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  • luky

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Krise der Definitionshoheit

Meiner Meinung nach können wir gerade dabei zusehen, wie die Definitionshoheit von den klassischen Massenmedien an die neuen, "sozialen" Medien übergeht. Das zeichnet sich schon länger ab, aber in letzter Zeit häufen sich die Beispiele.

Eines davon ist die gescheiterte Palastrevolution gegen Jeremy Corbyn. Trotz guter Verbindungen zu den etablierten Medien, gelang es den "Blairites" nicht, das Narrativ zu bestimmen. Corbyns Anhänger mobilisierten erfolgreich auf Facebook, Twitter usw. und wenn mich nicht alles täuscht, wird sich deren Interpretation, durchsetzen, dass nicht Corbyn das Problem sei, sondern Benn und seine Kamarilla.

Die Videos über Polizeigewalt in den USA landen vor den Darstellungen der Polizei beim Publikum und definieren immer öfter und immer deutlicher, wie über einen solchen Vorfall diskutiert wird. Wenn am Tag danach in der Zeitung steht, dass eine Beamter in Notwehr und so weiter – dann bewirkt das nichts mehr, weil die Meinungen schon gemacht sind.

Man könnte die Brexit-Kampagne nennen oder Trumps Wahlkampf, aber da sind die Grenzen zwischen den Lagern wesentlich unschärfer.

Diese Verschiebung findet auf unterschiedlichen Ebenen statt, wird noch für ordentliche Turbulenzen sorgen, und es scheint völlig offen, in welche Richtung es sich entwickeln wird. Für den Einzelnen bedeutet das mehr Auswahl an verfügbaren Meinungen und mehr Möglichkeiten, die eigene Meinung bekannt zu machen.

Auf inhaltlicher Ebene werden die Informationen immer fragmentierter präsentiert: Weg von dieser "Gesamtbetrachtung" der klassischen Medien – Kontext, unterschiedliche Meinungen und ein in sich stimmiges Narrativ, das eine möglichst breite Zielgruppe ansprechen soll – hin zu Momentaufnahmen, subjektiven Meinungen und aus dem Kontext gelösten Fakten, die erst beim Empfänger individuell kombiniert werden.

Die meisten im Artikel angesprochenen Verhaltensweisen könnten als die klassischen (Kübler-Ross, DABDA)Phasen des Umgangs mit Verlust interpretiert werden: Verdrängen, zürnen, feilschen, jammern…akzeptieren.

gruss. luky

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