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  • James Chance

264 Beiträge seit 27.02.2016

Die Top 4 deutscher "Verschwörungstheorie" - Journalisten im NSU Komplex

1. Annette Ramelsberger von der SZ, die am Jahrestag des 4.11.2011, als deutschlandweit der Opfer des NSU gedacht wird, eine peinliche Apologetik für die Sicherheitsbehörden formuliert und auch die Böhnhardt/Peggy-DNA Spur schon mal zur Verschwörungstheorie erklärt:

„Es gibt mittlerweile Bücher und Fernsehfilme über das NSU-Trio. Trotzdem ist unklar, wer wo seine Finger im Spiel hatte. Auch deshalb klingen Verschwörungstheorien so gut. Am 4. November vor fünf Jahren erschossen sich die beiden mutmaßlichen NSU-Terroristen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt in ihrem Wohnmobil, als sie von Polizei umstellt waren. Bereits hier setzen die Verschwörungstheorien ein. Haben sich die beiden Männer gar nicht selbst getötet? Wurden sie im Auftrag dunkler Mächte gemeuchelt? Vielleicht deshalb, um die Verwicklung des Verfassungsschutzes in die rechtsradikale Mordserie zu vertuschen, die zehn Menschen das Leben kostete und so viele an Körper und Seele verletzt zurückließ? (…) Bis jetzt sieht es so aus: Die Geheimdienste glänzten durch Naivität, Dienst nach Vorschrift und Unfähigkeit, die Polizei durch konsequenten Blick in die falsche Richtung."

Ramelsbergers Artikel ist eine Frechheit, eine Zumutung für die Angehörigen der Opfer des NSU. Ihre Beschreibung des NSU-Komplexes ist vage und stark fixiert auf den negativ konnotierten Begriff der Verschwörungstheorie. Wesentliche Aspekte spart sie schlicht aus. Kein Wort über die vorsätzlichen Aktenvernichtungen im BfV. Nicht eine Silbe darüber, dass die Bundesanwaltschaft den Verfassungsschutz deckt. Ramelsberger schweigt zu zahlreichen offenen Fragen, wie etwa der Anwesenheit des Verfassungsschützers Temme am Tatort in Kassel. Sie ignoriert dass zahlreiche PolitikerInnen Zweifel am erweiterten Suizid von Böhnhardt und Mundlos haben. Mitglieder von Untersuchungsausschüssen, deren Aufklärungsarbeit von den Diensten blockiert und denen Akten vorenthalten werden. Es gibt nicht nur Hinweise, sondern klare Belege dafür, dass die Polizei in ihrer Ermittlungsarbeit und in der Zielfahndung nach dem untergetauchten Trio behindert wurde. Und zwar ganz klar durch den Verfassungsschutz. Ramelsberger verharmlost das Agieren der Geheimdienstler: Naivität, Unfähigkeit, Dienst nach Vorschrift.

2.SZ-Kollege von Ramelsberger ist Journalismus-Professor Tanjev Schultz, der ebenfalls regelmäßig über den NSU-Prozess in München schreibt. Auch Schultz stellt die Böhnhardt-Spur im Fall Peggy in Frage, spricht von Versagen und bemüht das Totschlagargument „Verschwörungstheorie“:

„Der DNA-Fund war ein Überraschungsmoment, das vieles zu verändern schien. Nun kann es aber sein, dass die Spur eine Trugspur war, dann löst sich alles wieder auf. Ich war und bin sehr, sehr skeptisch, ob das eine reale Spur ist. (…) Nirgends läuft es wie im Lehrbuch. Ich möchte es aber nicht beschönigen: Das Versagen der Sicherheitsbehörden im NSU-Komplex ist gewaltig. Manche ziehen daraus den Schluss, dass alle unter einer Decke stecken würden und sich das nur mit einer Verschwörungstheorie erklären lasse. Dafür sehe ich weniger Anzeichen. Es gab reihenweise Fehler, Versäumnisse und Machenschaften – diese wurden jedoch von ganz unterschiedlichen Leuten begangen, auf unterschiedlichen Ebenen, aus unterschiedlichen Gründen und zu unterschiedlichen Zeitpunkten.“

Duktus und Argumentation von Schultz und Rammelsberger erinnern stark an einen weiteren SZ Kollegen: Hans Leyendecker. Leyendecker, leitender politischer Redakteur der Süddeutschen Zeitung in München ( Ressort : investigative Recherche) erklärte im Presse Club vom 14.4.2013 die wirkliche Gefahr für den NSU-Prozess: Verschwörungstheorien!

“ Aber wir werden aufpassen müssen, an der einen oder anderen Stelle, dass es auch keine Showveranstaltung wird. Es sind so viele Leute da, die sich aus unterschiedlichen Gründen auch bei diesem Prozess werden einbringen wollen. Was passiert wenn Verschwörungstheorien kommen über braune Kumpanei des Staates, über Staatsversagen, dass nochmal ganz anders war ? Das sind die Gefährdungen die wir haben.“

Befragt nach der Ermordung des Kasseler Internet-Cafe-Besitzer Halit Yozgat und dem Umstand, dass der ehemalige, hessische Verfassungsschützer Andres Temme der zur Tatzeit am Tatort war und vom Mord nichts bemerkt haben will, erklärte Leyendecker aufgebracht:

“ Das ist ausermittelt. Das ist nun wirklich damals ausermittelt, das ist jetzt noch mal ausermittelt. Der saß da, das ist auch ne Figur wie eigentlich aus ’nem Roman, hat früher Mein Kampf intensiv gelesen. Es passte scheinbar alles. Aber es ist ausermittelt, er hat mit dieser Tat, wenn Sie gucken, die Mörder kamen aus Dortmund, es wäre möglich gewesen, dass sie in Münster gemordet hätten, dass sie woanders, er hat mit dieser Tat nicht zu tun gehabt. (…) Was ausermittelt ist und das ist ausermittelt. Und dann kann ich nicht mit ’ner Verschwörungstheorie noch mal um die Ecke kommen.“

Und dann machte der Investigativ-Journalist noch eine bemerkenswerte Aussage:

„Man hat es von Neonazis nicht erwartet, dass es ihnen tatsächlich, war es tatsächlich so, gab es nicht doch bei den, äh, Mord, Mordtaten, im Westen Unterstützer, die geholfen haben? Das sind ja alles so die Fragen. Und bisher ist die Anwort, nein, das gab es nicht. Wir haben tatsächlich ’ne abgeschottete, kleine Terrorgruppe gehabt. (…) Wir haben auch so’ne Gruppe so noch nicht gehabt. Also das ist auch, und von daher ist die Hoffnung, dass von außen irgendwas kommt, das wäre ’ne spannende Frage, Frau Zschäpe, wie war’s wenn die Beiden zurück kamen aus Nürnberg? Haben die gesagt, was sie getan haben ? Haben die gesagt, sie waren auf ’ner Baustelle? Oder haben die gesagt sie haben geschossen ? Aber all das, da hat sie das Recht zu schweigen. Das ist auch gut so.“

2013 war nicht bekannt, dass Mundlos und Böhnhardt zum Zeitpunkt ihrer Taten auf einer Baustelle in Nürnberg gearbeitet haben sollen.

Erst 2016 wurde öffentlich, dass Uwe Mundlos für die Firma des V-Mannes Ralf Marschner auf Baustellen in Nürnberg und München tätig gewesen sein soll. Genau in diesen Zeitraum fielen auch die ersten Morde.

Warum sprach Leyendecker 2013 im Zusammenhang mit dem Mord in Nürnberg davon dass die Beiden dort auf einer Baustelle waren?

4. Panorama (ARD)

Am 13.7.2012 präsentierten Panorama Redakteure eine reißerische Abhandlung zum Thema Verschwörungstheorien mit der Überschrift „NSU-Morde: Fakten und Fabeln“ :

“ [Bildunterschrift: Trenchcoat, Lederhandschuh und Aktenkoffer gehören zu fast jeder guten Verschwörung. ]Nichts regt die Phantasie so schön an, wie die Beschäftigung mit dem Geheimen: Deswegen blüht in der Literatur das Genre des Agentenromans, und in unserem journalistischen Gewerbe das Genre der Verschwörungstheorie. Im Agentenroman ist immer alles möglich, auch und gerade das Undenkbare. Gerne werden auf den letzten zehn Seiten aus Helden Bösewichter, aus Regierungen kriminelle Organisationen – eine völlig neue schillernde Welt entsteht. Das ist sehr unterhaltsam, ebenso wie die journalistische Verschwörungstheorie immer unterhaltsam sind. Denn nichts ist banal, nüchtern und langweilig – alles ist wahnsinnig merkwürdig und atemberaubend unglaublich. In Zeiten der NSU-Affäre etwa werden aus langweiligen Verfassungsschutzbeamten mordende Zombies, aus katastrophaler Unfähigkeit wird bösartige Vertuschung, aus Dummheit Verschwörung. Dafür gibt es viele Beispiele aus jüngerer Zeit. Mittlerweile – siehe unsere Umfrage – ist das entsprechende Gedankengut auch schon Allgemeingut. Alle Verschwörungstheorien folgen übrigens demselben dramaturgischen Muster: Vermeintliche Ungereimtheiten bei Nebensächlichkeiten werden grotesk überhöht, die naheliegenden Hauptfragen geschickt umgangen.“

Quellen:

https://machtelite.wordpress.com/2016/10/31/nsu-komplex-zollstockgate-verbreiten-journalisten-gezielte-desinformation-zur-boehnhart-dna-spur-im-fall-peggy/

https://machtelite.wordpress.com/2013/04/15/ard-hinterfragt-tiefen-staat-im-nsu-komplex/

Das Posting wurde vom Benutzer editiert (27.04.2017 19:54).

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