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  • Artur_B

mehr als 1000 Beiträge seit 09.09.2004

Last exit

Man muss schon sagen, das ist die fast einzige Möglichkeit, das
kapitalistische System in Europa noch zu retten. Wobei auch sehr
schön die Konfliktlinien zwischen Regierungen und Finanzwirtschaft
deutlich werden.

Aber der Reihe nach : früher waren die harte D-Mark und außen herum
Währungen mit nach Süden hin zunehmendem Weichegrad. Diese mussten
fortwährend abwerten, um den deutschen Importdruck zu mildern. Geht
nun seit dem Euro nicht mehr, es ist passiert, was passieren musste :
die deutsche Exportwirtschaft hat alles überrannt und nicht nur das :
auch in allen Euro-Ländern die Filetstücke der dortigen Industrien
aufgekauft. Ein Gerücht ist es, dass dies versehentlich passiert sei
und nicht absehbar war. Es war sehr wohl gewollt und zwar von denen,
die dann profitiert haben : der deutschen Industrie nämlich. 

Kehrt man nun zu einem Weich-Euro zurück, so bleibt dieses Resultat
erhalten, aber unter neuer Flagge. Der Weich-Euro wird vermutlich
künstlich im Wert niedrig gehalten, damit die dortigen Staaten mit
der Billigproduktion Chinas konkurrieren können. Was lukrative
Synergien möglich scheinen lässt : Rohstoffe und teure Importgüter
werden mit dem Hart-Euro erworben und dienen in der Weich-Euro-Zone
dem nochmals billigeren Produzieren. Da sollen sich die Chinesen mal
warm anziehen. 

Ach ja, die EU leistet ja bis in die letzte Ecke "Wirtschaftshilfe",
welche dann denen zugute kommen, die dort die Fabriken besitzen. Die
kennen wir schon.

Ein Schmankerl : die Schulden der Weich-Euro-Länder werden damit wohl
weitgehend verdampft, denn sie an diese Währung gebunden werden. Das
Finanzwesen droht mit Weltwirtschaftskrise, das Verdampfen von
Schulden rächt sie üblicherweise mit einer Weltwirtschaftskrise wie
nach der Lehman-Pleite. Wenigstens droht sie damit. Also um es kurz
zu machen : man kann nicht den Kapitalsmus und das Finanzwesen
gleichzeitig retten. Dort im Finanzwesen muss man Pleiten hinnehmen,
um die Realwirtschaft zu retten. Eine Alternative, der man sich auf
kurz oder lang ohnehin stellen muss. Und die Mann'sche Lösung hat
wenigstens einen strategischen Kern. Und nebenbei : den IWF wird man
auf diese Art auch los.

Tja, nicht dass jetzt jemand denkt, ich würde mir hier den Kopf im
Dienste des deutschen Imperialismus zerbrechen. Im Gegenteil, die
ganze Konstruktion ähnelt doch gewaltig der, mit der Lenin den
Imperialismus beschrieben hat, hier insbesondere das Verhältnis von
Metropole und Peripherie. Ja, genau diese Konstellation ist im
Prinzip schon vor über 100 Jahren beschrieben worden.

Richtigerweise hat Lenin auch die große Kriegsgefahr vorausgesehen,
die diese Konstellation mit sich bringen würde. Das wenigstens ist
hier nicht unmittelbar gegeben. Das Konstrukt ist nicht per se
aggressiv und nicht auf kriegerische Sicherung von Weltmarktgütern
angewiesen.  Dieser Imperialismus kann noch ziemlich lange friedlich
vor sich hin existieren. Die Gefahren drohen ihm eher von innen :
ohne krasse Ausbeutung wird er nicht auskommen. So krass, dass
Unruhen zu befürchten sind.

Gruß Artur   

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