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  • Prof Schnaffa

516 Beiträge seit 29.08.2009

Der fette Kater

der hier angedeuteten Wiederentdeckung des Zentrums Marxscher Kritik, nämlich der Wertform, ist doch eigentlich Robert Kurz. Warum bleibt der hier unerwähnt, obwohl er doch das Angeführte inhaltskonform schon in den 90-er Jahren eindrucksvoll beschrieben hat Sein "Kollaps der Modernisierung" war meines Wissens im Jahre 1991 erschienen und enthält die Wiederaufnahme der Marxschen Wertkritik und deren historisch konkrete Anwendung auf den gerade zusammenbrechenden Realsozialismus. Einige seiner Formulierungen im obigen Artikel könnten von ihm entliehen sein, so dass seine Nichterwähnung mir verdächtig vorkommt. Stefan Meretz hat in seinem Umkreis gewirkt und müsste das wissen. Auch in den 90'er Jahren wurden schon Debatten über die konkreten (also nicht nur konzeptuellen) "Keimformen" einer Produktion von Sachgütern jenseits der Warenform geführt. Auch über freie Software ist damals schon debattiert, und von Robert Kurz aufs Heftigste abgelehnt worden.

Ein nicht ganz so stringent von ihm abstammender Zögling ist der hier bei manchen nicht ganz so wohlgelittene Thomasz Konicz, der im Rahmen der Wertkritik nicht theoretisiert, sondern eher ihre Ergebnisse mit der Analyse tagesaktueller Geschehnisse zu verbinden sucht. (Krisentheoretische Einordnung, Forderung nach "kategorialer Kritik", also Kritik der Vergesellschaftung durch die Wertform, usw.)

Kurz gesagt, die Botschaft des obigen Artikels ist wirklich nichts Neues. Er tut aber so. Es ist immer wieder versucht worden, die Robert-Kurzsche "wertkategoriale" Kritik zu instrumentalisieren. Ist aber nichts draus geworden und einer Vermittlung mit konkreter Praxis hat sich Robert Kurz entgegengestellt. Das liegt wohl auch daran, dass er die Arbeiterklasse als Subjekt der Revolution für unvereinbar mit der Wertkritik hält. Dies vertritt auch Konizc, der deshalb so ziellos, teils denunziatorisch rumeiert, und anfällig für Einflüsterungen des Mainstreams ist. (Noch eine Weltstratege kam auf den selben Trichter. Es war der Michel Gorbatschow, der keine Arbeiterklasse mehr gelten ließ, sondern nur noch Menschheitsfragen. Davon hat er leider mehr geschaffen als gelöst...)

MaW: Die Rückkehr zur basalen Marxschen Ökonomiekritik ist eigentlich geleistet und wirklich schön ist es, dass sie in einer Revision des "Kapitals" einen eigenständigeren Raum einnimmt. Jeder, der die Welt vom Kapitalismus befreien will, sollte sich damit auseinandersetzen.Aber genauso dringlich scheint mir die Frage zu sein, wie sich deren Erkenntnisse mit realpolitischen Vorgängen vermitteln lassen, den überall aufflammenden Kämpfen und einer explosiven Unzufriedenheit, die sicher größer ist als die, welche die 60-er Jahre auslöste.

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