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  • freudhammer

664 Beiträge seit 14.12.2014

Demokratie ist im überschaubaren Rahmen schon schwer genug

Tsefix:

Die Organisationsformen von Nationalstaaten ändert sich ja durch die Globalisierung nicht.

Wer so schreibt geht davon aus, dass unser gegenwärtiges repräsentatives Polittheater Demokratie ist. Wie soll so einer dann merken, dass etwa das gegenwärtige Ausmaß an Globalisierung die Ansätze nationalstaatlicher Demokratie längst ausgehebelt haben? Der Wegfall aller Grenzen würde den Großräubern die letzten Hindernisse wegräumen und die letzten schützenden Einfriedungen beseitigen. Internationalismus, Globalisierung sind letztlich nur andere Begriffe für ungehemmten Kapitalismus und Imperialismus.

Das ist das eine. Das andere ist die Unfähigkeit von uns Zweibeinern (außer im religiösen, hormonellen oder andersartigem Rausch) über sich und seine nächsten Angehörigen und Freunde hinauszudenken und vor allem hinauszuhandeln. Was an sozialen und kulturellen Errungenschaften erreicht wurde, wurde von lange zusammengewachsenen Gruppen erkämpft, was organisatorisch schon schwer genug war. Demokratie ist auch dort täglich aufs Neue eine Herausforderung, regional vielleicht möglich, national schon eher nicht und international ist sie m.E. eine völlige Unmöglichkeit.
Menschen brauchen Überschaubarkeit und Identität, was sie aber deshalb nicht hindern muss sich als Weltbürger zu fühlen, einander langsam anzunähern, die Nöte anderer zu sehen und - etwa durch verantwortungsvolles Konsumverhalten - nicht weiter zu verschärfen.

Auch im regionalen, erst recht im nationalen Kontex, gibt es heute alle nur möglichen Entwicklungsstufen, vom sozialen, kulturellen und ökologischen Neandertaler bis zu rücksichtsvollen, gebildeten und vorausschauenden Zeitgenossen. Wenn aber noch dazu auch noch Menschen aus völlig verschiedenen Kulturkreisen zusammengeworfen werden (wobei mir dabei die Hautfarbe völlig wurst ist) die mangels Sprachkenntnis und kognitiven Andockstationen sich im besten Fall anlächeln können, dann ist weder Verständigung noch gemeinsame Identität möglich. Vom Trennenden durch schier unüberwindliche dogmatische Religionen ganz abgesehen.
Ich sage es deshalb noch einmal: Internationalismus ist im besten Fall ein schöner Traum, dessen Erfüllung aber auf Kosten der Vielfalt gewachsener Kulturen gehen würde. Heute ist er der Leim, mit dem alleine am Profit interessierte Interessengruppen Träumer einfangen, instrumentalisieren und gleichsam als Blumenträger vor ihren Geschützen und Registrierkassen hertreiben.

Das Posting wurde vom Benutzer editiert (16.08.2018 18:39).

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