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  • HW4711

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Ich gebe dir Grün. (++)

EchtLinks schrieb am 18.09.2019 16:41:

Andere haben ja schon rot gegeben.

Ich ergänze aber nur die Kritik mit Argumenten.

Kryptowährung sind je nach Konstrukt intransparent oder für bestimmte Personen extrem transparent.

Können damit Verbrechen finanziert werden, hat sich das schon erledigt.
Können Verbrechen und Korruption wirksam bekämpft werden, muss man darüber nachdenken. Nur Krypto meint verschlüsselt und mit geheimen Informationen ist unsere Demokratie schon zerstört worden. Die Mär von der Demokratie im Kryptogeld ist damit schon widerlegt.

Kryptowährungen haben keine stabile Wertdeckung aus sich heraus.
Bisher sind alle an Fiatwährungen gebunden, sie ändern also nichts an einem falschen Wertbegriff und Verständnis.

Wenn sie dann auch noch für ihre Erzeugung viel Energie brauchen und langsam sind, ist das auch ein Nachteil, ein ziemlich bedeutender.

Man kann bei dem Beitrag zu Libra mehr nachlesen.

Piraten hatten sich da vor Jahren schon in eine Idee verrannt, weil sie scheinbar den Staat ausschalten können. Eine solche Währung kann aber kein Staat im großen Stil dulden.

Demokratie fängt nicht beim Geld drucken an, sondern in der Beteiligung an echter Wertschöpfung und der Gestaltung der Gesellschaft.

Geld ist nur ein Instrument zur Vermittlung von Zirkulationsprozessen der Warenproduktion, es ist ein Instrument der Messung von echtem Wert (was es heute nicht mehr ist) und es hat auch eine Wertaufbewahrungsfunktion.

Gerade auch diese Funktion wird von Lagarde bewusst gestört und Kryptogeld verhindert nicht notwendigerweise Minuszinsen.

Dann kommt es aber auch noch darauf an, für was der Minuszins benutzt wird, ob er Menschen in der Zukunft arm macht oder ob er dazu beitragen kann, Geld stabil zu halten und einen echten Wert sicher in die Zukunft übertragen zu können.

Dazu reicht das bestehende digitale Geld aus, wenn es im Wert stabil gehalten werden könnte.

Es ist doch schon ein Witz, dass früher für die Bundesbank die Stabilität der Währung oberstes Ziel war. Dass die Inflation dann doch größer 0 war, hebt ja nicht das Ziel auf, zeigt nur, dass es weitere Faktoren gibt, die eine Zentralbank eben nicht hinreichend steuern konnte.

Die Politik, also die Regierung hat Keynes immer nur zur Hälfte umgesetzt und so die Staatsschuldenkrise langsam aber stetig aufgebaut.

Es gibt also einen unmittelbaren Zusammenhang von schlechter Politik und dem Scheitern einer Zentralbank, es gibt aber einen tieferen Hintergrund und der liegt nun mal in der Steuerung der Wirtschaft durch den privaten Profit.

Diesen Hintergrund kann auch eine Kryptowährung nicht aushebeln, da muss schon das Finanzsystem und das Wirtschaftssystem umgestaltet werden durch eine Gemeinwohlorientierung und das geht nur, wenn der private Profit, der die eigene Leistung übersteigt, abgeschafft wird.

Felber in Österreich musste auch schon mal eingestehen, das seine Gemeinwohlwirtschaft die Macht der Konzerne nicht brechen kann.

Er bleibt also auch in einer Illusion stecken.

Weder das Fiatgeld noch ein Kryptogeld, das auf Fiatgeld beruht und zudem selbst Schwankungen unterliegt, kann die Probleme der zukünftigen Wirtschaft lösen.

Letztlich ist es auch ein Tributsystem, denn die Miner wollen Geld verdienen.
Damit gehen Kryptowährungen nicht über den Traum der alten Millionäre hinaus, sie unterliegen dem gleichen kurzsichtigen Egoismus wie der bisherige Kapitalismus.

Viel Rot wird meine Einschätzung bestätigen.

Unbelehrbare gibt es in allen Schichten der Gesellschaft. Jede Religion kann zur vermeintlichen Erleuchtung führen für den Religioten.

R. Messner, der eine Menge an Objekten vieler Religionen gesammelt hat und in seinen Museen ausstellt, hat aber sehr wohl begriffen, dass alle Götter Erfindungen der Menschen sind. Er glaubt selbst nicht an Götter, ist sich aber deren kulturhistorischen Bedeutung bewusst.

Religiöse Geschichten spiegeln aber durchaus Lebenserfahrungen und Sehnsüchte von Menschen.

Allerdings sind diese Kulturen meistens schon untergegangen. Trotzdem ist es sinnvoll, deren rationalen Kern herauszuarbeiten.

Das sollten aber auch die Möchtegern-Bitcoin-Millionäre tun.

Ein Kryptogeld-System ist keineswegs sicher und es sind auch dort schon Millionen verschwunden. Am Gesellschaftssystem verändert das nichts, es würde eher durch Intransparenz noch weniger steuerbar.

Bliebe noch offen, ob Lagarde Kryptowährungen überhaupt versteht?
Ihr geht es um das schöne Narrativ, das eben manche Fans in eine falsche Hoffnung treibt.

Es wird immer schwieriger, in einer Welt, wo Begriffe ihren Inhalt ins Gegenteil verkehren, deutlich zu machen, was hinter diesen Narrativen steckt.

Ich gebe dir Grün, denn im Prinzip hast Recht.

Aber:
Mir geht es eigentlich um was anderes.
Wie kann ich den übermächtigen Staat aus meinen Leben rausdrängen.

Und:
Mit dem Argument "Verbrechen und Korruption wirksam bekämpft werden" kannst du alle Freiheit des Individuums auf Null runterdrücken.
Dann ist die Demokratie eh passé.

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