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  • Pnyx (1)

mehr als 1000 Beiträge seit 01.07.2017

nicht ewig

"Jetzt beginnt sich die einseitig auf Export und kontinuierliches Wachstum ausgelegte Strategie der Autoindustrie zu rächen."
Von zwei Menschen stammend, die sich für ökonomisch kompetent halten, ist das ein bemerkenswert dümmlicher Satz. Wer weiss denn nicht, dass "kontinuierliches Wachstum" im Kapitalismus ein sine qua non ist? Dass davon mittelfristig die Existenz als unabhängige Firma / Konzern abhängt? Und wie soll man anders wachsen als durch Export, wenn der Heimmarkt doch längst gesättigt ist?

Wenn bereits andere versuchen, unsere Schlüsselindustrie zu schädigen, dann sollten wir wenigstens eben dies unterlassen.

Was soll das heissen? Betrug weggrinsen? Nichteinhaltung von Normen als Kavaliersdelikt behandeln? Die "Schlüsselindustrie" staatlich päppeln?

Nochmals für Anfänger; in Zeiten guter Konjunktur wird Produktionskapazität aufgebaut. Trotz Bemühungen, das Problem zu lösen, etwa durch geplante Obsoleszenz, ist der jeweilige Heimmarkt irgendwann am Sättigungspunkt angelangt, es müssen also weitere, noch nicht gesättigte Märkte erschlossen werden. China zum Beispiel, die Eingemeindung der Ex-DDR hat kurzfristig auch geholfen, aber die paar Millionen Menschen und ihre 'Bedürfnisse' reichten nicht weit. Der enorme Erfolg der deutschen Exportindustrie ist auch ein Indiz dafür, dass die deutsche Wirtschaft längst überrationalisiert ist, dass sie unendlich viel mehr produziert, als die deutsche Bevölkerung braucht. Andererseits ist das natürlich ein Zwang, wäre es anders, wären die Unternehmungen nicht so konkurrenzfähig und viele längst vom Markt. Kurz, das Problem liegt in der Mechanik des Kapitalismus begründet, der über die Tatsache hinwegsieht, dass die Erde, und damit auch die Kaufkraft endlich ist. Bevölkerungswachstum, technologische Entwicklung mit einhergehender Intensivierung der Ausbeutung der Ressourcen, Kredite, also ökonomische und ökologische Schuldenbildung, zögern die Kulmination des Problems hinaus. Nicht ewig.

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