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  • MikeKMB

20 Beiträge seit 25.08.2012

Managergehälterdeckelung / Reichtumskonzentration

Managergehälterdeckelung: Sowohl Interviewer als auch Hr. Zitelmann übersehen in ihrem Gespräch zu diesem Punkt, dass die laufende Diskussion NICHT darauf abzielt, höhere Gehälter als das 20-fache des schlechtestbezahltesten Mitarbeiters zu VERBIETEN. Bei den Vorschlägen geht es vielmehr darum, dass für Gehälter, die diese Grenze überschreiten, die steuerliche Abzugsfähigkeit für den darüberliegenden Betrag abgeschafft wird. Das ist ein gewaltiger Unterschied. Er bedeutet, ein Unternehmen, welches seinen leitenden Mitarbeitern höhere Gehälter als die Deckelung zahlen will, das natürlich trotzdem darf (alles andere wäre hierzulande sowieso verfassungswidrig). Aber für den darüberliegenden Betrag dürfte das Unternehmen den dann nicht mehr gewinnmindernd geltend machen.

Reichtumskonzentration: Das Problem ist m.E. nicht, dass einzelne Individuen mit exzeptioneller Lebensleistung dafür außerordentlich gut bezahlt werden. In der überwiegenden Mehrheit solcher Fälle, da stimme ich Hrn. Zitelmann zu, liegt das daran, dass diese Individuen eben einen außerordentlichen Dienst an der Gemeinschaft erbringen.

Das Problem an der Reichtumskonzentration ist nach meinem Dafürhalten vielmehr nur die Vermögensvererbung. Dass die nächste Generation genauso exzeptionell ist, wie der Vererbende, ist nämlich sehr unwahrscheinlich.

Es ist deshalb das Erbe, welches gedeckelt werden sollte. Denn DAS erzeugt die Ungleichheit in unserer Gesellschaft, und ist die Ursache für den Neofeudalismus, in welchem wir uns befinden. Nur dass es nicht mehr blaues Blut ist heutzutage, sondern Geld... aber die Strukturen sind mehr oder weniger die gleichen wie im Mittelalter. Eigentlich hat sich gar nichts geändert seither. Gut, Leibeigene heißen mittlerweile Angestellte, und die Verantwortung für diese wurde an die Allgemeinheit externalisiert. Strukturell ist aber noch immer alles wie seinerzeit bei Königs und Grafs. Vielleicht ein wenig durchlässiger, das schon. Aber in sich noch immer genau dasselbe.

Was also Hr Zitelmann bei seiner Reichtumsforschung komplett zu übersehen scheint, ist die enorme Konzentration von Reichtum bei Leuten, die dafür NICHTS getan haben; und auch absolut nicht in der Lage wären, aus eigener Kraft solche Vermögen anzuhäufen. Würde er in diese Richtung forschen, käme er sicherlich zu einer differenzierteren Betrachtung.

Denn wer aus eigener Kraft und Leistung reich wird, muss dafür entsprechend entlohnt werden, einfach, weil das sonst keinen Sinn hat für den Betreffenden; der Nutzen solcher Einzelleistungen für die Allgemeinheit jedoch unverzichtbar ist.

Ein ganz anderes Reichtumsfeld ist aber der quasi aristokratische Geldadel, dessen "Leistung" nichts als Blutlinie ist. Und es hängt eben davon ab, worauf man seinen Fokus richtet: Auf Leute, die aus echter Leistung, welche immer auch ein Dienst an der Gesellschaft ist, reich werden - oder auf solche, die nur Glück hatten.

Betrachtet man nämlich die, die nur Glück hatten, versteht man sofort, warum (solche) Reiche soviel Hass hervorrufen, und warum man das für so ungerecht hält. Denn das IST ungerecht. Und diese Ungerechtigkeit hat durchaus etwas mit Gleichmacherei zu tun. Nämlich in dem Sinne, dass alle Menschen als Babys genau gleich viel "wert" sind. Bzw. uns wert sein sollten.

Deckel für zu vererbendes Vermögen, solcherart, dass man sicher sein kann, seine Kinder - angemessen! - versorgt zu wissen. Der Rest (zurück! denn wo kam er her??) an den Staat bzw. die Allgemeinheit.

[Schenkungen zu Lebzeiten müssen übrigens ebenfalls gedeckelt werden, sonst wird der Erbendeckel sofort wieder unterlaufen]

Wer in eine reiche Familie hineingeboren wird, hat übrigens ohnehin schon so viele Vorteile, ob das nun der Reichtum an Erfahrungen (Reisen, Spielzeug, Kontakte, ...) oder die bessere Bildung, oder, oder, ist. Diese Ungerechtigkeit wird man sowieso nie abschaffen können. Die Fairness einigermaßen vergleichbarer Startbedingungen sollte man aber trotzdem für alle Menschen anstreben; und wenn nicht das gesamte Volksvermögen bei 1%, bzw. bald 0,1%, konzentriert wird, dann ist das auch durchaus zu schaffen.

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