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  • Lynxx

23 Beiträge seit 23.07.2012

Religionszugehörigkeit, Volkszugehörigkeit oder Staatsangehörigkeit?

Eigentlich ist es ein Unding, Religionszugehörigkeit,
Staatsangehörigkeit und Volkszugehörigkeit durcheinanderzuwerfen, wie
Äpfel, Bananen und Nüsse in einen Korb. Ist das nun ein Korb voller
Äpfel, voller Bananen oder voller Nüsse? Man kann das dann, je nach
Bedarf, für seine eigenen Zwecke auslegen. In den Medien konnten wir
nach dem Irak-Krieg häufig lesen und hören, daß der Süden des Landes
von Schi´iten, die Mitte von Sunniten und der Norden von Kurden
bewohnt wird. Das ist so, als würde man sagen: in Deutschland leben
Katholiken, Protestanten und Bayern. Was soll das? Die Bayern sind
überwiegend entweder Katholiken oder Protestanten, und die Kurden
sind überwiegend entweder Sunniten oder Schi´iten.
In Israel, bzw. dem zionistischen Staat auf palästinensischem Boden,
leben Juden, Muslime, Christen, Drusen und noch andere
Religionsgemeinschaften und Religionslose. Die Mehrzahl der dort mit
israelischer Staatsangehörigkeit lebenden Araber sind Muslime; die
Drusen sind zwar auch Araber, aber keine Muslime. In einem Dorf in
der Nähe des Sees Genezareth leben Tscherkessen, die auch Muslime
sind, ihrer Herkunft nach aber keine Araber. Die muslimischen und
christlichen Araber mit israelischem Paß werden von den Arabern in
anderen Ländern in der Regel nicht als „Israelis“ wahrgenommen,
sondern als Palästinenser.
Aus islamischer Sicht überwiegt die Zuordnung nach
Religionszugehörigkeit: Gibt ein Jude seine jüdische Religion auf und
tritt zum Islam oder Christentum über, dann ist er Muslim oder Christ
und nicht mehr Jude. Demnach waren Felix Mendelssohn ein deutscher
protestantischer Komponist und kein jüdischer, und Heinrich Heine ein
deutscher protestantischer Dichter und kein jüdischer. Muhammad Asad,
bzw. Leopold Weiß, war ein zum Islam konvertierter österreichischer
Schriftsteller und Denker jüdischer Herkunft, in der Stadt Lemberg,
die heute zur Ukraine gehört, geboren und aufgewachsen, der auf
Englisch schrieb und seine letzten Lebensjahre in Spanien verbrachte.
Wird ein bosnischer Muslim bspw. Atheist, dann ist er kein Muslim
mehr, der Volkszugehörigkeit nach aber immer noch „Muslim“. Wenn ein
der Herkunft nach Deutscher zum Islam konvertiert, nach Afghanistan
geht und dort zusammen mit den Taliban u. a. auch gegen Angehörige
der Bundeswehr kämpft, ist er dann mehr Deutscher oder mehr Muslim?
Vielleicht sollte man den Vorsitzenden des Zentralrats der Muslime in
Deutschland fragen, ob er lieber Muslim oder Deutscher sein möchte.

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