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  • hgeiss

477 Beiträge seit 06.08.2014

Immer erst vor der eigen Tür kehren

Der hier im Forum verbreitete Ansatz „Mammi, der hat aber auch...!“ kommt bei solchen Themen so sicher wie das Amen in der Kirche. Doch sollte wir dabei schon noch ein wenig auf die Dimensionen achten.
"Die Vereinigten Staaten von Amerika haben in 231 Jahren seit ihrer Gründung, insgesamt 219 mal selbst Krieg geführt, militärisch interveniert oder waren in kriegsähnliche Handlungen verwickelt, beispielsweise über eine Geheimdienstbeteiligung an Terroranschlägen, Putsch- und Umsturzversuchen auf dem Territorium eines anderen Staates. Dabei wurde die USA kein einziges Mal selbst angegriffen." (Quelle Anonymus)

Ich habe diese Aussage und eine genaue Auflistung der US-Kriege im WWW gefunden, stelle sie in den Raum und kann in Ermangelung eigenen Wissens den Wahrheitsgehalt nicht im Einzelnen überprüfen. Ich gehe auch davon aus, dass hier auch etliche Konflikte mit umstrittenen Schuldzuweisungen aufgelistet wurden. Aber selbst wenn die Hälfte der aufgeführten Kriege nicht eindeutig zuzuordnen sein sollten, bleibt immer noch genug, um damit auf ein überaus aggressives, imperiales Regime schließen zu können, das für seine Wirtschaftsinteressen über Leichen geht. Dabei sollte ausgerechnet dieses Land aus eigener Erfahrung wissen, was Kolonialismus bedeutet, hat es sich doch in blutigen Kämpfen von der britischen Knechtschaft befreit.

Die Provokation mit dem südkoreanischen Verkehrsflugzeug, die hier im Bericht beschrieben wird, ist einfach nur passendes Puzzleteilchen im Gesamtbild: Gegner werden solange provoziert, bis sie Fehler machen. Dann wird das propagandistisch ausgeschlachtet oder als Auslöser für einen Krieg verwendet.

Das Argument: "Die Russen, oder die "Wer-immer-auch“ sind doch dieselben Verbrecher!" mag durchaus im Einzelfall seine Berechtigung haben. Aber es ist eine beliebte Methode - schon im Kindergarten - von sich abzulenken, in dem man auf andere zeigt. Finten und Provokationen sind seit jeher Teil der Kriegsführung und wer hier bei Staaten Bedauern oder Ehrlichkeit erwartet, der träumt. Dass wir uns aber diese Lügen widerspruchslos einreden lassen und immer nur auf andere deuten und die offensichtlichen Unwahrheiten vielleicht sogar nachplappern, disqualifiziert jeden der das tut. Denn jeder denkende und verantwortungsvolle Mensch sollte erst einmal im eigenen Revier, vor der eigenen Tür kehren. Und da wir seit 70 Jahren Teil des amerikanischen Imperium sind, kehren wir halt bei uns. Vielleicht hilft es uns dabei uns an die alliierten Vorwürfe gegen die deutsche Bevölkerung zu erinnern, die für die Verbrechen ihrer Führer verantwortlich gemacht wurden. Das sollte uns Warnung und Lehre sein und dazu führen, mit dem Besen nicht zu zögerlich umzugehen und uns wenigstens verbal zu distanzieren.

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