt doch,
> dass das, was die Gewalttäter erreichen
> wollen, nicht das selbe sein kann, wie die
> Mittel zur Erreichung des Angestrebten.

Macht- bzw. Gewaltausübung durch niedere bzw. defizitäre Charaktere
ist letztlich immer Selbstzweck: sie dient der Kompensation
erfahrener Ohnmachts- und Hilflosigkeitsgefühle. Umfangreiche
Darstellung dieses Sachverhalts findest du in Erich Fromms "Anatomie
der menschlichen Destruktivität" und in Wilhelm Reichs
"Massenpsychologie des Faschismus".

> Also, a) die Anwendung von Macht - genauer:
> von Machtmitteln! - b) zum Zwecke der
> Erreichung bestimmter Ziele, die selbst nicht
> durch das "Macht"-Paradigma erfasst werden
> können, - das sind zwei verschiedene Dinge.

Aber ja doch, hat aber mit meinen Ausführungen nur am Rande zu tun.
(Ablenkungsmanöver?)

> Die durch die Anwendung bestimmter Machtmittel
> anvisierten Ziele sind darüber hinaus nicht nur
> etwas anderes als Macht, sondern als spezifische
> (!) Ziele der Grund für die Anwendung bestimmter
> Mittel.

Hier irrst du gewaltig! Die jeweils angeführten Gründe für
Machtausübung sind allermeist vorgeschobene. Macht in diesem Sinne,
wie ich diesen Ausdruck hier verwende, war schon immer Selbstzweck.
In diesem Zusammenhang ist Macht immer mit einer gehörigen Portion
Eitelkeit bzw. Narzißmus verziert, einer von meiner Warte aus
ungesunden Egozentrik. Ich plädiere in diesem Zusammenhang für
charakterliche Prüfung aller, die ein öffentliches Amt auszuüben
trachten.

> So sind die Ziele eines Vergewaltigers durchaus
> sexuell, die Ziele der Faschisten sind durchaus
> ökonomisch, etc.

Die Literatur weist etwas anderes nach. Der sexuelle Aspekt im Falle
eines Vergewaltigers rangiert weit hinter der Befriedigung durch die
Macht über sein Opfer. Selbstbewußte Frauen werden i.d.R. nicht zu
Vergewaltigungsopfern. Weitere Recherchen zu diesem Thema werden dich
davon überzeugen.

>> Man sollte sich zweitens generell nicht
>> von Worten verwirren lassen, insbesondere
>> nicht von jenen, die zwar Gleichheit vorgeben,
>> bei genauerer Betrachtungsweise aber
>> verschiedene Dinge bezeichnen. So besteht z.B.
>> ein grundlegender Unterschied zwischen der
>> Aggression zur reinen Verteidigung in realen
>> Gefahrensituationen und der nervösen Aggression,
>> die schon im Vorfeld sich durch neurotischen
>> Angriff abzusichern sucht. Ebenso verhält es
>> sich mit dem Begriff "Macht" und vielen anderen,
>> deren unreflektierte Verwendung heute zur
>> allgemeinen Verwirrung und Verdummung beitragen.

> Das ist sprachlich eher unklar.
> Im einen Fall dient "Aggression" einem bestimmten Zweck, nämlich der
> "Gefahrenabwehr".

Genau das habe ich oben ausgedrückt! Das nennt sich "vitale
Aggression".

> Im zweiten "neurotischen" Fall sichert die Aggression sich selbst,
> wobei der Zweck verloren geht.

Erkennst du den Widerspruch in diesem Satz?

> Macht um der Macht willen - dies ist eine
> völlig undifferenzierte und untaugliche
> Konzeption zur Erklärung des Faschismus in
> einer bestimmten historischen und ökonomischen
> Situation.

Diese Konzeption erklärt tatsächlich nicht alles, lediglich die
Grundsituation. Selbstbewußte und daher vom Zwang zur ständigen
Kompensation freie Menschen werden sich niemals faschistoid
verhalten.

> Der Faschismus als angebliches
> "Erziehungsproblem" - eine solche
> "Erklärung" verschleiert die Hauptsache
> dieser bürgerlichen Diktaturform zwecks
> Zerschlagung der Arbeiter- und
> revolutionären Bewegung und zur Rettung
> des bürgerlichen Klassenverhältnisses.

Ganz im Gegenteil: Das Fundament jeglicher menschlicher Haltung wird
in der Erziehung gelegt, wo sonst. Selbstverständlich bedingen
gesellschaftliche und individuelle (charakterliche) Determination
einander.

> Oder um es mal anders auszudrücken: Die
> Identifikation der faschistischen Bewegungen
> mit der kapitalistischen Ordnung und ihren
> Institutionen bedarf einer ebenso
> spezifischen Erklärung wie sie diese
> spezifische Identifikation selbst darstellt!
> Karl, der displayer

Ich kann damit leben, daß du so verquastes Zeugs schreibst.

Irwisch

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