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  • Backgroundnoise

420 Beiträge seit 19.08.2008

Enttäuschende journalistische Leistung

In diesem "Artikel" befinden sich grobe Fehler.

Kleinere wurden bereits angesprochen, wie z.B. der verzeiliche
Verschreiber "Bohr". Es geht natürlich um Bor (B).

Das nächste ist, dass im TP-Artikel eine Absenkung des pH-Wertes um
0.3 mit einer um 10% verbesserten Schallleitung einherginge.

Das ist Falsch. 

Auf der im Text verlinkten Seite des MBARI steht, dass man vermutet,
dass eine erhöhte Reichweite von 10% in der Zeitspanne
vorindustrieller Zeit bis heute bereits eingetreten sei.

Die angesprochenen Modellberechnungen der Forscher ergeben laut MBARI
für eine Senkung des pHs um 0.3 eine "erhöhte Reichweite" von bis zu
70%.

Desweiteren ist im MBARI text nicht von "Lautheit" die rede und auch
nicht von einer erhöhung um 10%. 

Es ist die Rede von einer erhöhung des "Backgroundnoise"
(Hintergrundrauschen). Im Originalartikel (link an späterer Stelle)
wird hier "ambient noise level" genannt. Das ist nicht die
Lautstärke.

Es ist eigentlich klar, was hier gemeint ist. Eine
Reichweitenerhöhung um 10 % bedeutet, dass man z.B. zuvor Geräusche
aus dem Radius 10m warnehmen konnte, nun aber aus einem Radius von
11m. 

Im Original Artikel von Hester et al. 2008 im Geophysical Research
Letter wird noch genauer von einer verminderung der Akustischen
Absorption gesprochen, welche bei -0.3 pH-Absenkung maximal 40%
beträgt. "Maximal" deshalb, weil die Veränderung Frequenzabhängig ist
und bereiche bis maximal 10 kHz betrifft, also insbesondere den
Infraschallbereich unter 20 Hz, mit dem Wale kommunizieren.

Die genannten maximalen 70 % bei < 1 kHz betreffen allerdings eine
pH-Absenkung um -0.6 bei einer gleichzeitigen Erwärmung der
Umgebungstemperatur um 3 °C. (pessimistische Schätzung). Im Prinzip
ist daher schon der MBARI-Artikel irreführend.

Eine Geräuschkullisse im genannten Frequenz-Bereich muss im übrigen
nicht erst von Menschen erzeugt werden. Denn schon durch Wind- und
Wellengang wird diese erzeugt.

Aber um mal eine dB-Zahl zu nennen. Es wird im Originalartikel eine
Langzeitstudie zitiert, die eine Schalldruckpegel-Erhöhung um 9 dB im
Bereich 0.1-0.4 kHz (Point Sur, California) angibt. Von 1960 bis
2002. Deren Quelle ist unbekannt, rührt aber nicht von Wind oder
Schiffsaktivität her.

Der Originalartikel befindet sich bei URL:

http://www.agu.org/journals/gl/gl0819/2008GL034913/

Hester, K. C., E. T. Peltzer, W. J. Kirkwood, and P. G. Brewer
(2008), Unanticipated consequences of ocean acidification: A noisier
ocean at lower pH, Geophys. Res. Lett., 35, L19601,
doi:10.1029/2008GL034913.

Ich kann leider von hier aus nicht überprüfen, ob er für jeden
zugänglich ist.
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