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  • mind.dispersal

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Nicht nur von der rechten, die ein irgendwie beflecktes, völkisches Kontinuum reinwaschen möchte (Ob nun von einem Vogelschiss oder was auch immer), sondern auch von Schlawinern, wie Steinmeier, welche das Geschehen mystifizieren und oft auch von Linken, die auf negative Weise völkisch denken, d. h., wenn es um die NS-Verbrechen geht, dann gibt es plötzlich auch wieder "Die Deutschen" als völkisches, schuldiges Kollektiv.

Ich kann nur den Erlebnisbericht des Psychiaters und ehemaligen KZ-Insassen Viktor Frankl empfehlen, da er die menschliche Dimension der Shoah greifbar macht. Wenn neben der grausamen Tötungsmaschinerie in Auschwitz, KZ-Wärter plötzlich wieder zu Menschen werden, die Häftlingen helfen und denen bei der Befreiung als Dank von Insassen geholfen wird; wenn jüdische Insassen, die als Vorarbeiter eingesetzt !manchmal! grausamer waren als mancher Naziaufseher, weil sie vielleicht auch hofften, das ganze so zu überleben, dann werden viele Dinge klarer.

Auch die psychologischen Berichte von Arno Grün (Der Fremde in Uns, Wahnsinn der Normalität) darüber, wie Menschen so etwas tun konnten und wie die "industrielle" und rationalisierte Vorgehensweise dabei halft, sich emotional davon zu distanzieren, bringt einem manches näher.

Es wird nichts relativiert, der Schrecken kommt näher, weil die menschliche Dimension da ist. Aber das wenig greifbare "totale Böse" und mystifizierte, Unvorstellbare verschwindet und durch die Einsicht ersetzt: Ja, so waren und sind Menschen. Aber nicht alle.

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