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  • technikfan

356 Beiträge seit 07.05.2004

Reduzierung von Autoverkehr: Öffis verbessern

Im letzten Satz heißt es:

"Wenn Städte den Verkehr reduzieren wollen, wäre danach das erste
Mittel, den Parkraum zu reduzieren und das Parken teurer zu machen. "

Ich sage:

Das beste Mittel wäre, die Öffentlichen Verkehrsmittel zu verbessern.
Und zwar so weit zu verbessern, dass sie überhaupt erst zu einer
ernstzunehmenden Alternative werden.

Begründung:

Ich wohne im Außenbereich einer Stadt mit über 600.000 Einwohnern.
Glücklicherweise muss ich _nicht_ zur Arbeit pendeln, ich habe mir
den Wohnort nach "Nähe zum Arbeitsplatz" ausgesucht. Damit bin ich
nicht unbedingt der typische tägliche Berufs-Pendler. In die Stadt
fahre ich hauptsächlich zum Einkaufen nicht-alltäglicher Sachen und
natürlich zum Besuchen kultureller Veranstaltungen und zur Teilnahme
am Partyleben.

Und genau für das Wochenend-Partyleben sind die Öffis bei uns fast
unbrauchbar.
Durchgehenden Betrieb gibt es erst seit wenigen Jahren und das auch
nur am Wochenende - allerdings mit Taktzeiten von einer Stunde und
manche Verbindungen machen immer noch von 1 bis 6 Uhr Nachtpause.
Jetzt liegt mein Stamm-Club ebenfalls im Außenbereich, aber nicht auf
meiner Seite der Stadt, d.h. ich muss sie ein Stück weit umrunden.
Mit dem Auto brauche ich ca. 25 min. pro Strecke. Mit den Öffis
dauert der Hinweg schon mal 45 min. und der Rückweg 1:35 Std.
Fahrtzeit plus 15 min. Fußweg. Wegen der Nachtpause wäre auf der
Rückfahrt ein Umweg übers Zentrum mit mehrfachem Umsteigen und
Wartezeiten notwendig. Dazu kommt, dass der Fußweg zum Bahnhof
durchgeschwitzt erfolgen würde. Wenn ich aber "Feierabend" mache,
möchte ich in Normalfall schnellstmöglichst nach hause. Und ich habe
immer frische Klamotten im Auto liegen. Die nehme ich dann noch
schnell mit rein und ziehe mich auf dem Klo um. Die Türsteher kenen
mich schon. :-)
Die Zeit in der Bahn wäre komplett tot. Ich könnte auch keine c't
oder ein Tablet (geschweige denn meine Wechsel-Klamotten) mitnehmen,
weil ich nicht sicher sein kann, dass im Club oder am Bahnhof noch
ein Schließfach frei ist. Und den Kram den ganzen Abend mit mir
rumschleppen kommt nicht in Frage.

Aber auch mit dem Berufsweg habe ich schon Erfahrungen gesammelt. Ich
habe eine Zeit lang extern gearbeitet und musste dazu quer durch die
Stadt. Ich habe geprüft, ob es mit der Bahn praktischer wäre. Und das
war es nicht. Mit dem Auto (wenn man die Hauptverkehrszeit meidet und
erst kurz nach 9 Uhr losfährt) brauchte ich 45 min., manchmal gab es
dann doch Stau (wenn dann auf dem Heiweg) und es hat auch mal 1:30
gedauert. Kam aber eher selten vor. Mit der Bahn waren es immer 1:05.
Macht in 95% der Arbeitstage ein Verlust von 40 min. Die vermeidbar
wären, wenn die Verbindungen besser aufeinander abgestimmt wären.
A propos aufeinander abgestimmt: Von jemandem, der immer wieder mal
mit der Bahn dorthin fahren musste, weil seine Frau das Auto
brauchte, wusste ich, dass an 2/3 der Tage noch zusätzliche Wartezeit
dazukommt, weil genau die Bahn, die am Arbeitsort abfährt, oft
Verspätung hat und deshalb der Anschluss nicht mehr klappt. Und in
dieser Stadt liegen halt auch tagsüber die Taktzeiten bei 20 min. Und
wenn man den Anschluss knapp verpasst hat, kommen die dann fast voll
zum Tragen.

Also wenn man den Autoverkehr reduzieren möchte, muss man die Öffis
deutlich verbessern.

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