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  • EvodurchKoop

133 Beiträge seit 09.10.2021

Hat die Umweltbewegung den Klimawandel, das Artensterben .. verhindert?

Umwelt- und Friedensbewegung haben nicht nur die Erfahrung der vollständigen Scheiterns gemeinsam, sondern auch die Ursachen des Scheiterns: Die Unfähigkeit der Industriegesellschaften mit den globalen Naturressourcen auszukommen, weil sie auf Wachstum, stetige Gewinne und deren Konzentration in den Händen weniger programmiert sind. Dafür müssen die Ökosysteme der Rohstoffgewinnung geopfert und Ressourcen, die die Länder selbst nicht haben, mittels Kriegen erobert werden.
In der Geschichte der Industrialisierung gab es wenigstens vier Phasen intensiver Aufklärung der umweltschädlichen Folgen eines ungebremsten Wirtschaftswachstums, zwei im 19. Jahrhundert mit unzähligen Umweltstudien und praktischen Initiativen aber ohne Erfolg. Die Lebensreform¬bewegung gegen Ende des 19.Jhdts. vereinigte sich mit der völkisch-rassistischen und mündete in die beiden Weltkriege. Beides Kriege um Ressourcen für ein unbegrenztes Wirtschaftswachstum.
Zwei Phasen im 20. Jhdt.:, Die erste gipfelte in den „Grenzen des Wachstums“ in den 70er Jahren und der Gründung der Grünen und die zweite, seit Rio und Kyoto unter staatlicher Hegemonie, führt die Erfolglosigkeit der außerparlamentarischen Vorgänger nun mit Staatraison, in Form einer völlig zum Scheitern verurteilten Klimaschutzpolitik auf der Grundlage von Wirtschaftswachstum, weiter.
Es gibt zwei maßgebliche Gründe, warum die Anläufe der Umweltbewegungen im Sande verliefen und auch die vierte Phase, die staatliche Klimapolitik heute weder das Klima noch die Artenvielfalt retten und die weitere Verfüllung der Meere mit jährlich 400 Mio. Tonnen Plastik (Verdoppelung bis 2040 prognostiziert) nicht verhindern wird:
1. Nationales Wirtschaftswachstum, realisiert zu einem großen Teil über globalen Handel, ist nach wie vor wichtiger als der Schutz der Ökosysteme und der Bedürfnisse weniger industrialisierter Länder und Bevölkerungen.
2. Alle Wissenschaftssektoren, insbesondere Philosophie, Geschichts- und Lebenswissen¬schaf-ten, aber auch die Sozial- und Geisteswissenschaften arbeiten voll an der konzeptionellen wie empirischen Verdrängung der umweltschädlichen Folgen des Wachstums sowie von Alternativen, zugunsten eines ungebrochenen Glaubens an den Fortschritt durch Wachs-tums und technischer Innovation – bei absoluter anthropozentrischer Selbstgerechtigkeit.
Die zentralen Methoden dieser wissenschaftlichen publik-relations für das Wachstum sind: Reduktion der Problem-Komplexität und Verkürzung der Geschichte der Problematik auf die Sachzwänge des Augenblicks.
Ähnliches passierte gegenüber den vielfachen Anläufen für einen dauerhaften Frieden, wie z.B. der Parole „Nie wieder Krieg“ nach dem 2. Weltkrieg:
Der entscheidende Dreh der Geschichtler u.a. war, die ganze Vorgeschichte des Gewähren-lassens der faschistischen Gruppierungen, von Seiten der Politik der Weimarer Zeit, bis hin zur Machtübertragung auf Hitler, auszublenden und als „Machtergreifung“ darzustellen, wo doch ganz klar war, dass die deutsche Elite fast vollständig sowohl die Eugenik wie die Rache für Versailles und die Expansionspläne befürwortete. Am Ende erschienen Ausschwitz und der 2.Weltkrieg als Machenschaft eines Verrückten. Die sozialwissenschaftliche Auf-arbeitung z.B. durch die Frankfurter Schule oder Hannah Arendt war nicht minder daneben: Sie beschuldigten das „instrumentelle Denken“ schlechthin bzw. einen „Totali-tarismus“, der komfortablerweise auch für den Stalinismus passend war und den fast schon totalitären Konformitätsdruck in Richtung verkürzter, vorgeschichts-vergessener, Erklärungen der Kriege in den Nach-Kriegs-Demokratien völlig übersah.
Die Verantwortung der Eliten selbst, die auch nachher sich mit Fehleinschätzungen über Wasser hielten, blieb immer außen vor.
Und was haben wir heute im Krieg um die Ukraine? Eine vollständige Reduktion der Komplexität der Problematik auf Putin (unter Ausklammerung der USA als weit entfernter Regisseur) und Beseitigung der Vorgeschichte, in der Europa das sympathische sozialdemo¬kratische Prinzip des „Wandels durch Annäherung“ in das Prinzip einer militärisch-territorialen Annäherung zum Zwecke der Bedrohung pervertiert haben und heute keine Verantwortung dafür übernehmen wollen. Verlogener geht nicht!
Solange die Eliten, vor allem die zahlreichen Vertreter der US-orientierten Thinktanks in Deutschland einschließlich der Transatlantiker nicht schärfer bezüglich der völligen Halt¬losig-keit und fast kriminell-verlogenen Verdrehung und Verkürzung der Tatsachen attakiert und zur Rechenschaft gezogen werden – was bei Anne Will sicher nicht passieren wird - wird nicht nur die Umweltbewegung, sondern auch die Friedensbewegung immer verlieren und am Ende sogar für Kriegsparteien demonstrieren und nicht für den Frieden.
Dass gerade die Grünen sich zur Speerspitze eines neuen Expansionismus durch Krieg entwickelt haben, resultiert wohl aus ihrer Einsicht, dass sie in einem Land, dem sämtliche stofflichen Voraussetzungen für einen Klimaschutz mit Wirtschaftswachstum fehlen, sich diese wohl nur in Russland und China, die fast über 2/3 aller weltweit relevanten Ressourcen verfügen, holen können – kostengünstig durch Krieg. Dafür kann man schon mal vergessen, dass man die europäische „Friedensarchitektur“ nach 1989 mit der Bombardierung Jugosla-wiens selbst beendet hatte.
Die Alternative wäre: Beendigung des Wachstums der Gewinne und des Reichtums der Oligarchen hierzulande, damit man mit weniger Stoffverbrauch, aber mehr Wohlfahrt für alle, zurechtkommt und keine Aufrüstung für neue expansionistische Abenteuer benötigt.

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