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Keine Tests fuer die Toten übrig

http://politplag.de

31. März 2020: Vor anderthalb Wochen haben wir erstmals öffentlich auf Ungereimtheiten in Deutschlands Statistik über die Todesopfer von Corona hingewiesen. Die vom Robert Koch-Institut ausgewiesenen Zahlen sind im internationalen Vergleich auffallend gering. Klar, wenn man keine Toten testet. Inzwischen haben wir weiter recherchiert und es zeigt sich: Ärzten fehlt Testmaterial, um verstorbene Patienten nachträglich zu testen – oder sie werden von Gesundheitsämtern abgehalten. Martin Heidingsfelder
"Deutschlands fragwürdige Corona-Zahlen: Und wer testet die Toten?"

Von Marcel Bohnensteffen

In Deutschland sterben womöglich deutlich mehr Menschen an dem Corona-Virus, als das Robert Koch-Institut öffentlich bekannt gibt. Diesen Verdacht lassen Recherchen für diesen Text und Zahlen der Johns Hopkins University zu, die Plagiatssucher Martin Heidingsfelder (Gründer von VroniPlag Wiki) systematisch ausgewertet hat.

Hintergrund: Deutschland testet anders als Italien und Spanien Tote nicht automatisch auf eine mögliche Corona-Infektion – selbst dann nicht, wenn sie eindeutige Symptome aufweisen. Offenbar haben Behörden behandelnde Ärzte bislang sogar gezielt davon abgehalten. Ein Mediziner, der in mehreren Krisengebieten Nordrhein-Westfalens Bereitschaftsdienst verrichtet und seit Ausbruch der Pandemie Dutzende Todesscheine von Patienten ausgestellt hat, berichtete, das Gesundheitsamt Siegburg habe ihm mitgeteilt, Verstorbene nicht post mortem auf COVID-19 zu untersuchen. Zum Schutz seiner beruflichen Tätigkeit bleibt er an dieser Stelle anonym. Die Koordinatorin des medizinischen Personals für die Kreise Heinsberg, Jülich, Erkelenz, Mönchengladbach und Geilenkirchen hat seine Anfrage nach zusätzlichen Corona-Abstrichen negativ beschieden. Tenor aus beiden Lagern: Verstorbene müssen nicht getestet werden und die Test-Kapazitäten reichen dafür ohnehin nicht aus.

Der behandelnde Arzt wirft den verantwortlichen Stellen einen „immanenten Systemfehler“ bei der Bekämpfung des sich ausbreitenden Virus vor: „Es geht nur darum, Tote so schnell wie möglich ins Krematorium oder unter die Erde zu bringen“, sagt er. Weil die Zahl der Corona-Toten auf diese Weise bewusst klein gehalten werden soll?

In Deutschland gilt nur dann jemand als Corona-Opfer, wenn er zum Zeitpunkt seines Todes offiziell infiziert war. Wer aber zu Lebzeiten nicht positiv getestet worden ist, taucht nach seinem Tod auch in keiner Statistik auf - unabhängig davon, ob er das Virus in sich trägt oder nicht.

Diese fragwürdige Datenerfassung hat massiven Einfluss auf die Sterblichkeitsrate von COVID-19-Fällen hierzulande. Am Dienstagmittag hatte die Johns Hopkins University deutschlandweit insgesamt 650 Todesopfer erfasst. Gemessen an der Zahl der Infizierten (67.051) entspricht das einer Quote von 0,97 Prozent. Von 103 offiziell erfassten Corona-Patienten stirbt in Deutschland also gerade mal eine Person. Dieser Wert ist auffallend niedrig im internationalen Vergleich.

Weltweit kommen derzeit auf einen Toten im Schnitt 21 Corona-Infizierte. Das ist eine fünfmal so hohe Sterblichkeitsrate. Wenn man allein dieser mathematischen Logik folgt, müsste Deutschland bereits deutlich mehr als 2.000 Corona-Tote beklagen. Statistiker sind deshalb seit Tagen alarmiert. Sie bezweifeln, dass die hohe Abweichung auf einen länderspezifischen Verlauf der Pandemie zurückzuführen ist und monieren einen schweren methodischen Erhebungsfehler auf deutscher Seite. Einen, der das wahre Ausmaß der Corona-Krise erheblich verzerrt - etwa dadurch, dass Verstorbene bei Tests erst gar nicht berücksichtigt werden.

Auffällig ist: Länder, die Tote konsequent auf Corona testen, verzeichnen wesentlich höhere Opferzahlen. Weil positive Befunde nachträglich zu den Todesfällen hinzugezählt werden. So stirbt in Spanien knapp jeder elfte Inifzierte (Sterblichkeitsrate: neun Prozent), in Italien knapp jeder neunte (elf Prozent). Dieser Zusammenhang ist auf dieser Plattform am 20. März erstmals öffentlich gemacht worden. (Siehe Artikel: „Hat Deutschland systematisch Corona-Tote unterschlagen?“ unter http://politplag.de/)

Das Robert Koch-Institut und die Bundesregierung haben die offiziell geringen Corona-Opferzahlen hierzulande bislang vor allem auch auf effektive Testverfahren zurückgeführt. Laut Christian Drosten, Direktor des Instituts für Virologie an der Berliner Chariète, finden in Deutschland wöchentlich 500.000 Corona-Tests statt. Der Präsident des Robert Koch-Instituts, Prof. Lothar Wieler, hat im Widerspruch dazu am Dienstag (31. März) von lediglich 350.000 Tests gesprochen.

Wissenschaftler raten im Zusammenhang mit COVID-19 ausdrücklich zur Durchführung sogenannter „Post-mortaler Tests“. Dr. Elisabetta Groppelli, Virologin an der St. George's University of London, hält sie für elementar, „um ein klares und genaues Verständnis der in einer Gemeinde oder einem Land zirkulierenden Virusmenge zu erhalten“. Dadurch würden Behörden erst in die Lage versetzt werden, das Infektionsrisiko von Kontaktpersonen der Verstorbenen abzuschätzen „und zu beurteilen, ob eine Übertragung wahrscheinlich war“, sagt sie. Das ist auch eine deutliche Kritik am bisherigen Kurs des Robert Koch-Instituts, das Corona-Tests an Verstorbenen lange Zeit keine Bedeutung zugemessen hatte. Auf Anfrage der Nachrichtenagentur AFP erklärte das Institut noch vor anderthalb Wochen, „dass die Patienten diagnostiziert werden, bevor sie sterben“.

Seit Ende März findet sich auf der Seite des RKI, versteckt in den FAQs unter der Rubrik Meldewege und Meldepflichten, ein zusätzlicher Passus. Darin heißt es: “Verstorbene, die zu Lebzeiten nicht auf COVID-19 getestet worden waren, aber in Verdacht stehen, an COVID-19 gestorben zu sein, können post mortem auf das Virus untersucht werden.”

Ein bemerkenswerter Meinungsumschwung. Das Problem ist nur, dass die Gesundheitsämter davon offenbar noch nichts mitbekommen haben – und deshalb falsche Anweisungen an Ärzte weitergeben. Der Rhein-Sieg-Kreis, zu dem auch das Gesundheitsamt Siegburg zählt, erklärt auf Anfrage, er führe „keine Tests post mortem“ durch. „Wir halten uns in unserem Tun an die Empfehlungen, die das RKI ausspricht.“ Inzwischen müsste es richtig heißen: ausgesprochen hatte.

Die schlechte Abstimmung der Behörden führt im schlimmsten Fall dazu, dass behandelnde Ärzte bei verstorbenen Patienten Totenscheine mit falschen Todesursachen ausstellen. Weil sie keine Gelegenheit haben, einen möglichen Corona-Verdacht auch nachzuweisen. Die ärztliche Leiterin der MVZ Onkologie Hamburg-Jenfeld, Dr. Nona Shayegi, hält dieses Szenario für „sehr wahrscheinlich und weit verbreitet“. Sie warnt davor, die wahre Anzahl von Covid-19-Opfern in Deutschland zu verkennen, nur weil in Dokumenten pauschale Todesbefunde wie Herz- oder Lungenversagen auftauchten.

Der Bereitschaftsarzt aus NRW kennt dieses Problem aus dem Alltag. Allein in der vergangenen Woche hat er bei mehreren Patienten in Altenheimen typische Auffälligkeiten festgestellt: hohes Fieber, bis zu 39,5 Grad, Lungenentzündungen - Symptome, die auf eine Corona-Infektion schließen lassen. Weil ihm aber keine Abstriche zur Verfügung gestellt wurden und die Genehmigung des Gesundheitsamtes nicht vorlag, sind die Patienten gestorben, ohne dass ihr Arzt sie hat testen können. Auf dem Totenschein vermerkt ist die Todesursache „respiratorische Insuffizienz“: Lungenversagen. Kein Wort von Corona. Und damit kein Fall für die offizielle Statistik. Onkologin Shayegi nennt das in Deutschland praktizierte Testverfahren vor diesem Hintergrund „scheinheilig. Je weniger man testet, desto weniger Baustellen macht man auf. Dadurch sind die offiziellen Opferzahlen unbrauchbar“, sagt sie.

Wie grotesk die Situation ist, zeigt auch eine E-Mail der Leiterin des Kreisgesundheitsamtes Heinsberg an die Krankenhäuser und Mediziner ihres Einzugsgebietes. In dem Schreiben vom 23. März weist sie explizit auf eine gesetzliche Meldepflicht bei Todesopfern hin. Mit mehr als 1.000 Infizierten ist Heinsberg das Corona-Epizentrum Nordrhein-Westfalens. „Bitte melden Sie uns alle Todesfälle, die im Zusammenhang mit eine SARS-CoV-2-Infektion stehen könnten, unverzüglich […] und vermerken Sie [...] das Vorliegen bzw. den Verdacht einer Coronavirusinfektion“, heißt es.

Das Problem: Mediziner, die einen Totenschein ausstellen sollen, kommen aber erst gar nicht an einen Test für eine mögliche Corona-Diagnose. Dennoch sollen Ärztinnen und Ärzte ihren Befund in ihrer Mitteilung kenntlich machen: „Auf dem grünen nichtvertraulichen Teil der Todesbescheinigung.“ Der Hinweis erfolgt auf Vorgabe des Robert Koch-Instituts. Er soll Bestatter vor Infektionen schützen. Ob von den Verstorbenen zuvor auch eine Ansteckungsgefahr für die gesamte Bevölkerung ausging, interessiert die Behörde offenbar nicht. Um darüber Klarheit zu erlangen, müsste man die Toten testen lassen.

An der Stelle kommt aber ein ganz anderes Problem zum Tragen: Sobald Menschen in Deutschland versterben, entfällt ihr Versicherungsschutz. Das bedeutet: Würden Tote tatsächlich nachträglich auf Corona getestet werden, die Kassenärztlichen Vereinigungen kämen nicht mehr für die Kosten auf. Nach Einschätzung von Martin Porzner, Bürgermeister der bayerischen Gemeinde Ansbach, sind es im Falle der Infektionsbekämpfung die Gesundheitsämter selbst, die das zahlen müssten. So ließe sich erklären, warum die Behörden offenbar kein gesondertes Interesse haben, Verstorbene post mortem testen zu lassen.

Ein Sprecher des Gesundheitsamtes Heinsberg erklärt auf Anfrage: „Es liegt in der Entscheidung jedes einzelnen Arztes, der den Totenschein ausstellt, ob er einen postmortalen Test auf Corona für sinnvoll erachtet. Eine Empfehlung des Gesundheitsamtes gibt es dazu nicht. Dies auch vor dem Hintergrund der Testkapazitäten und der Auslastung der Labore.“

Tatsächlich beklagen dieser Tage viele Kommunen fehlenden Nachschub von Corona-Tests. Welche dramatischen Auswirkungen das haben kann, zeigt ein Schreiben der Kassenärztlichen Vereinigung Niederrhein vom 24. März an die niedergelassenen Ärzte im Kreis Wesel (NRW). Darin verkündet der Verband den mit dem zuständigen Gesundheitsamt, dem Kreis Wesel sowie der Niederlassung des Deutschen Roten Kreuzes getroffenen Entschluss, „die Testungen in allen Diagnose-/Testzentren ab sofort bis auf weiteres zu unterbrechen“. Ressourcen der Labore seien „schneller als erwartet“ aufgebraucht gewesen. Proben hätten „mangels Reagenz“ nicht mehr ausgewertet werden können. So klingt es, wenn das Gesundheitssystem an seine Grenzen stößt.

In Wesel führt das dazu, dass „ab sofort“ nur noch diejenigen Patienten auf Corona getestet werden, „die sich in stationärer Behandlung befinden“. Eine maximale Reduzierung der Testaktivitäten. So knapp sind die Kapazitäten inzwischen geworden. In Bayern beklagen viele Kommunen ähnliche Versorgungsengpässe.

Kordula Schulze-Asche, Sprecherin für Prävention und Gesundheitswirtschaft innerhalb der Grünen-Bundestagsfraktion, ist deshalb der Ansicht, alle Verstorbenen testen zu lassen, „würde zusätzliche Kapazitäten binden, die wir gerade so dringend benötigen“. Linken-Politiker Titus Schüller, Vizepräsident des Regierungsbezirks Mittelfranken, fordert dennoch eine Angleichung des deutschen Testverfahrens an die Methodik europäischer Nachbarländer. „Ohne vergleichbare Daten könnte der Eindruck entstehen, dass bei uns in Deutschland alles nicht so schlimm sei“, sagt er.

Auf diese Gefahr hat VroniPlag Wiki-Gründer Heidingsfelder den Präsidenten des Robert Koch-Instituts, Prof. Lothar Wieler, schon vor Tagen in einer persönlichen E-Mail hingewiesen. „Erlassen Sie unverzüglich die Weisung, jeden Todesfall in Deutschland genau abzuklären, damit das Ausmaß der Pandemie nicht weiter unterschätzt wird.“

Eine Reaktion Wielers steht nach wie vor aus.

20. März 2020 Wir haben beschlossen über den von uns recherchierten deutschen Totenschein-Bias zu Beginn der Corona-Krise einen eigenen Artikel zu verfassen. Die Aussagen von offizieller Seite, warum es in Deutschland weniger Tote als in anderen Ländern gibt, waren mehrfach nicht plausibel. Nach unserer Einschätzung liegt es an den begrenzten Untersuchungsmöglichkeiten bei der Leichenschau und den Vorgaben für die Totenscheine sowie den Medizinern, welche die Leichenschau durchführen müssen. Martin Heidingsfelder
"Hat Deutschland systematisch Corona-Tote unterschlagen?"

Von Hellmut Lotz, Martin Heidingsfelder

Da die Ärzte, die die Totenscheine ausstellen, nicht über einen Coronavirus Test verfügen, um zu prüfen, ob der Virus die Todesursache ist, wird in Deutschland die Anzahl der Todesopfer des Coronaviruses systematisch unterschätzt. Widersprüche mit den Daten aus anderen Ländern, die schlechte Qualität der Totenscheine und die Berichte von Ärzten aus den Coronavirus Brennpunkten in Nordrhein-Westfalen legen nahe, dass die deutschen Daten zu Todesfällen systematisch verzerrt werden. Es besteht Anlass zu der Vermutung, dass die tatsächliche Anzahl der Todesopfer höher und das wirkliche Ausmaß schlimmer ist als berichtet. Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass die Dunkelziffer um ein Mehrfaches höher ist als die von den Behörden gemeldeten Zahlen.

Anzeichen für diese Fehler ergeben sich zum Teil aus dem Vergleich internationaler Statistiken, bei denen der Anteil der Toten unter den diagnostizierten Fällen in allen anderen Ländern um ein Vielfaches höher ist als in Deutschland, die wohldokumentierten Fehler bei der Ausstellung von Totenscheinen in Deutschland und das Fehlen von post mortem Tests in einigen oder allen deutschen Bundesländern.

Die Bundesrepublik Deutschland meldete laut Johns Hopkins University bis Dienstag, dem 17. März 7.588 nachgewiesene Infektionsfälle und 17 Todesfälle seit Beginn der Coronavirus Pandemie. Bis Freitag, dem 20. März 16.920 nachgewiesene Infektionen und 44 Tote. Das entspricht einem Toten für 446 Infektionsfälle bis Mittwoch und einem Toten für 370 Infektionsfälle bis Freitag. Im Weltdurchschnitt gab es knapp 25 Infektionen pro Toten bis Mittwoch und gut 23 Tote bis Freitag. In Südkorea sind es zum Beispiel rund 110 und 92 Krankheitsfälle pro Toten, in Italien 13 und 12, in Frankreich 45 und 29 und in Spanien 29 und 22. Eine Erklärung für den niedrigen Anteil der Toten in Deutschland ist, dass in Deutschland mehr getestet wurde. Das ist sicherlich ein Faktor. Niemand weiß, wie viele Tests in Deutschland statt gefunden haben, da unzählige Labors und Behörden Eigeninitiative ergriffen haben und dezentral handeln, was die Kapazität des öffentlichen Gesundheitswesens steigert. Läge es aber ausschließlich an der höheren Anzahl der Tests und nicht an der Schwere der Pandemie und der Anzahl der Toten, dann hätte Deutschland pro Kopf 175 mal so viel wie Italien testen müssen, 36 mal so viel wie Spanien, elf mal so viel wie Frankreich und sieben mal so viel wie in Südkorea. Ein weiterer Faktor ist natürlich, dass der exponentiell wachsende Virus sich in den verschiedenen Ländern unterschiedlich weit verbreitet ist, aber selbst wenn man annimmt, dass in Frankreich die Lage drei mal schlimmer wäre als in Deutschland, dann müssten in Deutschland immer noch vier mal so viele Tests stattgefunden haben wie im Nachbarland, um das unterschiedliche Verhältnis von Toten zu Infizierten zu erklären. Solche Zahlen strapazieren die Vorstellungskraft. Neben der Anzahl der Tests und der Schwere der Pandemie ist die dritte Variable, die das Verhältnis zwischen Toten und Infizierten bestimmt.

Der Leiter des Robert Koch Instituts, Lothar Wieler erklärte heute dem 20. März in einer Pressekonferenz: „Wir stehen am Anfang einer Epidemie. Bei uns zählen als Corona-Tote, Personen bei denen eine Corona-Infektion nachgewiesen wurde.“ Der Nachweis einer Corona-Infektion erfordert allerdings die Sammlung von Beweisen. In Deutschland werden Verstorbene nicht auf Corona getestet. In Italien besteht seit dem 20. Februar die Vorschrift jeden Verstorbenen zu testen. Ein Bereitschaftsarzt aus einem Brennpunkt in Nordrhein-Westfalen, der zur Zeit täglich Todesscheine ausstellt, berichtet, dass er keine Testkits hätte, sie nicht erhalten würde und keine Abstriche vornehmen könne. Daher könne er nur deduzieren, ob jemand am Virus verstorben wäre, was nicht möglich wäre. Trotz aller relevanten Symptome, die die Pflegekraft auf Nachfrage mitteilen würde, hätte niemand die Möglichkeit in Betracht gezogen, dass der Virus den Tod herbeigeführt hätte. Weder der Leichnam noch die Pflegekräfte wären getestet worden. Leider wäre der Fall typisch. Solange Verstorbene nicht in Deutschland getestet werden, müssen wir von erheblichen Dunkelziffern ausgehen. Dementsprechend verwirren die Statistiken die Bevölkerung und die Entscheidungsträger, die seit drei Monaten verspätet die notwendigen Entschlüsse fällen. Hinzu kommen die Probleme mit den Totenscheinen, die Todesursachen dokumentieren und beurkunden sollen.

Qualität der Totenscheine ist eine berüchtigte Schwachstelle im deutschen Gesundheitssystem. Der Bonner General Anzeiger meldete 2017 eine Studie des Instituts für Rechtsmedizin der Universität Rostock bei der 10.000 Totenscheine untersucht worden sind. Lediglich 223 Totenscheine waren fehlerfrei ausgestellt. Es gab über 3.000 schwere und 3.500 leichte Fehler. In 44 Fällen wurde fälschlich eine natürliche Todesursache festgestellt. Tatsache ist also, dass die Ärzte in Deutschland nicht in der Lage sind, Todesursachen korrekt zu dokumentieren. Es ist jetzt notwendig konsequent und kompetent belastbare Daten und Beweise über den Verlauf der Pandemie zu erheben und zu veröffentlichen. Ansonsten wissen wir weder, wer, wann, wo und wie betroffen und gefährdet ist noch ob die Gegenmaßnahmen der Regierungen und Behörden wirksam sind. In Abwägung der Unsicherheiten und Unwägbarkeiten sollten Analysten und Entscheidungsträger davon ausgehen, dass die Dunkelziffern nicht nur die Anzahl der tatsächlich Infizierten sondern auch die Todesfälle betreffen. Das Problem der Pandemie ist mit Sicherheit um ein Vielfaches ernsthafter in Deutschland als die Anzahl der dokumentierten Todesfälle nahelegt.

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