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  • Russischer Hacker

mehr als 1000 Beiträge seit 29.05.2017

Krim gegen Ostukraine?

Die Spannungen, die derzeit zwischen der NATO und Russland bestehen, sind der Ansicht der bis 2006 mit dem CDU-Außenpolitiker Friedbert Pflüger verheirateten Ex-Vorsitzenden des Transatlantischen Forums der FDP nach überwindbar.

Das sind sie durchaus. Aber nicht so:

Dazu solle der neue ukrainische Staatspräsident Wolodymyr Selenskyj einfach "signalisieren, dass Kiew die Einverleibung der Krim durch Russland als Gegenleistung für die Zustimmung Russlands zur Wiedereingliederung des Donbass in die Ukraine ohne Sonderstatus anerkennen würde". Dann wäre der Ansicht der ehemaligen Doktortitelträgerin nach "der Weg frei, die Sanktionen gegen Moskau aufzuheben und Russland als achtes Mitglied wieder in den Kreis des G7-Gipfels aufzunehmen".

1. G8 Format

Russland ist ein ständiges Mitglied im UN Sicherheitsrat, ist im viel umfangreichen G20 vertreten und ist am aus russischer Perspektive völlig bedeutungslosen G7 bzw. G8 überhaupt nicht interessiert. Dafür hat Lawrow auch einfach gar keine Zeit.

In Deutschland mag man vielleicht ein Problem damit haben Russland einzuladen, nachdem man es mit dem Rauswurf aus G8 bestrafen wollte. Das ist aber kein Problem Russlands.

2. Aufhebung von Sanktionen

Dann wäre der Ansicht der ehemaligen Doktortitelträgerin nach "der Weg frei, die Sanktionen gegen Moskau aufzuheben

Russland fordert die Aufhebung der Sanktionen überhaupt nicht. Russland hält die Sanktionen für einen feindseligen Angriff auf russische Wirtschaft, mit dem Ziel soziale Unruhen und Aufstände gegen die Russische Regierung zu provozieren.

Russland hält es für einen Angriff auf seine Souveränität und hat jede Sanktion des Westens mit Gegensanktionen vergolten. So wurden etwa Einfuhrverbote für Produkte aus der EU sowie Zollschranken eingeführt.

Ein Jahr Sanktionskrieg mit Russland kostete laut WELT.de die EU 100 Milliarden Euro.

https://www.welt.de/wirtschaft/article142742046/Russland-Krise-kostet-Europa-bis-zu-100-Milliarden-Euro.html

Das war im Jahr 2015. Seitdem wurden bereits viele neue Sanktionen und viele Gegensanktionen eingeführt. Wegen MH17, Skripal, Aleppo etc...

So lange ihr Russland wirtschaftlich zu zerstören versucht werdet ihr dafür selbst wirtschaftlich bluten.

Wenn ihr aufhören wollt wirtschaftlich zu bluten, dann müsst ihr nicht nur eure vergeblichen Versuche Russland wirtschaftlich zu zerstören einstellen, ihr müsst auch für die bereits entstandene Schäden in Russland aufkommen.

Russland hebt seine Gegensanktionen erst dann auf, wenn die EU die von ihr verursachten wirtschaftlichen Schäden wieder gut gemacht hat. Unabhängig davon ob die EU den Status der Krim anerkennt oder auch nicht. Unabhängig davon ob Trump Russland eine NATO Mitgliedschaft anbietet oder nicht.

Oder ihr könnt weiter bluten und vergeblich darauf hoffen, dass die Russen sich gegen ihre Regierung erheben damit ihr eure Marionetten dort installieren könnt.

Aber macht euch keine Illusionen, dass Russland zu irgendwelchen Zugeständnissen bereit wäre, mit der Aussicht der Einstellung der Sanktionspolitik gegen Russland.

Das wäre ja so wie wenn man auf jemanden schießt, der Andere zurückschießt, und dann macht man ein Angebot: Hey, wie wäre es wenn wir aufhören zu schießen, was gebt ihr uns dafür? Na nix! Ihr habt damit angefangen zu schießen! Wenn ihr nicht mehr auf uns schießen wollt, dann hört halt einfach auf damit. Vielleicht hören wir dann auch mit dem Zurückschießen auf. Vielleicht aber auch nicht, vielleicht haben wirs persönlich genommen und wir kämpfen weiter bis zu eurer bedingungslosen Kapitulation. Lang kann das ja nicht mehr dauern, wenn ihr schon etwas aufheben wollt, womit ihr selbst angefangen habt.

3. Krim gegen Ostukraine

Dazu solle der neue ukrainische Staatspräsident Wolodymyr Selenskyj einfach "signalisieren, dass Kiew die Einverleibung der Krim durch Russland als Gegenleistung für die Zustimmung Russlands zur Wiedereingliederung des Donbass in die Ukraine ohne Sonderstatus anerkennen würde".

einfach?
So etwas als "einfach" zu bezeichnen zeugt von völliger Fehleinschätzung der Lage in der Ukraine. Wenn Selenkski auch nur darüber nachdenkt die Ansprüche auf die Krim aufzugeben, baumelt sein Kadaver am nächsten Tag an einer Straßenlaterne auf dem Maidan-Platz in Kiew und ihr bekommt eine vollständige Desintegration der Ukraine als Staat. Ein zweites Jugoslawien. Ihr werdet halbes Jahr später Kiew selbst bombardieren müssen. Wie Belgrad und Sarajewo.

Russland ist auf die Anerkennung des Statusses der Krim durch die EU oder NATO überhaupt nicht angewiesen. Ihr könnt gerne die Krim weiter für ein Teil der Ukraine halten, das hindert die Krim nicht daran ein Teil Russlands zu sein. Ihr habt doch auch die Türkei in der NATO dabei. Es gibt dabei einen territorialen Streit zwischen Türkei, Zypern und Griechenland. Die Türkei ist das einzige Land der Welt, welches die Unabhängigkeit von Nordzypern anerkennt und als seine Schutzmacht auftritt. Zypern und Griechenland bezeichnen dies als eine Besatzung Nordzyperns durch die Türkei und erkennen seine Unabhängigkeit nicht an. All das hindert weder die Türkei noch Griechenland dabei ein Teil der NATO zu sein.

Donbass ohne Sonderstatus?
Darf ich daran erinnern, dass Sonderstatus für den Donbass der Kern der Minsker Vereinbarungen darstellt? Minsker Vereinbarungen sind vom UN Sicherheitsrat ratifiziert. Es ist dadurch geltendes Völkerrecht. Frankreich, Deutschland und Russland haben den Status des Garanten dieses Abkommens und sind verpflichtet alles dafür zu tun, damit dieses Abkommen von den beiden Parteien Vertretern der Ukraine und den Vertretern des Donbasses umgesetzt wird. Das ist der einzige weg zum Frieden in der Ostukraine. Einen andere Alternative kann es nicht geben.

Russland wird unter Allen Umständen auf die Umsetzung der Minsker Vereinbarungen bestehen. Es gibt nichts auf der Welt womit man Russland dazu bewegen könnte den Donbass zu verraten. So etwas würde mit Sicherheit soziale Unruhen und Aufstand in Russland provozieren, wenn Putin sagen würde, das Schicksal der Bevölkerung der Ostukraine sei Russland egal.

Ihr verstehts nicht, der Donbass wird nicht von Russland kontrolliert. Es kämpft selbst um seine eigene Freiheit. Selbst wenn Putin sagen würde, das Schicksal der Ostukrainer sei Russland egal, selbst dann würde das an deren Entschlossenheit überhaupt nichts ändern. Sie würden deshalb sicher nicht aufgeben. Vielleicht gehen sie dann sogar in die Offensive. Minsker Vereinbarungen ist das Einzige was sie noch davon abhält.

Also, insgesamt eine völlig absurde Idee, von vorne bis hinten.

Russland ist an einer NATO-Mitgliedschaft heute nicht mehr interessiert. Und ihr könnt Russland auch nicht kaufen mit der Aussicht in das bedeutungslose G7 Format aufzunehmen. Ihr könnt Russland die Krim auch nicht verkaufen. Die hat Russland so oder so schon und es ist Russland egal was ihr von der selbstbestimmten Wiedervereinigung der Krim mit Russland haltet.

Das Posting wurde vom Benutzer editiert (07.12.2019 15:03).

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