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  • yossarian

mehr als 1000 Beiträge seit 20.06.2000

Zu GfK und Radiocontrol

Die "technischen" Erhebungsverfahren täuschen Aussagekraft vor, die
sie nicht besitzen: Die einfache Frage ist nämlich: Wer stellt sich
denn das GfK-Kästchen auf die Glotze? Richtig, doofe und arme
Deutsche. Wer läuft denn mit dem Radiohundehalsband herum? Richtig,
doofe und arme Schweizer.

Niemand, der drei Meter geradeausdenken kann, würde ohne wertvolle
Gegenleistung sich derart ausspionieren lassen. Arm deswegen, weil
das GfK dafür eine geringe Aufwandsentschädigung zahlt. Wer auf
solche Brosamen angewiesen ist, muß arm sein.

Und niemand wird für diese Verfahren zwangsweise ausgewählt, die
Leute müssen immernoch zustimmen. "Freiwilligkeit" macht aber einen
hübschen Bias in die Stichprobe. Hinzu kommt, daß das GfK ein Panel
ist, also eine in bestimmten Intervallen wiederkehrende Untersuchung
der immergleichen Leute (jaja Panelmortalität). Das heißt: Die Leute,
die beim GfK mitmachen, sind nicht nur: doof, arm und machen das
freiwillig, sondern sie sind auch noch zuverlässig.

Die machen das tw. über Jahre hinweg und erziehen ihre Kinder dann
auch so: "Wenn du Fernsehen schaust, mußt Du immer dieses Knöpfchen
drücken." Das muß auch sein, schließlich will das GfK ja auch wissen
was 3jährige glotzen.

Die Fernsehuhr vom GfK setzt außerdem einen Festnetztelefonanschluß
voraus: Auch das verzerrt die Stichprobe: "Mobile ethnische
Minderheiten" aka Zigeuner, Handelsvertreter auf Reisen oder auch so
Leute wie ich, die mit Genion ganz zufrieden sind, fallen vollständig
raus.

Lustig ist auch: GfK geht nur auf Deutsche und EU-Ausländer. Unsere
kleine lustige Minderheit von 1,8 Mio. Türken wird überhauptnicht
erfaßt. Ähnliches gilt für Exjugoslawien, und natürlich Chinesen,
Norweger und Afghani: ca. 4 Mio. Konsumenten in DE fallen einfach mal
so weg (Alle nicht EU-Ausländer). Wow, das ist ja eine tolle
Erhebungsmethode.

Dafür weiß die GfK natürlich ganz genau, was die 900 Exil-Zyprioten
in Deutschland so glotzen, weil sie vielleicht einen davon in der
Stichprobe haben. Ja Glückwunsch, das ist extrem wichtig. Und so
aussagekräftig v.a. Zielgruppenadäquate Werbung für 300 Malteser,
wow, das ist ein Riesenmarkt.

Siehe hierzu auch:
http://www.destatis.de/basis/d/bevoe/bevoetab10.php

Am Ende bleibt mir noch ein schönes Werbeblabla von der GfK:

"Die Haushaltsmitglieder müssen sich durch Drücken ihrer persönlichen
Taste auf einer speziellen Fernbedienung als Fernsehzuschauer an-
bezeihungsweise abmelden. Die Haushaltsmitglieder definieren sich
dabei selbst als Fernsehzuschauer!"

http://www.wissenschaft-online.de/artikel/587276

Ich definiere mich also als Fernsehzuschauer. Wahnsinn. Und ich
dachte immer, ich würde mich als Mensch definieren. So kann man sich
irren.

mfG, yossarian
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