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  • exkoelner

mehr als 1000 Beiträge seit 28.06.2012

Verteilungskämpfe?

Die VW-Nummer in den USA schätze ich so ähnlich ein, wie die Deutsche Bank Nummer in den USA. Man kommt sich bei Kapialisten´s zunehmend ins Gehege - und dann gibts Klatschen für die "kleinen Frechen", solange es der eigenen Wirtschaft nicht schadet.

Ulrike Herrmann zitiert in ihren Vorträgen öfter mal, das die derzeit installierte weltweite Produktionskapazität von Autos bei vielen kaum zu 70% ausgelastet ist, und jedes Jahr wächst ja diese potentielle Produktionskapazität um 2-3% durch Produktivitätssteigerung. Und daher befinden sich die Großen der Branche schon länger im Verdrängungs-Wettbewerb, ein ganz normaler kapitalistischer Prozess.

Die Statistiken von Wikipedia (wer hätte es geahnt) sind dazu leider nicht sehr hilfreich, sie malen eine chinesische Gefahr an die Wand und Deutschland im Off, aber wer ein wenig liest, weiß das die Automobilproduktion von China nicht zu geringen Anteilen auch VW- und BMW-Produktion ist, die dort produzieren und von dort aus exportieren und nicht Hungwai Tscha Bing oder so Autos sind. Ähnliches gilt für die völlig unkritisch, nicht dahin gehend bereinigten Zahlen der USA. Aber eins vermitteln sie doch, der Produktionsstandort Deutschland ist für die weltweite Automobilproduktion wohl nicht mehr so entscheidend, wie vor Jahren.

https://de.wikipedia.org/wiki/Wirtschaftszahlen_zum_Automobil#Die_drei_f%C3%BChrenden_Produktionsl%C3%A4nder

Ein alter Zeit-Artikel erklärt ein wenig dazu:

"Dass der Abbau von Überkapazitäten am Ende der ganzen Branche nützen könnte, zeigt das Beispiel USA. Dort wurden nach Zählung von AlixPartners infolge der Krise 2008/2009 gleich 18 Autowerke geschlossen. Die Folge ist, dass dort heute selbst ehemalige Pleitefirmen wie GM oder Chrysler wieder üppige Gewinne einfahren. Allerdings wäre der große Umbruch ohne massive Staatshilfen nicht möglich gewesen. In Europa wurden im selben Zeitraum lediglich drei Werke geschlossen: Antwerpen (Opel), Sizilien (Fiat) und Trollhättan (Saab).

Die einträgliche Situation in Amerika erklärt freilich auch, weshalb Konzerne wie Ford oder General Motors jetzt so vehement auf eine Bereinigung bei ihren verlustträchtigen europäischen Töchtern drängen. Ginge es etwa nach den Analysten von Morgan Stanley in New York, dann sollte GM am besten seine Tochter Opel ganz zusperren."

https://www.zeit.de/2012/45/Europa-Autowerke-Ford/seite-2

Tjaja, damals gabs ja noch keinen Trump, der die Zoll-Nummer voll durch zieht, heute schon. Der Fakt bleibt aber, es gibt Überkapazitäten und sie steigen, denn so viele kaufkräftige Nachfrager gibts eben nicht. Und der Ablass-Handel mit den Strafen für VW und die Deutsche Bank wird sich die Hegemon-Wirtschaft allein noch nicht zufrieden geben, die 2%-BIP-Wehretat-Nummer ist ja schon die nächste und wird auch brav von der Bundesregierung befolgt, mal gucken was sich Trump und Konsorten noch so für Deutschland einfallen lassen - Nordstream 2 ist mit Blessuren gerade noch durch gekommen, der Kuhhandel mit den Franzosen in der EU dafür "Urheberrecht-Verschärfung" {1} hat auch was komisches, das U-Boot-Geschäft mit Australien geht an die Franzosen, Merkel-Deutschland kriegt zunehmend international auch bei "Freunden" eins in die Fresse, weils Merkel-Deutschland übertrieben hat.

Wie sagte Marine Le Pen noch so schön 2015: "Jetzt holt sich Merkel noch mehr Billig-Löhner nach Deutschland, während die Franzosen arbeitslos werden."

{1}

"Grundlage der nun erzielten vorläufigen Einigung ist der jüngst zwischen Deutschland und Frankreich erzielte Kompromiss: Der sieht vor, dass es für kleinere Unternehmen künftig Ausnahmen beim umstrittenen Artikel 13 der Richtlinie gibt. Dieser Artikel besagt, dass Plattformbetreiber wie Youtube für Urheberrechtsverstöße auf ihren Seiten strafrechtlich verantwortlich sind.

Die Konsequenz: Sie müssen verhindern, dass Nutzer eventuell urheberrechtlich geschütztes Material hochladen. Deshalb müssen sie Upload-Filter installieren, die Urheberrechtsverstöße automatisch erkennen sollen. Doch diese Filter müssen erst entwickelt werden, und das ist teuer – von etwa 50 Millionen Euro ist die Rede. Geld, das insbesondere kleinere Plattformen und Start-ups nicht aufbringen können."

https://www.handelsblatt.com/politik/international/artikel-13-finaler-kampf-ums-urheberrecht-gegner-torpedieren-kompromiss/23973038.html?ticket=ST-1731161-NWSrgjBvbu0m7kt5y2R0-ap6

(Leider für mich jetzt hinter der paywall verschwunden, aber einmal gucken geht wohl)

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