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  • rat-gott

938 Beiträge seit 04.06.2004

Lieber Herr Meggle,

nun sagen Sie doch ganz einfach klar und deutlich, was Sie an der israelischen Politik stört bzw. welche Zustände Sie anprangern, ohne einzelne Leute oder ein ganzes Volk wegen ihrer Religionszugehörigkeit zu verunglimpfen, und dann war es das.

Anstatt immer wieder um den heißen Brei herumzuschwurbeln und so zu tun, als dürfe man etwas nicht sagen. Und damit denjenigen in die Hände zu spielen, die immer wieder behaupten, man dürfe in Deutschland nichts mehr sagen, oder man werde etwas bestimmtes ja doch noch sagen dürfen.

Natürlich dürfen Sie sagen, dass Sie es ausgesprochen nachteilig finden, dass Siedler aus Israel im Westjordanland (nach israelischem wie internationalem Recht) illegale Siedlungen bauen. Natürlich dürfen Sie sagen, dass die Aneignung von Siedlungsland und die Enteignung der bisherigen Bewohner in der Nachkriegszeit nur Leid brachte. Klar darf man sagen, dass es internationale Konflikte gibt zwischen muslimischen und jüdischen Menschen, also Religionsfeindlichkeiten.

Alles das könnte man auch über Christen, Muslime, Buddhisten, Hinduisten oder Evolutionäre sagen. Man muss die Religion ja nicht in den Vordrgrund stellen. Ich würde nie sagen, WASPs hätten den Schiiten Soleimani hingerichtet oder Schiiten hätten es speziell auf WASPs abgesehen.

Vielleicht hilft das da weiter:

DI:

I(X,f,A) : = T(X,f) ∧ P(X,A) ∧ G(X,A) ≡ T(X,f))

X beabsichtigt damit, daß er (zu t) Antisemitismuskonzepte ablehnt, zu erreichen, daß Antisemitismuskonzepte überdacht werden

gdw.

(i) X (zu t) Antisemitismuskonzepte ablehnt,
(ii) X (zu t) will, daß Antisemitismuskonzepte überdacht werden, und
(iii)X (zu t) glaubt, daß Antisemitismuskonzepte dann und nur dann überdacht werden, wenn er (zu t) Antisemitismuskonzepte ablehnt.

Hört sich banal an, hat es aber in sich. Denn es geht im praktischen Verhalten darum, dass Antisemitismuskonzepte abgelehnt werden, auch wenn die Intention auf ein Überdenken bestehender Antisemitismuskonzepte geht.

Das ist genau die rechtsradikale, antisemische Differenz: zwischen der vorgeblichen edlen Intention, die eigentlich ein schönes, würdevolles, tolles, bereicherndes, aufgeklärtes, nichtdiskriminatives Miteinander anstrebt - und der praktischen Ablehnung der bisher bestehenden Grundsätze eines solchen Miteinanders.

Ihre Artikel beruhen übrigens alle auf Ehrlichkeit der Handlungsmotive im Handeln. Der Fall, dass einer prinzipiell lügt, und das tun Antisemiten wie jeder Diskriminierer, der harmlos darauf hinweist, man werde ja noch was sagen dürfen, existiert bei Ihnen nicht, und das macht Ihre Logik weltfremd.

Sie spielen diesen leuten damit in die Hände.

Klar, kann man bisherige Antisemitismuskonzepte ablehnen. Logisch. Aber man sollte attraktive Gegenkonzepte vorweisen können. Das erreicht man, indem man Meinungsführerschaft übernimmt und nicht herumtheoretisiert.

Noch einmal: sagen Sie klar und deutlich, was Sie an der israelischen Politik stört bzw. welche Zustände Sie anprangern, ohne einzelne Leute oder ein ganzes Volk wegen ihrer Religionszugehörigkeit zu verunglimpfen, das reicht.

Als praktischer Philosoph Meinungsführerschaft durch bloßes analytisches Denken zu erreichen, das geht nicht auf, schon bei Sokrates nicht, tut mir leid.

Das Posting wurde vom Benutzer editiert (20.01.2020 10:32).

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