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  • klausgh

659 Beiträge seit 23.04.2008

Mythen oder Tatsachen - die ARD zu MH 17

Gerade endete die "Spurensuche" der ARD in Sachen MH 17.

Die Macher liefern ein spannendes Beispiel dafür, wie man mit einem
Konglomerat aus selektierten Informationen, scheinbar objektiven
Fragestellungen, Andeutungen und einem "so hätte es gewesen sein
können" eine virtuelle Realität erschaffen kann.

Wenn man den Film betrachtet, wundert es nicht, dass es so lange bis
zu seiner Veröffentlichung brauchte. Es ist offensichtlich doch
ziemlich schwierig, die Ereignisse im Zusammenhang mit dem Absturz
von MH 17 zu einem Narrativ zu verdichten, das die moralische
Integrität des Westens - inklusive seiner neuen ukrainischen
(rechten) Freunde - vor kritischen Rückfragen bewahrt und sauber in
das Welterklärungsschema einpasst.

Der Autor zeigt sich aber dieser diffizilen Aufgabe gewachsen und
lässt keinen Zweifel daran, dass die moralische Schuld der
"westlichen Regierungen" im Wesentlichen letztlich darin besteht, aus
- außenpolitischen Gründen - die eigentliche Schuld Russlands zu
vernebeln.

Eine wahrhaft steile These! Sie dürfte sich für die Autoren dieses
Machwerks auszahlen. Angesichts dieses ambitionierten Stückes
transatlantischer Propaganda scheint allerdings der Sendeplatz etwas
ungewöhnlich. aber vielleicht waren sich ja die Verantwortlichen bei
den ÖR-Sinnerklärern nicht ganz so sicher, dass dieses Adversiment
auch reüssiert.

Zum propagandistischen Handwerk nur so viel:

- Hier ist Menschen Schreckliches geschehen - daran knüpft eine
Reportage an. Dies enthebt sie - ein angenehmer Nebeneffekt -
moralisch der Nachfrage. Der Journalist, der dies immer wieder
einflicht, ist offenbar auf der Seite der Opfer - und damit auf der
richtigen Seite.

- Gleich zu Beginn werden die Fragen er russischen
Luftraumüberwachung auf die Story von einem bestimmten ukrainischen
SU-25 Piloten reduziert, welcher dann der ARD gegenüber (zu unser
aller Verwunderung) auf einen anderen Einsatz verweist (als ob
Kriegseinsätze gegen die Bevölkerung von Städten im eigenen Land
völlig in Ordnung wären - eine Nachfrage gibt es selbstverständlich
nicht).

- Dann endlich kommt das "Rechercheteam" (der Name 'bellingcat' wird
nur in einigen Untertiteln erwähnt) zu Ehren. Anders als in Bezug auf
die (überprüfbaren) Daten der russischen Luftraumüberwachung, gibt es
hier natürlich keine Rückfragen. Für den unvoreingenommenen
Betrachter scheint es auch niemals irgendeine Kritik oder Rückfragen
zu dieser Recherche gegeben zu haben.

- Dies ist genau die passende Stelle, um nun (natürlich und weitere
"Relativierungen") als "faktischen Kern" der Sendung in vorgeblich
synchroner Rekonstruktion die angebliche Verschiebung der BUK aus
Russland und den Flug von MH17 darzustellen.

- Und natürlich kommt auch die "Rauchwolke" des vermeintlichen
Abschusses ebenso zu Ehren wie einige Zeugen, die einen solchen Start
bemerkt haben wollen. Dass die Mehrzahl der Menschen in der
fraglichen Gegen nichts davon mitbekommen hat, wird natürlich ebenso
wenig erwähnt wie die erfolglose Suche der BBC nach dem Abschussort.

- Keine Rolle (wieso auch) spielen irgendwelche forensischen
Ergebnisse. Wozu benötigen wir überhaupt so etwas, schließlich wissen
wir doch, wer schuld ist.

- Aber dann greift der Bericht nochmals die Frage nach einer
möglicherweise sinnvollen Sperrung des Luftraums über der Ostukraine
auf. Ohne hier zu einem Ergebnis zu kommen wird dieses Problem mit
der Frage nach dem Vetorecht der beteiligten Nationen bezüglich der
Ergebnisse der Untersuchungskommission vermischt - Was kommt heraus?

Voila:
Die westlichen Staaten haben sich - davon zeigen sich die Autoren
überzeugt- verbündet, um die Schuld Russlands zu vernebeln

Was muss man eigentlich nehmen, um so etwas zu glauben?

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