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  • wplinge

mehr als 1000 Beiträge seit 14.11.2011

Re: Was stört sie am meisten an Interviewpartnern wie Frau Maier?

Danke!

Auch wenn sie diesen Post/dieses Forum nie lesen wird.

Beim Lesen des Interviews kam ziemlich deutlich rüber, dass sie sich
offensichtlich nach einer Art "Arbeiter- und Künstlerviertel" sehnt,
in dem "normale" Menschen wohnen. Und als Begründung führt sie an,
dass die Kinder ja auch verschiedene Lebensentwürfe kennen lernen
müssen.

Das ganze Interview liest sich wie ein einziges: "Die heutige Jugend
wird viel zu sehr verwöhnt. Damals als wir noch im Künstlerviertel
wohnten ('und fast nackt im Schnee fünf Kilometer zur Schule gehen
mussten' - hätte ich beinahe gesagt) ..."

1. Andere Lebensentwürfe sind nicht automatisch besser. Und ich kann
gut verstehen, wenn junge Familien nicht unbedingt in einem Altbau
wohnen wollen, in dem Studenten jede Woche bis morgens um fünf
feiern.

2. Es ist nichts besser in Stadtvierteln mit "gemischten"
Lebensentwürfen. Jeder ist auf seine Art spießig, in dem Sinne, dass
er sein Eigentum immer mit dem Risiko abwägt es zu verlieren. Aus
eigener Erfahrung weiß ich, dass z.B. Studenten sehr oft einfach den
"spießigen" Lebensentwurf ihrer Eltern zu kopieren versuchen. Und das
ist ganz verständlich, denn es war ja offensichtlich ein
erfolgreicher Entwurf.

3. Sie macht den Eltern anscheinend tatsächlich den Vorwurf, bei
ihren Einkäufen auf Qualität zu achten? Das es nicht unbedingt das
Steak aus der Massentierhaltung sein soll, oder das es auch mit
weniger Autoverkehr geht? Und macht sie den Eltern tatsächlich den
Vorwurf, dass sich die soziale Infrastruktur (Läden, Restaurants,
Angebote), der offensichtlichen Nachfrage anpasst? Fühlt sie sich
dadurch vielleicht belästigt?

Ich glaube, alle Eltern würden ihren Kindern ausschließlich das Beste
des Guten geben. Wie kann man etwas anderes auch nur erwarten? Und
wenn diese Familien es sich leisten können, ihre Kindererziehung mit
etwas sozialen und ökologischem Engagement zu verbinden ist es doch
schön. Ökologisches Engagement heißt eben nicht nur sich an
irgendwelche Ölplattformen zu ketten (oder entsprechende Bilder zu
malen), sondern auch eben auch ganz konkret mit der täglichen
Kaufentscheidung Einfluss zu nehmen. 

Die Frau scheint mir selbst in einem äußerst spießigem Weltbild
gefangen zu sein, wo alles was sie selbst ablehnt automatisch unter
"schlecht" einsortiert wird. Wenn sie sich gegen die zunehmende
Gentrifizierung auspricht, sollte sie sich vielleicht eher eine
bessere Vermögensverteilung auf ihre Agenda schreiben,  als den
Eltern, die es sich leisten können, Vorwürfe zu machen, sie würden
ihre Kinder zu sehr verwöhnen.

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