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  • Storchbraterei Ploing

mehr als 1000 Beiträge seit 28.03.2004

Geisteswissenschaft vs. Naturwissenschaft

Die Lücke zwischen Geisteswissenschaften und Naturwissenschaften/Technik wird bei den Themenkreisen Neurologie vs. Psychiatrie vs. Psychologie besonders deutlich, ähnliche Probleme gibt es allerdings auch z.B. in der Genetik.

Naturwissenschaften tun sich mit hochdynamischen, rückgekoppelten und holistischen Systemen schwer. So sind sämtliche (Neben-)Wirkungen eines Gens in einem Genom ähnlich schwer zu verorten wie Fertigkeiten, Wissen oder Wertesysteme in einem Gehirn. Ein Gehirn funktioniert nicht wie RAM oder eine Festplatte, wo alles einen festen Ort hat.

"Verschlimmert" wird das Ganze ja noch durch jede Menge Biochemie in Form von Hormonen, Enzymen und chemischen Reaktionen, welche z.B technisch in neuronalen Netzen oder simpler Fuzzy-Logic kaum nachgebildet werden können.

Dadurch und die ständige Interaktion in Gruppen bzw. Familien ist die Zahl der Einflußfaktoren auf das "System" Mensch nur schwer zu erfassen.

Tritt eine psychische "Störung" auf, hat man so auch ein "Henne -Ei" Problem. Sind nun etwa Hormonstörungen bzw. ein hoher oder niedriger Serotonin-, Dopamin-, Melatoninspiegel Ursache oder Wirkung? Neben dem Hirn gibt es eine Menge anderer Organe wie Schilddrüse, Nebennieren, Geschlechtsorgane bis hin zum Verdauungssystem welche solche Hormone erzeugen verarbeiten oder anderweitig Einfluß auf die Psyche haben. Auch Erreger wie Toxoplasma gondii, welche etwa den Oxytocinspiegel verändern, haben erheblichen Einfluß.

Deshalb sollte vor jeder Psychotherapie erst einmal gründlich geprüft werden, ob nicht etwas genetisches (Erb- "Krankheit") oder körperliches vorliegt- wobei körperliche Probleme wieder auch etwa bei Traumafolgestörungen psychosomatische Ursachen haben können.

Gerade bei Persönlichkeits - Störungen (wen stören diese überhaupt und warum?) wird's nun richtig kompliziert. Liegt's an "ungünstigen" Glaubenssätzen, erlebtem Trauma, Prägung/Erziehung, sozialem Umfeld oder eher einer kranken bzw. psychische Erkrankungen fördernden Gesellschaft ?

Relativ "harmlos" erscheinen ja erst mal "Anpassungsstörungen", die durch veränderte Lebenssituationen auftreten (Tod eines Partners, Jobverlust, Krankheit, Katastrophe, Krieg etc.). Hier ist wenigstens eine Ursache schnell ermittelt, aber die Resilienz jedes Erkrankten gegen die Folgen ist unterschiedlich - hier kommen dann wieder die gesamte Biographie und erwähnten Randbedingungen ins Spiel.

Kurzum: Jeder "Fall" liegt anders und wohl nur selten kommt es zu einer "richtigen" Diagnose geschweige denn Therapie. Die "Reparaturversuche" der "Gripsklempner" erinnern - aufs technische Umfeld übertragen - oft recht hilflos.

Psychiater verschreiben Medikamente, die mit Neurotransmittern etc. so verfahren wie hilfslose Computerhersteller, die mit Versorgungsspannung, Delays und Drahtbrücken herumfummeln, bis der Fehler weg ist.

Psychoanalytiker vergessen gerne, das Erinnerungen eher wie dynamisches RAM oder alter Magnetkernspeicher beim Auslesen gelöscht und dann leider von ihnen fehlerhaft refreshed werden.

Behavioristen und Kognitivisten mit ihren Skinner-Boxen und Methoden wie NLP sind die totalen Dummies, die irgendwelche Knöpfchen drücken, gucken was passiert, bis vielleicht mal das passiert was sie sich erhoffen .- natürlich völlig ohne zu kapieren, was sie eigentlich tun - manchmal klappt halt auch das - so wie draufhauen oder resetten ja auch bei alten Computern manchmal Wunder bewirkt.

Das Posting wurde vom Benutzer editiert (29.01.2018 15:52).

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