Avatar von alexf38
  • alexf38

87 Beiträge seit 15.01.2017

Konicz schreibt seine Geschichtchen,

...drückt auf "Absenden", wartet vor dem Monitor auf das Eintreffen der vorhersehbaren Kommentare und freut sich dann ganz groß, was ein bedeutender Mann er ist und wie richtig er liegt - ganz klar, schließlich legt doch die Erregung nahe, dass er einen Nerv getroffen hat. (Man weiß nicht, was man schlimmer finden soll, die unverhohlen rechten Schreihälse, die den Umsturz kaum erwarten können, oder die dümmlich rechtschaffenen Nazijäger, die jeden für einen Nazi halten, der nicht ständig Nazis enttarnt - schlimmer als im Stalinismus der späten 30er Jahre)

Eine andere Deutung ist, dass Konicz so bizarr irrlichtert wie kaum ein anderer, und entsprechende Resonanz erfährt. Denn: Es kann in der Tat aufregen, wenn jemand vermeintliche Ursachen eines realen Problems so falsch miteinander verknüpft, dass zum Schluss ein Getüm rauskommt, das mögliche Gegenkräfte an der völlig falschen Stelle mobilisiert - nicht nur, dass sie dort scheinbar sinnlos verpuffen, sondern gleichzeitig auch das bestehende System stützen.

Man möchte laut schreien: Der "tiefe Staat" eines jeden Landes, ob der BRD oder von Bananistan, ist eine Wirtschaftsmacht, und die ist systeminhärent faschistisch, das aber völlig farblos. Es geht um Geld und Systemstabilisierung. Politik ist Schmierentheater und Mittel zum Zweck. Man schert sich um Devisen, Besitztümer, Marktanteile und Macht, nicht darum, ob es in der BRD zu viele oder zu wenig Flüchtlinge gibt. Es geht darum, in sämtlichen Behörden und Schlüsselinstitutionen pflichttreue und berechenbare Parteisoldaten zu installieren. Keine Partei hat das so langfristig und umfassend betrieben wie die CDU, die fundamentalistische Mitte. Nirgendwo ist die Vernetzung mit der Wirtschaft enger, und nirgendwo wird von den Funktionären mehr erwartet, dem Diktat der Parteispitze zu gehorchen - wenigstens, bis sie den Staatsdienst quittieren und in die Wirtschaft abwandern.

Wer nun zur Parteispitze respektive dem Kanzleramt gute Beziehungen pflegt, kann seine Interessen auf diese Weise wahren; das ist die eine Gruppe. Wer die Personen im Kanzleramt durch Bespitzelung, Korrpution oder Kompromat in der Tasche hat, kann das Schicksal der BRD und Europas bestimmen; das ist die andere Gruppe. Wenn beide Gruppen zusammenarbeiten, bilden sie "den" deep state. Andernfalls konkurrierende, aber niemals gleich starke Interessenparteien.

Was ein "deep state" sicher nicht ist (auch wenn Focus und taz das sagen): Ein Haufen zusammengewürfelter Schießwütiger aus Bund und diversen SEKs, die unsere edle demokratische Regierung bedrohen.

Bewerten
- +