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Lobbyisten und Politiker sind mal wieder das Problem

In Deutschland ist brennbare Fassaden-Dämmung ab 22m Bauhöhe verboten

SPIEGEL ONLINE: Wie bereitet sich die Feuerwehr auf solche Brände vor?

Ries: Die Vorbereitung fängt schon sehr früh an, nämlich beim Bau der Häuser. An Gebäuden über 22 Meter Höhe dürfen keine brennbaren Fassaden verbaut sein. Damit sind wir in Deutschland europaweit allerdings die einzigen. In London ist die Fassade offenbar brennbar gewesen.

SPIEGEL ONLINE: Warum die Grenze von 22 Metern?

Ries: Weil die Drehleiter der Feuerwehr nur bis dahin reicht. Bewohner, die über dieser Grenze wohnen, müssen über Sicherheitstreppenräume fliehen können. Diese Treppen müssen wiederum mit zwei Türen gesichert werden, damit Feuer und vor allem der Rauch nicht in die Treppenhäuser gelangen können. Bei Gebäuden mit einer Höhe von mindestens 30 Metern ist zudem ein separater Feuerwehraufzug wichtig. Der muss einen eigenen Fahrschacht und eine eigene Belüftung haben. Die Feuerwehr fährt mit diesem Aufzug bis in das Stockwerk unter dem Brandherd. Ein Vorteil ist, dass die Einsatzkräfte nicht schon erschöpft sind, wenn sie in höheren Stockwerken ankommen. Immerhin wiegen Atemschutz und Ausrüstung 30 Kilogramm.

http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/london-brand-in-hochhaus-wie-sollen-bewohner-sich-verhalten-a-1152148.html

Bei Gebäuden kleiner als 22m sind Brandriegel in der Außendämmung Vorschrift:

Bei "mittelhohen Gebäuden" (> 7 Meter und < 22 Meter) gestattet die Musterbauordnung MBO den Einsatz von schwer entflammbaren Wärmedämmverbundsystemen. Werden hierfür schwer entflammbare Dämmstoffe mit einer Dämmdicke von > 100 mm eingesetzt, sind als Ausführungsvariante Brandriegel bzw. Brandbarrieren in die schwer entflammbare Wärmedämmschicht einzubauen. Der Einsatz von ROCKWOOL Steinwolle (Coverrock BR) als Brandriegel bzw. Brandbarriere würde z.B. ein solch schwer entflammbares Wärmedämmverbundsystem ertüchtigen.

http://www.rockwool.de/rat-und-tat/produktwissen/wdvs-mit-steinwolle/

Lobbyisten und Politiker sind mal wieder das Problem

FAZ: Können Sie aus dem Brand in London schon etwas schließen?

Ries: Erstens hat sich unser jahrelanger Einsatz für strenge Richtlinien mal wieder als gerechtfertigt erwiesen. Zweitens müssen endlich auch international brennbare Außenfassen bei Hochhäusern tabu werden. Und drittens müssen Hochhäuser alle zwei Jahre von der Feuerwehr begangen werden, damit die Retter im Ernstfall wissen, was sie erwartet. Wir sind europaweit in entsprechenden Gremien und versuchen das alles schon lange durchzusetzen. Leider haben da Lobbyisten oft mehr zu sagen als Feuerwehrleute.

http://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/ungluecke/feuerwehr-chef-reinhard-ries-zu-dem-brand-in-london-15061296.html

Aber Hauptsache die Gurkenkrümmung ist EU-weit geregelt.

Das Posting wurde vom Benutzer editiert (15.06.2017 12:33).

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