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  • freudhammer

682 Beiträge seit 14.12.2014

Kein Ende der Servicewüste durch Privatisierung

Wir Älteren haben alle die Unzulänglichkeiten bei Staatsbetrieben kennengelernt: Maurermentalität bei Beamten (eine Beleidigung für fleißige Maurer), schlechte Servicequalität, Hochnäsigkeit, Dienstleistungswüste eben.
Dann wurden die Staatsbetriebe privatisiert oder teilprivatisiert. Nun kam auch noch der Faktor Gewinnstreben für Aktionäre ins Spiel, was Personalabbau, Automatisierung und Vernachlässigung von allen Bereichen hieß, die keinen Gewinn abwarfen. Man versprach uns das Ende der „Dienstleistungswüste Deutschlands“ doch wir bekamen einfach nur Serviceabbau bis zum Abwinken. Die Pünktlichkeit der Züge wurde zu einer Erinnerung, die Streckenpflege wurde teilweise auf Null heruntergefahren, Zugausfälle, die ganze bekannte Leier.
Bei der Post ist es noch ärger. Die Postzustellung wird von billigen Hilfskräften erledigt, die teilweise nicht einmal lesen können, was für Verteilung der Werbeschriften auch nicht nötig ist. Wichtige Briefe landen in Nachbars Briefkasten, ich könnte ihnen die Leidensgeschichten von Betroffenen erzählen.... Sie fangen den Postboten ab, reden mit ihm, er versteht. Morgen ist wieder ein anderer da, es wird nichts besser. Versuchen sie einen Ansprechpartner zu finden, in der ganzen Region gibt es keinen, nur Postfilialen in Discountern, die nicht weiterhelfen können. Nach längerer Recherche finden sie im Internet eine Telefonnummer, diese Gaunerbetriebe sind geradezu adresselos geworden. Eine Beschwerdestelle für die ganze Republik. Sie jammern, schimpfen und hoffen, dass sich etwas ändert...
Ich will die privatisierte Servicewüste mit Erfahrungen mit Telekommunikationsunternehmen abschließen: Sie werden von einem Sprechcomputer begrüßt, der sie mit seinem Gelaber bis kurz vor einen Herzinfarkt treibt. Sie geben Zahlen ein, sprechen Schlüsselbegriffe, die er hören will, werden wieder vollgelabert, sie können es bald auswendig, endlich nach endlosen Gedudel und Verkaufsangeboten ein Mensch am anderen Ende der Leitung: Freundlich, unschuldig, eine Stimme aus einem Callcenter. Sie schöpfen Hoffnung, werden vertröstet, bekommen Anweisungen, die ihr Problem nicht lösen, müssen wieder anrufen, landen wieder beim Sprechcomputer … Wenn sie diese Folter zehn Mal mitgemacht haben, wissen sie eines sicher, die Privatisierung löst nichts nichts, sie öffnet nur die Tür ins Irrenhaus.
Aus dieser Sicht ist die Debatte um die Eigentumsfrage alleine nicht zielführend.

Das Posting wurde vom Benutzer editiert (09.05.2019 12:18).

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