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  • asasellox

mehr als 1000 Beiträge seit 27.04.2004

Das Versagen geht tiefer

Das Problem der Friedensbewegung besteht nicht darin, dass sie zu pazifistisch ist oder zu naiv an Frieden glaubt.
Ihr großes Versagen, das ihr heute jede Glaubwürdigkeit kostet, besteht darin, nie wirklich gegen jeden Krieg gewesen zu sein.

Die Friedensbewegung hat immer sehr genau unterschieden, ob sie gegen einen Krieg demonstriert oder ihn lieber ignoriert.
Während Vietnam, Doppelbeschluss oder Irakkrieg zurecht viele Menschen auf die Straße gebracht haben wurden Pragerfrühling (1968, als wegen allem demonstriert wurde!), Afghanistan oder Jugoslawien weitgehend ignoriert.
Denn der Friedensbewegung war es wichtiger, Zeichen gegen den Westen zu setzen als gegen den Krieg.
Genau deshalb kommt jetzt niemand aus der Friedensbewegung für die Ukraine auf die Straße. Ich war auf zwei Kundgebungen und die völlige Abwesenheit aller Zeichen und Repräsentanten der etablierten Friedensbewegung war schockierend. Der Gedanke gegen Russland und für westliche Ideale zu demonstrieren ist offenbar zu schmerzhaft. Schmerzhafter als der Kriegs selbst.

Die alte Friedensbewegung ist moralisch bankrott und wird sich auch nicht erholen. Wie schon hier in den Kommentaren zu sehen wird sie sich bald neu aufstellen und gegen die Aufrüstung und vermeintliche Aggressivität der Nato auf die Straße gehen.
Aber da sie es nicht geschafft hat gegen einen echten, durch und durch ungerechten Krieg zu demonstrieren wird sich kein Mensch dafür interessieren. Es bleibt Folklore einer im Gestern steckengebliebenen Generation.

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