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  • Jürgen Wahlmann

mehr als 1000 Beiträge seit 06.01.2000

Dein Vertrauen in Politik und Regierung verblüfft mich

Confratres schrieb am 15. August 2007 8:38

> jozi59 schrieb am 15. August 2007 8:19

> >
> > Naja. Es bliebt die Frage im Raum, ob diese Leute nicht auch ohne
> > Überwachungskameras gefasst worden wären. Also ist das nach meiner
> > Ansicht ein schwaches Argument.

> Das ist eine hypothetische Frage somit, in meinen Augen, als Argument
> nicht verwendbar.

Die Frage ist genauso hypothetisch wie die Annahme, dass mehr
Überwachung Straftaten und Anschläge verhindert.

> > Es ist ehr aktive Aufklärung oder permamtene
> > Überwachung, je nach Geschmack. Ausserdem, wenn Dein Argument der
> > Abschreckung funktioniert hätte, warum ist es dann trotzdem zu dem
> > von Dir angeführten Anschlagsversuch gekommen?

> Es lassen sich eben nicht alle Täter damit abschrecken.

Ganz genau. Totale Sicherheit gibt es nicht. Totale Überwachung
schon, erst recht mit den technischen Mitteln, die seit den letzten
totalitären Staaten Nazi-Deutschland und DDR entwickelt wurden.


> > Weiter stellt sich die Frage, wie derartige Abschreckung bei Menschen
> > funktionieren soll, die bereit sind für Ihre Taten auch ihr Leben zu
> > opfern.

> Wahrscheinlich wird so eine Abschreckung bei solchen Menschen nicht
> funktionieren.

Dann frage ich Dich ganz provokant: Wenn die Abschreckung bei den
richtig fanatischen Terroristen eh nicht wirkt, wozu macht man sie
dann?


> > Auf der anderen Seite wird es damit eine weitere Überwachung aller
> > Bürger möglich und lückenlose Bewegungsprofile können damit erstellt
> > werden.

> Ach wie furchtbar! Unser Staat hat nichts besseres zu tun wie
> lückenlose Profile von allen Bürgern zu erstellen. Sorry, das ist
> aber in meinen Augen ein pathologischer Verfolgungswahn.


Mit Deinem ersten Satz hast Du es erfasst.

Deinen zweiten Satz werde ich Dir noch einmal vor Augen halten, wenn
alle geplanten Überwachungsmaßnahmen umgesetzt wurden und man keinen
Piep mehr machen kann, ohne dass es irgendwo registriert wird.

> > Weil diese "Sensibelchen" das als weiteren Schritt in Richtung
> > totalen Überwachunsstaat erkennen und harte Jungs, wie Du, das
> > einfach ignorieren.

> Totaler Überwachungsstaat ist Blödsinn, Deutschland ist eine
> Demokratie und Demokratien haben kein Interesse an solchen
> Massnahmen, es geht hier um Schutz der Bürger.

Alle Maßnahmen lassen sich auch hervorragend zum Schutz der
Machthaber (= Politik und Wirtschaft) vor dem gemeinen Pöbel
verwenden.

Die Demokratie in Deutschland ist eine Farce. Die gewählten
Volksvertreter handeln schon seit Jahren nicht mehr im Interesse des
Deutschen Volkes, sondern zum Wohle der Wirtschaft und ihrer eigenen
Geldbeutel.

Verglichen mit anderen Ländern geht es uns noch verdammt gut, es wird
aber hart daran gearbeitet, dass es nicht so bleibt.


> Die Mehrheit der Bürger hätte bestimmt nichts gegen eine Ausweitung
> der Überwachung und in diesem Fall entscheidet die Mehrheit und nicht
> eine kleine Gruppe Paranoiker die überall den bösen Überwachungsstaat
> sehen.

Ich habe den Eindruck, Du hast das System noch nicht durchschaut.

Es funktioniert folgendermaßen:

1. Man treibe den ehemals gut situierten Mittelstand in die Armut und
verlagere das Geld nach oben. Z.B. Mehrwertsteuer rauf,
Unternehmenssteuern runter. Verlierer: Die Bevölkerung und der
Sozialstaat. Gewinner: Großverdiener, Manager, Politiker und
Aktionäre.

2. Man belohne Unternehmen dafür, Jobs abzubauen (Jobs runter,
Aktienkurse rauf)

3. Man sorgt für eine diffuse, durch nichts belegte Drohung für große
Unsicherheit und Angst in der Bevölkerung. Z.B. internationaler
Terrorismus.

4. Man betreibe Salamitaktik und weiche in kleinen Schritten das
Grundgesetz und die Bürgerrechte immer weiter auf. Leute, die
aufbegehren, bezeichne man als Paranoiker, Staatsfeinde oder
Terroristen. (Immer wieder lesenswert das Zitat von Göring dazu:
"Aber schließlich sind es die Führer eines Landes, die die Politik
bestimmen, und es ist immer leicht, das Volk zum Mitmachen zu
bringen, ob es sich nun um eine Demokratie, eine faschistische
Diktatur, um ein Parlament oder eine kommunistische Diktatur handelt.
... das Volk kann mit oder ohne Stimmrecht immer dazu gebracht
werden, den Befehlen der Führer zu folgen. Das ist ganz einfach. Man
braucht nichts zu tun, als dem Volk zu sagen, es würde angegriffen,
und den Pazifisten ihren Mangel an Patriotismus vorzuwerfen und zu
behaupten, sie brächten das Land in Gefahr. Diese Methode
funktioniert in jedem Land." Hermann Göring").

5. Man schaffe Wahlmaschinen an, die undurchsichtig und manipulierbar
sind.

6. Man privatisiere Staatseigentum und belaste mit den Kosten den
Sozialstaat.

Selbst wenn die derzeitige Bundesregierung das Wohl des Volkes im
Auge hätte, was ich stark bezweifle, niemand garantiert uns, dass es
in Zukunft noch so sein wird. Ein Beispiel dafür ist die "geführte
Demokratie" von Putin in Russland. Im Grunde genommen passiert nur
das, was Putin will. Unliebsame Opposition wird mundtot gemacht. In
den "demokratischen" USA setzt sich der Präsident immer wieder über
demokratisch gefasste Entscheidungen mit dem Deckmäntelchen der
Terrorbekämpfung hinweg.

Zum Glück passieren Fehler, die Überwacher sind übereifrig
(Tornado-Einsatz bei G8, unrechtmäßige "Onlinedurchsuchungen", usw.)
und inzwischen nehmen sich sogar die großen Zeitungen und Medien dem
Thema an... einige Jahre später als die von Dir abfällig titulierten
"Paranoiker".

Bewahre Dir ruhig Dein Gottvertrauen in die Politik. Falls wir
"Paranoiker" aber recht behalten sollten, sage hinterher nicht, Du
hättest von nichts gewusst.

Grüße,
  Jürgen

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