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816 Beiträge seit 16.12.2002

Solare Weltwirtschaft & Recycling

Speziell zum Thema Solarenergie & Photovoltaik einige Anmerkungen:

Die Gegner von Photovoltaik führen gerne an, dass die Solarmodul-Herstellung mehr Energie verschlingt, als die Photovoltaikanlage später wieder liefern kann. Dass diese Aussage nicht der Wahrheit entspricht, beweisen verschiedene Studien seriöser Wissenschaftler. Beispiele hierfür finden sich unter anderem in der Zusammenstellung des Fraunhofer ISE und in der Meta-Studie „Klimabilanz Photovoltaik“ der EnergieAgentur.NRW. (...)

Die Meta-Studie kommt zu dem Ergebnis, dass Photovoltaikmodule innerhalb von 20 Jahren etwa das 10-fache der Energie erzeugen, die bei der Herstellung angefallen ist. Und PV-Anlagen erreichen in der Regel sogar höhere Laufzeiten zwischen 25-30 Jahren.

Trotz der oben genannten Beweise kursieren bis heute reißerische Artikel und falsche Angaben im Internet, in denen Photovoltaik als energetisches Negativgeschäft dargestellt wird. Bei der Betrachtung der Quellen solcher Aussagen fällt auf, dass diese nicht von objektiven Wissenschaftlern stammen. Die „Forscher“ und „Experten“ gehören unter anderem zu Lobbygruppen fossiler Energieträger. So druckte beispielsweise die Basler Zeitung einen Artikel mit der Schlagzeile „Die verheerende Bilanz von Solarenergie“ ab, in dem die Ökobilanz von Photovoltaik denkbar schlecht ausfällt. Der verantwortliche „Forscher“ Ferruccio Ferroni entpuppt sich nach einer kurzen Recherche als Atomspezialist ...

Auch wenn die Ökobilanz von Photovoltaik insgesamt sehr positiv ausfällt, kann es zu Umweltrisiken durch Solarmodule kommen. Allerdings sind diese Risiken vermeidbar, wenn die Solarmodule am Ende ihrer Lebenszeit ordnungsgemäß entsorgt werden. Das Recycling von Solarmodulen regelt in der EU die sogenannte WEEE-Richtlinie.

https://x2e-se.de/photovoltaik-solar/oekobilanz-von-photovoltaik-ist-die-solarmodul-herstellung-nachhaltig

Rund 95% eines Solarmoduls sind recycelbar und bei der Herstellung eines Moduls aus recyceltem Material fallen lediglich rund ein viertel der Produktionskosten an.

https://photovoltaik.one/photovoltaik-recycling

Die Verfügbarkeit der Rohstoffe stellt für den weiteren Ausbau der Photovoltaik kaum ein Problem dar. So lange die kristalline Siliziumphotovoltaik ihre Marktführerschaft behauptet, werden die vorhandenen Rohstoffressourcen ausreichen. Das ist das zentrale Ergebnis einer aktuellen Untersuchung des Wuppertal Instituts für Klima, Umwelt, Energie. (...)

„Der Bedarf an Silber, dem einzigen möglicherweise kritischen Bestandteil, ist in den letzten Jahren bereits sehr reduziert worden. Laut der International Technology Roadmap for Photovoltaics (ITRPV) der Crystalline Silicon Technology and Manufacturing (CTM) Group ist zudem ab 2015 der großmaßstäbliche Ersatz des verbleibenden Silbers durch Kupfer möglich.“ (...)

Allein die Dünnschichttechnologie könnte unter knapp werdenden Rohstoffen leiden. Vor allem der Bedarf an Indium für die Herstellung der CIS- und CIGS-Module erreicht eine kritische Größenordnung.

https://www.photovoltaik.eu/Archiv/Meldungsarchiv/article-594978-110949/kaum-rohstoffengpaesse-fuer-photovoltaikherstellung-.html

Die Primärproduktion (Raffinerieproduktion) von Indium lag im Jahr 2006 zwischen 500 und 580 Tonnen. Auf Grund der geringen natürlichen Vorräte von 11.000 Tonnen bei gleichzeitig hoher Nachfrage zählt Indium zu den knappsten Rohstoffen auf der Erde. Im Jahr 2008 wuchsen insbesondere für China die Angaben zu den natürlichen Indium-Vorräten von 280 auf 8.000 Tonnen, was die Reichweite von vormals 6 auf 19 Jahre verlängerte. Die Sekundärproduktion, also das Recycling, übertrifft die Primärproduktion und lag im Jahr 2008 bei 800 Tonnen.

https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Indium&oldid=196193208

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Beim Recycling von Solarmodulen muss zwischen zwei Möglichkeiten unterschieden werden:

a) Materialrecycling
Dies ist die vollkommene Zerlegung und analytische Rückgewinnung der materiellen Bestandteile, also Metalle, Halbmetalle vor allem.

Das sieht dann so aus:

https://www.sma-sunny.com/wp-content/uploads/2013/05/Recyclingkreislauf-einer-Photovoltaikanlage-1024x624.png

b) Produktrecycling
Dabei werden weiterhin funktionsfähige Baugruppen weiter verwendet und nur abgenutze/schadhafte Baugruppen ausgetauscht.

Recycling im Zusammspiel mit immer neuen Technologien inklusive Substitution verschiedener Rohstoffe (wie etwa Silber durch Kupfer etc.) sollte, nein muss zukünftig und global in allen Bereichen der Produktion so intensiv wie möglich eingesetzt werden.

Ebenso wichtig ist aber die radikale Reduzierung des Material- und Energieverbrauchs durch Produktion, Verkehr & Transport, Wohnen, Militär (!!!), etc.

So ein Passivhaus - u.U. auch Passivhochhaus - kann sich im Idealfall im laufenden Betrieb selbst versorgen, wobei es hier nicht nur notwendig ist, möglichst langlebige Häuser zu bauen, sondern auch eine modulare Bauweisen zu verwenden, bei der verschlissene Bauteile einfach ersetzt werden können.

Motorisierter Stadtverkehr kann durch eine andere Städtearchitektur vielleicht um 99% reduziert werden.

Transporte können eh reduziert werden, indem man z.B. die Städte durch neuartige Rohrpostsysteme ausstattet, die dem Gütertransport dienen und - wie die U-Bahnen - unterirdisch verlegt sind.

Zusammengefasst also:

1. Vermeidung des Verbrauchs nicht regenerierbarer Ressourcen, wo es möglich ist und ansonsten

2. Minimierung des Verbrauchs nicht regenerierbarer Ressourcen durch

2.1 ökologische Bauweisen und
2.2 Recycling.

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Insofern muss ein politischer Druck auf die Politik ausgeübt werden, um - in Anlehnung an den verstorbenen SPD-Politiker Hermann Scheer - eine "Solarisierung der Weltwirtschaft" und damit auch eine nachhaltige Ökonomie auf die Beine zu stellen. Das geht aber nur durch eine gesamtgesellschaftliche Demokratisierung und Verwissenschaftlichung der Produktionsentscheidungen, welche noch wesentlich intensiver sein müssen als bei der Durchführung von Maßnahmen gegen Corona, wo ja die Wissenschaft zum Teil der Politik erzählen darf, was zu tun ist.

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