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  • Ho Tsen Plots

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Zum ND-Artikel des Linkenpolitikers Daniel Schwerd

Zu DDR-Zeiten stand unter dem Titel "Neues Deutschland" der Zusatz "Zentralorgan der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands".

Klingt der Anfang des Artikels auch durchaus vernünftig, so entsteht beim weiteren Lesen der Eindruck, dass das Zentralorgan des Autors ausgefallen sein könnte, denn seiner Meinung nach "schwingt in der Corona-Verschwörungstheorie, auch wenn Juden namentlich nicht genannt werden, ein antisemitisches Stereotyp mit."

Zu Beginn schreibt Daniel Schwerd gar nicht mal schlecht:

Der Mensch ist, gemessen an seiner Verbreitung, das erfolgreichste Lebewesen auf diesem Planeten. Sein Erfolg basiert auf seiner Anpassungsfähigkeit, der Neugier und der Geschwindigkeit seines Lernens. Er ist gut im Erkennen von Mustern, daraus Schlüsse zu ziehen und Erfahrungen für die Zukunft abzuleiten. Das ist seine Überlebensstrategie: blitzschnell Muster zu erkennen und zu verarbeiten. Den Tiger im Dschungel auszumachen, das gefleckte Tier im Blättermeer, davon hängt buchstäblich sein Überleben ab.

Wir werden als nackte, dumme Affen geboren. Innerhalb unserer Lebensspanne lernen wir in Jahrtausenden gesammeltes Wissen und gewachsene Kultur durch Beobachtung der Umwelt, durch permanentes Zusammensetzen und In-Zusammenhang-Setzen von Informationen. Eine einfachere, aber stärkere Erklärung ziehen wir dabei einer vagen, komplizierten oder schwerer nachvollziehbaren vor. Und das ist zugleich auch eine Schwäche: Der Mensch bemüht sich, Muster im Chaos zu erkennen, wo keines ist. Er versucht, Informationen in Zusammenhang zu setzen, die keinen erkennbaren Zusammenhang haben. Er ist auf der Suche nach Gründen, wo er keine finden kann. So entstehen Mythen.

Aus unerklärlichen Umweltphänomenen sind Götter entstanden, die er dafür verantwortlich macht. Aus Katastrophen und Schicksalsschlägen werden Strafen für Fehlverhalten. »Horror vacui«, die Angst vor leeren Stellen im Kopf, die Erfahrung, dass es für manche Phänomene keine greifbare Erklärung gibt, ist für ihn nicht auszuhalten. Und so konstruiert sich der Mensch eine Erklärung: aus zufälligen Beobachtungen von gleichzeitigen Phänomenen, aus Koinzidenz baut er Kausalität.

So weit, so gut. Jetzt kommt der Bruch.
Nach vermutlichem Ausfall seines Zentralorgans schreibt er weiter unten:

Verschwörungstheorien sind der Kern rassistischen Denkens: Zuschreibungen von Stereotypen, von Eigenschaften beispielsweise anhand der Herkunft, der Hautfarbe, des Glaubens. Jede Verschwörungstheorie bedient diese Muster und beinhaltet diese Gefahr.

Und der Prototyp der sinisteren Mächte hinter Seuchen und Katastrophen sind antisemitische Stereotype: Die Brunnenvergifter, die Blutsäufer, die »Weisen von Zion«. In diesem Licht schwingt in der Corona-Verschwörungstheorie, auch wenn Juden namentlich nicht genannt werden, ein antisemitisches Stereotyp mit - von Judenhassern dankbar aufgenommen. Es ist kein Zufall, dass gerade auch Israel als potenzielle Quelle des Virus genannt wird.

Daher dürfen wir auch diese Theorien nicht unwidersprochen lassen. Und das meint nicht nur die Verharmlosung einer potenziell tödlichen Infektionskrankheit und die Gefährdung von Risikogruppen, von vorerkrankten oder alten Menschen - sondern auch den rassistischen, ausgrenzenden Kern der inhärenten Schuldzuschreibung.

https://www.neues-deutschland.de/artikel/1135810.coronakrise-mit-rassistischem-kern.html

Ich hoffe, dass das Licht bei Herrn Schwerd wieder angegangen und die volle Funktionsfähigkeit seines Zentralorgans wieder hergestellt ist.

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