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  • freudhammer

664 Beiträge seit 14.12.2014

Gibt es wirklich "Antideutsche"?

Ich gebrauche den Begriff „antideutsch“ jetzt zum ersten Mal, er gefiel mir nicht, auch wenn er recht präzise beschreibt, um was es geht. Auch ich hatte immer Probleme mit dem, was uns als typisch deutsch vermittelt wurde: Militarismus, Bürokratismus, Faschismus, Untertanengeist. Und als Bayer war deutsch für mich sowieso nur ein anderes Wort für Preußen, und damit verband ich immer die Gefühle, die man eben mit einem Hegemon, einer Besatzungsmacht verbindet, die noch dazu nicht unter einem Mangel an Hochmut und Besserwisserei leidet.
Seit 1945 beherrscht uns ein weiterer Hegemon, der alles Deutsche unerbittlich schlecht redet, der uns unserer Sprache und Kultur beraubt und als Sieger die Geschichte schreibt, so einseitig und verlogen, wie sie Sieger eben schreiben, um dem Besiegten auch das letzte Stück Selbstbewusstsein und Achtung zu nehmen. Als Bayer bin ich also zum zweiten Mal von anmaßendem Kulturimperialismus betroffen, mit dem ersten haben mich aber einige Jahre in Berlin versöhnt, denn die Menschen die ich dort kennenlernte, waren nicht weniger liebenswert und zuverlässig, wie die Menschen in der Heimat.

Ich verstehe also aus eigener Erfahrung, dass man die oben als „Deutsch“ assozierten Tugenden ablehnen kann, Faschismus und Rassismus sowieso. Doch Deutschsein ist unendlich mehr, dass ist alle deutsche Kultur, die nichts mit den Nazis zu tun hat, und das ist gewiss mehr als 99 Prozent unserer Kultur. Wenn nun politisierte und nur oberflächlich informierte junge Leute heute alles Deutsche pauschal ablehnen, dann sind sie der Gehirnwäsche der alliierten Siegermächte auf den Leim gegangen. Wenn selbst der Völkermord an der deutschen Zivilbevölkerung von „Antideutschen“ verspottet oder erneut gefordert wird, wie auf dem abstossenden „Bomber Harris do it again“ Foto, dann zeugt das nicht nur intellektuell und ethisch von einem Tiefstand. Diese „Antideutschen“ haben sich zu Werkzeugen der fremden Volksverdummer gemacht. Da ich persönlich aber niemanden von ihnen kenne, denke ich manchmal, auch sie sind nur die Produkte eines Propagandastudios des Hegemons, so wie die Hetze von den Chemnitzer Pogromen künstliche Produkte zur Förderung der innerdeutschen Feindschaft sind. „Teile und herrsche“, verhindere alles Identitätsstiftende, jedes Zusammenfinden.

Nachtrag
Sorry, wußte nicht, dass es soviel über "Antideutsche" gibt, ein eben erst registrierter Link aus dem Forum hat auf die entsprechende Wikipediaseite verwiesen. Und schon wieder sind wir bei Israel. Hier ein Zitat von der Seite:

Scharfe Kritik an „solidarisierungswütigen Israel-Freunden“ übt der israelische Soziologe Moshe Zuckermann. In einem Beitrag Was heißt: Solidarität mit Israel? kritisiert er den, seiner Meinung nach, ideologischen Blick auf Israel seitens der Antideutschen. Diese missbrauchten Israel als „pure Projektionsfläche für eigene Befindlichkeiten“. Ihre „bedingungslose Solidarität“ sei eine Farce, „die die reale Tragödie in eine Narrenposse verwandelt“.

Stattdessen fordert er, die israelische Gesellschaft in ihrer geschichtlichen, politischen, sozialen und gesellschaftlichen Komplexität und Heterogenität wahrzunehmen. „Ideologisch durchwirkte Abstraktionen“ seien kontraproduktiv. „Besonders unappetitlich“ seien sie, so Zuckermann über das Israel-Bild der Antideutschen, wenn sie aus Deutschland kämen und die Juden beträfen.[

Das Posting wurde vom Benutzer editiert (02.12.2018 15:53).

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