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250 Beiträge seit 05.07.2013

Der Kapitalismus setzt eine hoch entwickelte Staatsgewalt voraus

Das ist die unbequeme Wahrheit, die sog "Libertäre", also
Anarcho-Kapitalisten, Neofeudalisten und Propertarianer gerne
verdrängen.

Zur gewaltsamen Durchsetzung des Kapitalismus mittels der
Staatsgewalt siehe: http://www.mlwerke.de/me/me23/me23_741.htm

Dazu auch: "The Invention of Capitalism" von Michael Perelman

Den feuchten Traum der Anhänger der Österreichischen Ökonomiereligion
vom "freien" Markt ohne Staatseingriffe kann es nicht geben.
Kapitalismus impliziert immer die gewaltsame Durchsetzung der
Eigentumsverhältnisse, in denen die Massen im Elend gehalten werden,
damit sie fürs Kapital arbeiten, sich von ihm ausbeuten lassen. Wären
Arbeiter selbst im Besitz der Produktionsmittel, würden sie sich wohl
kaum in der Lohnsklaverei verheizen lassen. Dazu bedarf es schon
roher Gewalt.

Aber auch den anderen, "sozialen", Aspekt des Staates verkennen die
"Libertären" völlig. Sie halten jeden Transfer an die Besitzlosen (ob
als Sozialhilfe, Arbeitslosen-, Kranken- oder Rentenversicherung) für
einen Anschlag auf die Eigentümer, der in einem Kapitalismus der
"freien" Märkte ausgeschlossen wäre. Dabei sind es die Kapitalisten –
genauer: der ideelle Gesamtkapitalist –, die am meisten von solchen
Transfers, die auch nur Transfers innerhalb der Klasse der
Ausgebeuteten sind, profitieren. Würden Arbeiter nicht vom Staat am
Leben gehalten, so würde den Kapitalisten ihr Menschenmaterial
wegsterben und sie könnten niemanden mehr ausbeuten. Damit der große
Reichtumstransfer an die Kapitalisten am Laufen gehalten wird,
braucht es ein kleines Almosen an die Habenichtse. Der Sklave muss
essen, damit er arbeiten kann. Das haben die heutigen "Libertären"
nicht begriffen. Darum sind sie Anhänger eines Minimalstaates, der
schon vor Jahrhunderten demonstriert hat, dass er die kapitalistische
Produktionsweise nicht aufrechterhalten kann.

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