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  • Irwisch

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Ursache und Wirkung

> Die Differenz zwischen uns könnte eher
> darin liegen, dass ich gesellschaftliche
> Phänomene wie Kirminalität und
> Arbeitslosigkeit als Funktionsträger
> dieser Gesellschaft auslege und
> psychologische Erscheinungen nur als
> Resultat gesellschaftlicher Organisation
> werte und ich es auch so explizit und
> deutlich ausdrücken will. Psychologische
> Extrema sind also in meinen Augen nur
> Symptome und nicht Ursache.

Ich meine dagegen, diese Darstellung ist zu einfach. Es ist heute
kaum mehr nachvollziehbar, wo, wie und wann die charakterliche
Deformation einst begonnen hatte. Dennoch läßt sich vermuten, daß
erst mit der Etablierung von Herrschern und Beherrschten, also mit
Einführung des Patriarchats (vor vielleicht 6000 Jahren), die heute
bekannten psychischen Defizite sich entwickelten.

Was die heutige Situation betrifft, möchte ich behaupten,
gesellschaftliche Situation und massenhafte Verbreitung psychischer
Defizite bedingen einander auf eine schwer durchschaubare Weise.
Durch meine eingehende Beschäftigung mit dem Phänomen der
"Reproduktion sozialer Ungleichheit" und den Werkzeugen, mit denen
das geschieht (z.B. Scham), haben sich mir diese Zusammenhänge etwas
erhellt, aber (noch) nicht vollständig dargestellt - falls das
überhaupt möglich ist.

Keinesfalls möchte ich dir darin widersprechen, daß Kriminalität,
aber auch die ständige Suche nach Erhöhung der eigenen Person zu
einem starken Entwicklungsfaktor westlich geprägter Gesellschaften
wurden. Doch kann man auch das Ende dieser Spirale ausmachen, da sich
solche Gesellschaften früher oder später selber erledigen, wie die
Geschichte zur Genüge zeigt.

Irwisch

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