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  • van Grunz

mehr als 1000 Beiträge seit 27.12.2007

Kategorische Irrtümer

Grundlegend, also prinzipiell, hat der Autor mit seinen Ausführungen Recht, zumindest, was die ersten etwa 60% seines Artikels anbelangt. Diese, leider in der heutigen, scheinbar aufgeklärten Zeit, Vorgehensweise, wenn "den Menschen" "Dinge erklärt" werden sollen, "wie sie sind", geht aber auch mit einem, allgemeinhin als "nudging" bekannten Begriff, einher:

Dass dahinter ein klassischer Kategorienfehler liegt [...], entgeht leider den meisten Kritikern der Wissenschaften und Leugner wissenschaftlicher Erkenntnisse.

Hier wird, wie so oft in der Diskussion über die ach so wissenschaftliche Klimadebatte, sich des selben Vokabulars bedient. Andersdenkende werden vorab als "Leugner" diskreditiert. Es sind nicht, wie sie im wissenschaftlichen Konsens als "Zweifler" oder "Skeptiker" sachlich korrekt zu benennen wären, "Leugner", also Verweigerer von irgend einem Umstand oder Zustand.

Vielmehr versuchen sie, ihre eigenen Wahrheiten vor der Schärfe wissenschaftlicher Skepsis zu schützen.

Wissenschaftliche Skepsis gibt es in der heutigen Zeit nicht, wenn man sie auf den Klimawandel bezieht. Diese sogenannten Erkenntnisse sind oft mit Selbstreferenzierungen künstlich, anstatt mit wissenschaftlichen Ansprüchen, Logik & Evidenz, hergestellt. Bei näherer Betrachtung und dem Einschalten des, egal ob gesunden oder ungesunden, Menschenverstandes entpuppen sich viele dieser Argumente als Leerhüllen.

Dies wird umso deutlicher, wenn man sich der Macht bewußt sich, welche von dem Titel "Wissenschaftler" ausgeht. Sie sind alleine durch ihr hohes Ansehen, welches -zu Recht- in der heutigen Zeit schwindet, in der Lage, ganze Volksmeinungen zu beeinflussen. Genau diese Form der Instrumentalisierung hat spätestens dann begonnen, als die Wissenschaft per se von den zwangsfreien politischen Fördertöpfen abgeklemmt wurde. Die sie nun stattdessen finanzierende Privatwirtschaft (man könnte es auch interessengesteuertes Sponsoring der Wissenschaft nennen) hat nur die Generierung von Profiten vor Augen; wissenschaftliche Unabhängigkeit und vor allem Zweifel stören da nur.

Dieser Mechanismus lässt sich heute besonders eindrucksvoll in der Diskussion um den Klimawandel beobachten. Die unangenehme, wissenschaftlich jedoch immer besser belegte Einsicht, dass sich unser Klima verändert, und zwar durch unser Tun, wird immer wieder angegriffen, und dies nicht mit wissenschaftlichen Argumenten, sondern aus politischem Kalkül, das die Lüge bewusst in Kauf nimmt.

Genau das ist hanebüchen.

Rund herum um den sogenannten anthropogenen Klimawandel stilisieren sich plötzlich privatwirtschaftlich orientierte Unternehmen wie die Weltbank oder Price Waterhouse Cooper zu wissenschaftlichen Instanzen auf; der Beststeller von Naomi Klein wird gar als "Bibel des anthropogenen Klimawandels" gehypet.

Ist Naomi Klein eine Wissenschaftlerin?

Nein!

Mehr noch erhebt die heutige "Klimawissenschaft" mehr Anspruch, als ihr zusteht, indem sie die Dinge nicht nur benennt, sondern auch bewertet. Sie bedient sich sogar gezielt (sic!) der Panikmache, ohne dem -vormals!- wissenschaftlichen Anspruch der Evidenz gerecht zu werden. Selbst als Laie, der sich in seiner Privatzeit diverse "wissenschaftliche" Studien vorgenommen hat, konnte ich nach wenigen Absätzen etliche Inkonsistenzen und Widersprüche problemlos aufzeigen, welche den kompletten Wahrheitsgehalt dieser "Studien" ad absurdum stellt.

Hinzu kommt auch, daß Studien, welche zuvor eine Nachrangigkeit der CO2-Konzentration zur Temperatur belegten, umgeschrieben wurden. Plötzlich wurde propagiert, daß der CO2-Gehalt direkt mit der Temperatur korrelierte oder ihr sogar voraus ging -- was vor 20 Jahren absolut haltlos und hanebüchen gewesen wäre.

Dabei wird jeder noch so kleine Widerspruch und jede minimale Abweichung zwischen wissenschaftlicher Theorie und Messung hämisch als Hinweis genommen, dass die Klimawissenschaftler doch selbst nicht wissen, was sie tun.

Das ist nicht ganz korrekt.

Die "Klimawissenschaft" weiß ganz genau, was sie da tut, nämlich Panik verbreiten.

Wenn ich als Wissenschaftler Temperaturschwankungen im "Null-Komma"-Bereich verwende, welcher gleichzeitig in der Meßtoleranz der eigenen Instrumente liegt, darf ich nicht für voll genommen werden, sollte noch ein Funken an Seriösität vorhanden sein.

Eine weitere, nicht weniger gefährliche Entwicklung ist, wenn "selbsterklärte Experten" versuchen, sich den Anspruch wissenschaftlicher Skepsis zunutze zu machen, um ihre eigenen, oft völlig abstrusen Theorien zu rechtfertigen.

Mit diesem Satz wird wunderschön erklärt, daß die "Klimawissenschaft" als Instrumentarium hergenommen wird.

Eines der Hauptinstrumentarien ist die globale Umverteilung der Gelder von "unten" nach "oben". Probates Beispiel ist das EEG in Deutschland: der Geringverdiener wird am meisten dafür zur Kasse geben, den energieintensiven Betrieben, welche zeitgleich vom EEG aus unerfindlichen Gründen befreit sind, ihren Strom günstig zu beschaffen, nicht zuletzt durch den Merit-Order-Effekt, weil der "Ökostrom", staatlich subventioniert, dafür sorgt, daß der Strompreis an der Börse sinkt. Dadurch muß die stromhungrige Aluhütte noch weniger Stromkosten berappen.

Da wimmelt es in den Kommentarzeilen wissenschaftlicher Blogs teils von Leuten, die die Relativitätstheorie widerlegt zu haben glauben oder die scheinbaren Widersprüche der Quantentheorie dazu verwenden, um das Weltbild der modernen Physik grundlegend in Grund und Boden zu verdammen, ohne dass sie auch nur annähernd die dafür notwendige physikalische Bildung besitzen.

Kleinen Moment. Hatte der Autor nicht Folgendes, recht am Anfang seines Beitrages, zu Protokoll gegeben? Schauen wir mal:

Die Erkenntnis, dass sich bisher die meisten wissenschaftlichen Theorien letzten Endes als falsch oder nur eingeschränkt richtig herausgestellt haben, hilft uns, Fehler zu akzeptieren. Es ist also nur ein scheinbarer Widerspruch: Indem wir unsere eigene Fehlerhaftigkeit erkennen und auch zulassen, machen wir insgesamt weniger Fehler in der Beschreibung der Welt als je zuvor. Dies verdanken wir der Macht des selbstkritischen Rationalismus der Wissenschaft. Dieser stellt zugleich das Fundament der Aufklärung dar.

Mit anderen Worten:
Der Autor bezeichnet den wissenschaftlichen Anspruch der Skepsis als Grundsubstanz ihrer selbst, spricht ihn aber gleichzeitig dann ab, wenn ungenehme Personen diese äußern?

Dies kann nur dem Ziel dienen, nur bestimmte Ergebnisse "wissenschaftlicher Arbeit" zuzulassen. Damit ist der Beweis erbracht, daß der Autor interessengesteuert ist, denn sonst hätte er allgemeine Fragen gestellt und deren Beantwortung offen, respektive dem Leser überlassen, anstatt sie gleich im Anschluß mitzuliefern:

Ja, die Wissenschaft ist offen und lebt vom Zweifel und der Skepsis. Aber sie ist eben auch messerscharf in ihrer Ablehnung von Unsinn und rechthaberischem Wahn. Ihre Methodik erlaubt es nicht jedem, allem zu widersprechen und mit eigenen Wahrheiten aufzutreten. Vielmehr bedarf es großer intellektueller Disziplin, sich auf ihre kritische Methode einzulassen und sich dem so fruchtbaren wie scharfen Diskurs auf dem Weg zur Wahrheit zu stellen. Das ist nicht jedermanns Sache, und so gerät die Wissenschaft eben leider auch hier schnell in den Verruf, ihre "eigenen" (d.h. falschen) Wahrheiten zu haben.

Diese "Methodik" mit ihren "Disziplinen" ist ein Euphemismus für ein starres Konstrukt, welches abweichende Meinungen nur sehr schwer, wenn überhaupt, zuläßt. Von der allgemeingültigen (sic!) Meinung abweichende Wissenschaftler werden von lukrativen Posten abgeklemmt. Unabhängigkeit geht anders.

Ist die Wissenschaft nun "offen" und "lebt von [...] der Skepsis", oder lehnt sie "Unsinn" ab, den sie selbst definieren darf? Damit hat man ein Spiel mit eigenen Regeln geschaffen, das Außenstehende niemals gewinnen können. Genau das ist aber das glatte Gegenteil von Wissenschaft. Ihr Auftrag war es (bis heute!), den Menschen ohne spezielle Bildung die Dinge in der Welt so zu erklären, wie sie sind -- und auch so zu erklären, auf daß sie es verstehen. Sie in die Ecke der "Dummen" und "Unwissenden" zu stellen, entbehrt jeder wissenschaftlichen Grundlage. Wenn jemand etwas nicht weiß, dann erklärt man es ihm.

Wer nicht erklären will, der ist arrogant und selbstsüchtig.

Denn in einem Umfeld, in dem Wissenschaft offen diskreditiert wird, ist eine Lösung der komplexen Probleme unserer heutigen Zeit nicht möglich.

Wenn die Wissenschaft an diesem Punkt angelangt ist, dann hat sie bereits im Vorfeld verdammt viele Dinge verbockt. Dieser Vertrauensverlust kann nicht mit Forderungen ausgeglichen werden, sondern mit Demut, Transparenz und vor allem dem Willen, die Umstände, welche zu dieser Fehlentwicklung geführt haben, korrigieren zu wollen.

Ist dieser Wille nicht erkennbar, so ist die Wissenschaft (zumindest nicht mehr auf dem Gebiet der "Klimawissenschaft") nicht mehr seriös und ist grundlegend wie auch folgerichtig als solche anzuzweifeln.

Ganz im Gegenteil: Das Prinzip von Versuch und Irrtum, intellektuelle Disziplin und Redlichkeit müssen noch viel mehr den Weg in den Alltag von uns allen finden. Auch Laien müssen so wie Wissenschaftler lernen damit zurecht zu kommen, dass es keine absoluten Wahrheiten gibt, doch sehr mächtige Wege, Unwahrheiten aufzudecken, seien sie uns noch so angenehm. Dass uns das gelingt, daran könnte sich nichts weniger als das Überleben unserer Art entscheiden.

Gerade dieser letzte Satz steht zu 100% im Einklang mit der allgegenwärtigen Panikmache der "Klimawissenschaft".

Übersetzt bedeutet dies:
"Wenn der Ungläubige nicht endlich anfängt konform zu denken, weil die Wissenschaft die Erhöhung eines irrelevanten Spurenelementes, das sich zudem in diesem Ökosystem selbst regelt, für fatal hält, dann ist er Schuld am Untergang der Menschheit."

Das ist der selbe dumme Spruch wie der, daß der Konsument durch sein, nur eingeschränkt mögliches, Verhalten durch Kauf von Gütern irgend etwas bewegen könnte, weil damit der Blick auf die Rahmenbedingungen verstellt wurde, welche für diese Umstände überhaupt erst verantwortlich sind. Es ist nämlich nicht der Konsument, der lenken kann, sondern die Konzernleitungen, oft multinational organisiert, wie auch die der Privatwirtschaft dienliche Politik. Damit über das Argument "Konsument" überhaupt erst eine Änderung herbeiführbar wäre, müßte man allen Konsumenten die selbe Ausgangsbasis für den Spielraum ihres Handelns gegeben sein, was spätestens mit Hartz IV verunmöglicht wurde. Eben jener Spielraum wird bewußt so klein gehalten, auf daß die Konzerne davon keine Einbußen erleben können.

Aber was will man von einem Investmentmanager (sic!) erwarten? Ich wette, daß er auf schwankende Strompreise wettet. Oder die unsinnigen CO2-Zertifikate (ich handele doch nicht mit etwas, das ich für potentiell menschheitsvernichtend halte!). Ich täte es jedenfalls so machen.

Irgendwie habe ich ein Déjà-vu, daß ich einen ähnlichen Artikel von ihm schon einmal gelesen habe, der zwar auch ähnlich verständnisvoll und anfangs logisch daher kam, dann aber mit gleichartigen Einlassungen eine undemokratische wie gesellschaftsgefährdende Richtung vorgab. Er hätte Autor in der FAZ werden sollen. Die denken nämlich auch, daß sie nur deshalb gebildet seien, weil sie eine bestimmte Zeitung lesen.

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