Avatar von firedancer
  • firedancer

mehr als 1000 Beiträge seit 26.01.2001

Der Iran soll nicht haben, sondern er hat.

"Bereits zuvor soll damaligen Geheimdienstinformationen zufolge der
Schah ein verdecktes Atomwaffenprogramm lanciert haben."

Der Iran soll nicht haben, sondern er hat. Denn der Iran hat
nachweislich über die Schweiz von den Franzosen Pläne für den Bau
einer Atombombe gekauft. Die Franzosen waren in derartigen Dingen ja
in der Vergangenheit ja leider recht großzügig. Und niemand zahlt
einen siebenstelligen Betrag aus Jux und Tollerei: Derartiges macht
man nur, wenn man durchaus einen Wert in derartigen Plänen sieht. In
wie weit der Iran heute am Bau einer solchen Bombe interessiert ist,
kann man nur durch andere Informationen beurteilen - und für diese
Zeilen nicht mein Thema. Obiger Konjunktiv ist auf Grund der Belege
jedenfalls deplatziert.

Fest steht: Es scheint nicht all zu schwer zu sein eine solche Bombe
zu bauen. Vor etwa 2 Jahrzehnten gab es mal eine Hand voll Studenten,
die das als Projekt ins Auge gefaßt hatten. Damals war die
Informationspolitik noch nicht ganz so rigide wie heute: Es gelang
ihnen m.W.n. aus öffentlich zugänglichen Informationen Pläne für
einen Prototypen zu entwickeln, der angeblich sogar funktioniert
hätte: Sie hätten nur noch das Uran gebraucht, dann hätten sie sowas
bauen können. Die Studenten wollten damit zeigen, wie einfach das
wäre. Und wenn einer Hand voll Studenten so etwas vollbringen, wird
das der Iran schon drei mal können. Und er hat auch das Material für
sowas: Uran. Ob der Iran eine Bombe baut oder nicht ist damit weniger
eine technische, sondern eigentlich ausschließlich eine politische
Entscheidung.

Wie auch im Artikel zu lesen: Das Gerede von wegen es gehe darum
einen Krieg vorzubereiten und deswegen behauptet man, der Iran würde
eine Bombe bauen, halte ich für großen Schwachsinn. Die USA können
sich keinen Krieg leisten. Und die EU will keinen Krieg, wenn sie ihn
nur irgendwie vermeiden kann. Sonst würde man die Spielchen des Iran
auch nicht mitspielen sondern wäre längst einmarschiert.
Spekulationen über den A-Bomben-Bau des Iran als "Einstimmung auf
einen Krieg" zu werten, ist daher m.M.n einfach nur Unsinn.

Wenig hilfreich ist in diesem Zusammenhang auch aus dem vermutlichen
Nicht-Bau der Bombe des Iran ableiten zu wollen, a) der Iran könne
keine Bombe bauen und b) die Einschätzungen anderer, bis wann der
Iran eine Bombe gebaut haben wird unter der Voraussetzung, er
entscheidet sich dafür. Derartige Ableitungen sind wirklich armeslig.
Konkret: Wenn die Israelis 1992 einschätzen, der Iran könnte bis 1999
die Bombe haben, und nehmen wir an der Iran hat bis heute keine Bombe
gebaut, dann läßt sich daraus in keinster Weise ableiten, dass die
Einschätzung damals falsch gewesen ist. Diese Art der Argumentation
betreibt vielleicht ein Troll, aber ein TP-Artikel sollte sich dazu
nicht versteigen.

Ich persönlich halte es für warscheinlich, dass der Iran an einer
Bombe arbeitet. Er hat Pläne gekauft, hat das Knowhow, hat das
Material, ist absichtlich unkooperativ und nutzt die daraus
entstehenden Konflikte taktisch recht klug. Und zwar außenpolitisch
wie innenpolitisch. Nachdem ich über viele Jahre nun dieses Hin- und
Her in den Medien beobachte glaube ich jedoch nicht, dass der Iran so
schnell die Bombe bauen wird. Nicht, weil er es nicht könnte, sondern
weil er nicht will. So lange er sie nicht fertig hat und niemand
nichts genaueres weiß, kann er die so entstehende Unsicherheit zu
seinem Vorteil nutzen. Es stärkt seine Verhandlungsposition auf
internationalem Parkett und innerpolitisch stärkt es die Führung im
Iran. Hat er die Bombe, so werden Länder wie Israel sich gezwungen
sehen zu agieren: Und das werden sie. In Konsequenz wird der Iran
wieder seine Fähigkeit verlieren die Bombe zu haben und es wird
vermutlich militärische Auseinandersetzungen geben. Ob der Iran aus
so einem Konflikt gestärkt hervor gehen wird, darf stark bezweifelt
werden: Er hat die gesamte internationale Gemeinschaft gegen sich.
Als Schutz taugt sie eh nichts: Setzt er sie ein, löst er einen
internationalen Krieg aus, bei dem er die halbe Welt gegen sich hat.
Setzt er sie nicht ein, wird man sie ihm abnehmen: Die Israelis
scheinen da nicht sonderlich zimperlich zu sein, zumal sie
Rückendeckung von den USA haben. Agiert der Iran aber so, dass er an
dieser Schwelle bleibt, also die tatsächiche Realisierung der Bombe
in greifbarer Nähe bleibt, so hat er deutliche Vorteile. Das für den
Iran klügste wäre also, sich auch weiterhin auf dieser Schwelle zu
halten. Und so lange er auf dieser bleibt UND den Bogen nicht
überspannt, wird er auch genauso weitermachen können wie bisher. Ganz
ohne Krieg.

Bewerten
- +
Anzeige