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  • observer3

mehr als 1000 Beiträge seit 31.12.2005

Zum deutschen Umgang mit Russland.

Was seit einiger Zeit hier gegen Russland abgeht, das muss man in einem kurzen historsichen Rahmen sehen.

Die immer schriller werdenden Anschuldigungen und Verleumdungen Russlands haben ein Ausmaß erreicht, wo man zu Recht von Volksverhetzung reden kann – und sie kommen von ganz oben, die Kanzlerin, das Außenministerium und unison die gesamte transatlantisch ausgerichtete Presse,
Was ist daran so gefährlich?

Die Geschichte hat mehrfach gezeigt, dass die Dämonisierung eines Landes eine Vorstufe für einen Krieg darstellt. In den Köpfen der Bevölkerung soll sich das Feindbild verfestigen, wie auch die eigene moralische Überlegenheit, welche dann früher oder später zur Rechtfertigung der Anwendung militärischer Gewalt führt.

Solange Russland unter Jelzin ein schwacher Staat war, dessen Rohstoffe sich durch westliche Konzerne ausbeuten ließen, war das Land für den Westen in Ordnung. Dass damals mehr Journalisten pro Jahr umgebracht wurden und die Bevölkerung ausufernder Gewalt und Erpressung mafiöser privater Strukturen ausgesetzt war, das war dem Westen kein Thema. Die Einschätzung und Berichterstattung hat sich massiv geändert, seit Russland wiedererstarkt ist und eine eigene unabhängige Politik macht.

Mit Gewalt und quasi-militärischen Operationen versucht der Westen seitdem, den Einfluss Russlands geografisch einzuengen:
In der Ukraine hat der Westen einen rechtsnationalistischen Putsch von Kräften unterstützt, welche sich auf Vorfahren berufen, die mit Nazi-Deutschland kollaborierten und seit sie an der Macht sind einen Krieg gegen ihre Landsleute im Donbass führen, welche diesen „Schwenk“ nicht mitmachen wollen. Die Bewohner der Krim haben sich nach dem rechtsnationalistischen Putsch in Kiew in die russische Föderation geflüchtet. Langfristiges Ziel des Westens war/ist es, Russland den Militärstützpunkt auf der Krim zu nehmen, was aber bekanntermaßen gescheitert ist.
Zweiter militärischer Konflikt war/ist in Syrien, wo der Westen versuchte durch Unterstützung und Einschleusung zig-tausend Dschihadisten aus dem Ausland, die russlandfreundliche Regierung Assad mit Gewalt zu stürzen. Das militärische Eingreifen Russlands auf der Seite der syrischen Regierung (im Einklang mit dem Völkerrecht) hat dem einen Riegel vorgeschoben.

Seit der militärischen Niederlage des Westens in Syrien wird gegen Russland aus allen Propaganda-Rohren geschossen um es gegenüber der westlichen Bevölkerung zu dämonisieren.
Der Abschuss des Flugzeugs MH17 in der Ukraine.
Die vermutete Vergiftung von Vater und Tochter Skripal in GB.
Die vermutete Vergiftung Nawalnys in Russland, beide Fälle vorgeblich mit einem hochwirksamen Nervengift aus der Novichok-Gruppe.
Dies sind die wichtigsten Beispiele, mit welchen Russland zum Reich des Bösen stilisiert werden soll.
In all diesen Fällen kommen zwar schlimmste Beschuldigungen, Beweise werden jedoch keine vorgelegt, obwohl behauptet wird, man besitze sie. Das ist aber genau der Unterschied zwischen einer glaubhaften Anschuldigung und einer haltlosen unbewiesenen Verleumdung.

Dieses propagandistische Vorgehen gegen Russland ist übler als es in den Zeiten des kalten Krieges war.
Kuba-Krise: Hier haben die USA ihre Beschuldigung, die Sowjets würden Atomraketen auf Kuba stationieren mit Fotos der Luftaufklärung untermauert, die sie der ganzen Welt zeigten. Da gab es nichts zu deuteln.
U2 US-Spionageflug über Russland: Hier hat Russland den gefangenen US-Piloten öffentlich präsentiert und befragt. Am vorgeworfenen Tatbestand gab es auch hier keine Zweifel.
Heute werden Behauptungen aufgestellt, es wird auch gesagt man habe Beweise, diese werden aber nicht öffentlich präsentiert. Weder die angeblich vorhandenen Sattelitenaufnahmen der USA zu MH17, noch die detaillierten Ergebnisse der Nachweise des behaupteten Nervengifts im Falle Skripal oder Nawalny wurden Russland oder der Öffentlichkeit gezeigt. Solch ein Vorgehen ist gegenüber dem politischen Gegner Russland perfide, da es dann keine Möglichkeit gibt, die Anschuldigungen zu widerlegen. Es ist auch gegenüber der eigenen Bevölkerung respektlos, da man dieser damit schlicht abspricht, ein Recht auf Beweise zu haben. Sie soll blind glauben und vertrauen. Die öffentliche Präsentation von Beweisen ist aber der Unterschied zur Rechtsprechung im Mittelalter, wo eine bloße Beschuldigung für einen Urteilspruch ausreichte.

Warum sich gerade Deutschland mit haltlosen Anschuldigungen gegen Russland zurückhalten sollte:

Kein deutscher Politiker käme auf die Idee, mit ähnlichen unbewiesenen Anschuldigungen und einer derart beleidigenden Rhetorik wie es gegen Russland üblich ist, gegen Israel vorzugehen.
Hat Israel aber nicht palästinensische Gebiete annektiert? Hat der israelische Geheimdienst nicht völlig unbestritten vor einigen Jahren noch reihenweise iranische Wissenschaftler im Iran ermordet? Dazu gab es keine üblen Beschimpfungen oder Forderungen nach Sanktionen, obwohl es dort nicht um Vorwürfe, sondern bewiesene Sachverhalte ging.

Angeführt wird in diesem Zusammenhang immer die besondere deutsche Verantwortung gegenüber Israel, wegen der ca. 6 Millionen Juden, die Nazi-Deutschland vernichtet hatte.
Das ist richtig, war aber nicht das einzige Verbrechen Nazi-Deutschlands, noch nicht einmal das vom Umfang her größte. Der Krieg gegen die „sowjetischen Untermenschen“ war ein Vernichtungskrieg. Der „Generalplan Ost“ sah die Vernichtung von 40 – 50 Millionen Menschen der Sowjetunion vor und/oder deren Vertreibung ins hinterste Sibirien. Die Wehrmacht, ihre Einsatztruppen, sowie die SS hatten im 2. Weltkrieg nahezu 20 Millionen Zivilisten in der Sowjetunion auf barbarische Weise umgebracht. Sehr viele davon auf dem heutigen Gebiet Russlands. Vorbereitet wurde dies durch eine Dämonisierung und Herabsetzung der dort lebenden Menschen und ihrer Führung gegenüber der deutschen Bevölkerung.
Die heute immer schriller und bösartiger werdenden Töne gegen Russland haben genau diese damaligen Wurzeln. Und sie fallen auf einen immer noch fruchtbaren Boden.
Dem bösen Russland traut man alles zu. Dass die Menschen dort anders denken und andere Wertvorstellungen haben (z.B. nationale Unabhängigkeit), das kann nur an einer mörderischen Unterdrückung jeglicher Opposition liegen. Für diese Behauptung braucht es auch keine Beweis. Das glaubt man auch so zu „wissen“.

Die fehlende deutsche Bereitschaft, den Fall Nawalny gemeinsam aufzuklären und dazu die Karten auf den Tisch zu legen, die dafür umso lautere Beschuldigung, ja Verleumdung Russlands, … all das weckt nicht nur bei Lawrov sondern auch generell in der russischen Bevölkerung Erinnerungen an ein damaliges Deutschland, welches Russland mit überheblicher und arroganter Haltung überfiel und Millionen Zivilisten dort ermordete.
Das heutige deutsche Vorgehen bedarf vor diesem Hintergrund einer historischen Einordnung. Es war der Ostpolitik, insbesondere der Regierung Brandt und deren Minister Bahr zu verdanken, dass nach den barbarischen Massakern im 2. Weltkrieg, Russland und seine Bevölkerung wieder Vertrauen zu Deutschland fasste. Ja, es ging und geht darum, dass Russland (wieder) Deutschland vertrauen kann. Dieses Vertrauen wird nun durch Merkel und Maas, die sich willig für transatlantische Propaganda gegen Russland einspannen lassen, zerstört.

Unsere transatlantischen Leitmedien zeichnen auch ein völlig falsches Bild des russischen Präsidenten Putin. Seine Partei ist in Russland eine gemäßigte Kraft und es gibt kaum einen russischen Politiker, der deutschlandfreundlicher wäre, als er. Bei den letzten Wahlen belegten nach der Partei Putins die Kommunisten den 2. Platz, dann kam die Partei Shirinowskis, ein stramm rechter Nationalist. Herr Nawalny hat nach neueren Umfragen nur etwa 2 % Zustimmung in der russischen Bevölkerung. Das hindert unsere Presse aber nicht daran, ihn zum „Oppositionsführer“ zu stilisieren.
Wenn Putin und seine Partei einmal abtreten werden, dann wird man sich im Westen, besonders in Deutschland, ihn noch sehnlichst zurück wünschen. Es gibt Strömungen in Russland, die ein wesentlich härteres Vorgehen gegen westliche Anschuldigungen und Einengungen der russischen Einflußsphäre fordern. Putin ist ein sehr überlegt und rational vorgehender Politiker. Nicht auszudenken, was Europa und besonders Deutschland unter einem russischen Präsidenten vom Schlage Trump erleben könnte.

Hinter den Konflikten zwischen den USA und ihren europäischen „Verbündeten“ auf der einen Seite und Russland (sowie China) auf der anderen Seite steht zudem die ständige Gefahr eines Atomkrieges, die heute mehr als alles andere verdrängt wird. Sie ist aber real. Wir sind während des kalten Krieges mehr als einmal nur durch glückliche Umstände einem Atomkrieg entkommen. Wir sollten das Schicksal nicht ein zweites mal herausfordern.

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