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  • freudhammer

680 Beiträge seit 14.12.2014

Wort zum Sonntag

Die Kirche ist tot und doch fällt sie (noch) nicht auseinander, denn ihre Steine sind mit einem besonders haltbaren Mörtel zusammengeklebt: Weihnachten, Ostern, uralte Feste aus vorchristlicher Zeit, die man nicht aufgeben will und denen sich die Kirche bemächtigt hat. Feiertage – was soll ohne sie geschehen, der Raubtierkapitalismus würde die gerne ersatzlos streichen… So darf die Kirche weiter tun, als hätte sie die bunten Ostereier erfunden und das Weihnachtsfest zur Zeit der Tag- und Nachgleiche, der Urgrund für jedes Feiern, wenn die Tage wieder anwachsen und die finstere Nacht ein wenig weicht. Dann das eintrainierte Zeremoniell zu allen Familienfesten, die konditionierten Prozedere, etwa die Säuglingstaufe, die immer füher anschließende Dressur in Kindergarten und Schule. Wie viel Gehirnwäsche muss ein Mensch schon intus haben, dass er die dreiste Lüge „der Tod sei das Tor zum Leben“ erträgt, ohne sich zu übergeben? Und überhaupt: die Phrase vom ewigen Leben! Der Dümmste sollte erkennen, dass dies die schlimmste aller nur möglicher Drohungen ist: ewig leben – ein Albtraum. Nicht nur die Vorstellung all die Schnösel und Gauner wieder zu treffen und dereinst neben ihnen auf einer Wolke die Beine baumeln zu lassen und Hosianna zu singen. Und das eine Ewigkeit! Horror hoch unendlich! Nein, lasst uns diese verrückte Hoffnung mit ein wenig Verstand betrachten und – darüber lachen…
Die Männer könnten diesen Erkenntnissprung vielleicht schaffen, bei den Frauen habe ich größere Zweifel, denn sie sind die Pfeiler der Kirche, sie die frei nach Schopenhauer – ewig Kinder bleiben und die regelmäßige Messe brauchen um frommes Theater zu spielen und den anderen Frauen die neuen Kleider vorzuführen und natürlich der männlichen Triebhaftigkeit fromme Grenzen zu setzen. Gottesfurcht ("nichts Genaues weiß man nicht"), war immer ein bewährtes Disziplinierungsinstrument für Kinder und allzugeile Partner. Wann ward ihr zuletzt beim Rosenkranzbeten auf dem Dorf am Vorabend einer Beerdigung? Oder auf einer Walfahrt, wenn sich die Verzückten murmelnd durch die Landschaft bewegen?

Der Hauptwiderspruch in der Kirche ist, dass man an Festtagen die überwiegend freundliche Bergpredigt hervor holt und dabei doch bis zur Halskrause im bluttriefenden, rassistischen Alten Testament steckt. Solange das AT nicht über Bord fliegt, solange ist das ganze Christentum nur eine Mogelpackung.

Was hat Rom nicht alles verbrochen, ja, gibt es etwas, was es nicht verbrochen hat? Der Ablasshandel war ja eine üble Gaunerei, aber die Ketzer- und Hexenverbrennung durch die Inquisition war Massenmord in Verbindung mit systematischem Raub, denn die Güter der Verurteilten fielen an die Kirche. Die Sklaverei hat die Päpste so wenig gestört wie die Angehörigen von Gottes ausgewähltem Volk. Massenmord und Eroberung ebenso wenig, solange es die Schatzkammern füllte. Trotzdem gehen die Pfarrer betteln um armen Afrikanerkindern zu helfen, bzw. sie mit Nahrung in die Kirche zu locken. Dabei ist der Vatikan eine Plutokratie für sich, von ihrem Reichtum gibt sie aber nichts ab, lässt ihr Personal in Deutschland vom Steuerzahler bezahlen, finanziert den Betrieb der kirchlichen Einrichtungen und den Gebäudeunterhalt vom Fiskus.

Eine Erklärung dafür, dass alles reibungslos funktioniert, liegt wohl auf der sexuellen Ebene. Durch den naturwidrigen Zölibat schuf man eine Auslese an jungen Männern, die entweder schwul waren oder mit ihrer Sexualität auf die ein oder andere Art nicht zurechtkamen. Da die Homosexualität aber gleichzeitig strafbewehrt war und sich bestens zur Disziplinierung oder Erpressung eignete, wurden die Praktiken des Geldsammelns weitgehend nicht hinterfragt, zumal man damit selber ein gutes Auskommen hatte. Heute wissen wir, dass sich viele Geistliche ein sexuelles Ventil geschaffen haben, mit dem sie Abhängige missbrauchten, Zöglinge, Nonnen. Und dann kommt Herr Ratzinger daher und deutet auf die 68. Generation, die schuld habe, an den sexuellen Auswüchsen. Da ich ihm eine absichtliche Lüge nicht zutraue, zeigt sich wohl chronischer Realitätsverlust.

Das Posting wurde vom Benutzer editiert (20.04.2019 19:45).

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