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  • Crest_

mehr als 1000 Beiträge seit 02.09.2003

Es gibt nichts zu feiern!

Stell Dir vor, es ist Feiertag und es gibt kaum einen Grund zu
feiern...
Sicherlich ist es schön, das die besser Begüterten jetzt frei reisen
können und nicht mehr über 10 Jahre auf die heiß ersehnte
Blechkarosse warten müssen. Aber was hat die Wiedervereinigung
(Einverleibung der DDR wäre wohl richtiger) dem kleinen Mann
gebracht? Außer dem Umstand, seine Meinung nun weitgehend unbehelligt
(meist aber auch unbeachtet) äußern zu können, doch recht wenig. Die
Westkonzerne haben nach der Wiedervereinigung den Osten
ausgeschlachtet wie ein Bastler ein altes Gerät auf der Suche nach
noch verwertbarem. Die staatliche Form der Ausschlachtung nannte sich
Treuhandanstalt und hat in der Tat ganze Arbeit in Sachen
Arbeitsplatzvernichtung und Kapitalverschiebung geleistet. Was nicht
gebraucht wurde, kam auf den Müll oder man ließ es einfach vor sich
hin verrotten. Unbenötigte 'Human ressources' hat man in den
Amtsstuben von Arbeits- und Sozialämtern abgeladen, wo man diese am
Gängelband führt und nach Gutdünken mit ein paar Euro abspeist. Wer
als 'Ossi' den Weg in den Westen (oft nach Bayern) gewagt hat, wird
dort nicht selten wie ein Exot behandelt oder bekommt gleich offene
Ablehnung zu spüren, wenn man sich nicht den kulturellen
Gepflogenheiten der Einwohner anpaßt.

Die Konzerne haben sich seit der Wiedervereinigung die Taschen
gefüllt wie nie zuvor. Allein der Konsum-Nachholbedarf hat Unmengen
an Geld in die Kassen gespült. Währenddessen werden die Sozialsysteme
konsequent geschleift und wenn die 'Bild' irgendwo einen
vermeintlichen Sozialschmarotzer sieht, werden auch ganz schnell
entsprechende Gesetzänderungen in die Wege geleitet (wie hat es
Volker Pispers so schön formuliert: Deutsche Sozialhilfe gibt es nur
unter deutschen Brücken). Die Existenz der DDR bzw. des Ostblocks
hatte ganz eindeutig auch eine sozialisierende Wirkung im Westen,
sollte doch schließlich ein Bild des wohlhabenden Normalbürgers mit
allen Freiheiten in den Osten vermittelt werden. Da paßten
Massenarbeitslosigkeit und soziale Verelendung natürlich nicht ins
Bild. Heute dagegen ist es egal, da man ja immer noch auf genug
Länder verweisen kann, in denen es den Leuten noch viel schlechter
geht. Und weil die Medien den Trend erkannt haben, werden nach der
jahrlangen generellen Verteufelung der DDR als Unrechtsstaat jetzt
auf einmal die schönen oder auch einfach nur heimeligen Seiten
betont. Die soziale Sicherheit, die es dort gab, wird aber nachwievor
weitgehend totgeschwiegen. Stattdessen präsentiert man uns jene
Leute, denen es auch schon seinerzeit materiell besser ging als dem
Durchschnittsbürger und die zumeist wohl auch recht frei reisen
konnten.

Nicht zuletzt sind eine Reihe von SED-Bonzen nach der Wende die
Treppe nach oben gefallen wie zuvor diverse Alt-Nazis im
Westdeutschland der Gründerjahre (die Ehrung von Filbinger vor kurzem
spricht da ja auch für sich).

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