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  • cassiel

mehr als 1000 Beiträge seit 21.09.2001

Wer Systemkritik äußert darf nicht ins Fernsehen

Im Umkehrschluß waren schon immer(!) alle(!) Kabarettisten, die im Fernsehn auftreten durften, harmlos bzw. keine Bedrohung des Systems, eher im Gegenteil: das systemstabilisierende Dampfablassventil, der moralische Ablaßhandel der Politik, je "schärfer" desto besser.

Da machen auch die vermeintlich "scharfen" Kabarettisten wie Schramm, Pispers, Jonas, Uthoff, Priol, Rether, "Aufhören"-Schmickler & Co. keine Ausnahme. Keiner(!) von denen hat es je gewagt, diesem Land öffentlich im TV das Prädikat "Demokratie" abzusprechen und es als pseudodemokratische Diktatur zu bezeichnen. Im Gegenteil: ein Volker Pispers hat Spanien als "Demokratie" bezeichnet und sich damit als geistiger Bruder eines opportunistischen Mietmauls wie Steffen Seibert geoutet. Oder wenn ich mir vom arte-Depp Rether spätpubertäre Billig-Sprüche anhören muss wie "Wählen ist wie Zähneputzen: wenn man's nicht macht wird's braun". m( Auch stellen sich diese "scharfen" Kabarettisten nicht gerne öffentlicher Kritik. Pispers hatte mal vor Jahren ein Forum und es bald wieder zu gemacht. Ein Hagen Rether ist nur über sein Management erreichbar. Telepolis dagegen stellt sich seit zwei Jahrzehnten der Leserkritik in seinem offene Forum.

Das was dieser Telepolis-Artikel über den Zustand des politischen Kabaretts im deutschen TV beschreibt, stimmt nicht einfach. Das mit der maximalen Empörung bei minimaler Konsequenz ist genau so - nur noch viel schlimmer, denn selbst die vermeintlichen Ausnahmen sind keine, weil sie sich alle nur im vom System vorgegebenen politischen Laufställchen bewegen. Ein paar von ihnen merken das sogar, aber dass sie selbst auch darin sind, zu so viel Selbstkritik reicht es dann doch nicht. Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass wenn die Sendung vorbei ist, es bei diesen Salon-Kabarettisten auch mit dem Denken vorbei ist. Sowas nenn ich Borniertheit.

Von echter (direkter) Demokratie will ich hier gar nicht anfangen. Bezeichnenderweise bin ich aber nicht durch einen TV-Kabarettisten sondern einen anderen TV-"Betriebsunfall" darauf gestoßen. Weder vorher noch nachher habe ich von einem TV-Kabarettisten dazu etwas gehört.

P.S. mein satirischer Beitrag zur letzten Wahl:
https://wwwahnsinn.wordpress.com/2019/05/09/folgenschwerer-fahndungsplakat-irrtum-des-bka/
Das würde sich wohl auch kein TV-Satiriker, der vom Pförtner durchgelassen wird, trauen.

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