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  • Pnyx (1)

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Deckmäntelchen

Richtiger wäre die Kritik, dass die starke Konzentration auf den Kolonialismus- und Antirassismusdiskurs dafür gesorgt hat, dass die Israel vor allem als Kolonialmacht gesehen und unterschlagen wird, dass es der Zufluchtsort der Überlebenden der Shoah war.

Ach wirklich? Kann man mit Aussagen Corbyns diese Behauptung belegen? Hat er je den israelischen Staat als solchen in Frage gestellt?

Ich will jetzt nicht darauf herumreiten, dass der Zionismus älter ist als die Shoah, er also nicht umstandslos als Reaktion auf diese deklariert werden kann. In diese Gegend einen neuen Staat hineinzupflanzen war eine prekäre, von den Briten beförderte Entscheidung. Es gab auch Juden, wie Alfred Döblin, die sich einen jüdischen Staat anderswo erträumten. Darüber noch zu sinnieren ist aber sinnlos. Israel ist längst eine unumstössliche Tatsache und als solche ist diese, gerade von Europäern auch zu verteidigen. Das heisst aber nicht, dass die israelische eine Ausnahmeregierung ist, der rechtsextremes Verhalten nachgesehen werden kann. Es ist also strikt auf das Recht, die israelische Regierung kritisieren zu dürfen ohne einen windigen Antisemitismus-Vorwurf angehängt zu bekommen, zu bestehen.
Sowohl das von der Murdoch-Presse inszenierte Kesseltreiben gegen Corbyn als auch die gestrige staatlich orchestrierte anti-antisemitische Kundgebung in Frankreich sind Lehrbuchbeispiele dafür, dass es denjenigen, die Vorwürfe erheben, nicht im geringsten um Antisemitismus geht, sondern um innenpolitische Ziele. In Grossbritannien der Kampf gegen eine als solche wiedererwachende Labour-Partei, in Frankreich um die Schwächung des ausserparlamentarischen Protests.

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